Heilpädagogischer Kindergarten Heiderhof: "Räuber" führen Improvisionstheater auf

Heilpädagogischer Kindergarten Heiderhof : "Räuber" führen Improvisionstheater auf

Durch den Heiderhofer Wald schleichen jede Menge Räuber Hotzenplotze. Zwar nicht mit sieben Messern und einem Gewehr, aber mit einer unheimlichen Wut auf diesen pfiffigen Kasper, dem Hotzenplotz gerade mal wieder auf den Leim gegangen ist.

"Haben wir hier auch eine Großmutter, der der Räuber gerade die Kaffeemühle geklaut hat?", ruft Biologin Sonja Schirdewahn in die wuselnden Schauspieler des städtischen Heilpädagogischen Kindergartens Heiderhof hinein. Wer will unter den 13 Waldkindern, die demnächst in die Schule wechseln werden, schon eine alte Oma spielen, wenn es so attraktive Rollen wie Banditen, Zauberer, Polizisten und Feen zu vergeben gibt?

Hamza und Lukas fuchteln mit Spielschwertern, Ricardo probiert den Hut von Petrosilius Zwackelmann und Caleb die Polizeimütze aus. "Das hier ist die Goldkiste vom Kasper, in der gar kein Gold drin ist", erklärt ein Räuber seinen Eltern und Geschwistern.

Die sind nämlich alle auf die Lichtung gekommen, um das Improvisationstheaterstück der Waldkinder anzuschauen. Unter dem Motto "Im Wald, da sind die Räuber" inszenieren die Vorschulkinder heute die Abenteuer von Hotzenplotz im Freien. Ein einjähriges waldpädagogisches Projekt wird damit abgeschlossen: Sieben Mitarbeiterinnen des Kindergartens haben sich gezielt fortgebildet, um den angrenzenden Wald stärker in die Arbeit mit den Kindern einzubinden.

Professionelle Unterstützung gab es von "Bonnatours", dessen Team seit 15 Jahren in der Region diese Projektart vermittelt. Mit der Biologin Schirdewahn ist Forstwirtin Katja Ackermann im Boot. Der gesamte Lebenskreislauf des Waldes stand somit auf dem Forschungsplan der Kinder.

"Der Wald ist ein ganz hervorragender Erfahrungsraum. Wir sind ja sonst gewohnt, stark individualisierend zu arbeiten", erklärt Einrichtungsleiter Michael Schönefeld. Doch im Grünen gelinge jedem Kind eine neue, ganz unmittelbare und "hoffentlich nachhaltige Lernerfahrung".

Gero, Paul, Mustafa und den anderen gefährlichen Räubern gelingt es im Theaterstück inzwischen längst, den Kasper reinzulegen. Sie wollen doch Petrosilius Zwackelmann endlich einen schwer schuftenden Küchenjungen verschaffen. Denn eines kann der große Zauberer partout nicht zaubern: dass seine Kartoffeln geschält sind.

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