Kabarettistische Glaubenswoche Godesberg: Präses: Wegducken hilft nicht

Kabarettistische Glaubenswoche Godesberg : Präses: Wegducken hilft nicht

Die gute Nachricht zuerst: "Eine Schließung unseres Amos-Comenius-Gymnasiums streben wir nicht an", sagte gestern Abend zum Auftakt der Kabarettistischen Glaubenswoche in der Pauluskirche der oberste Protestant im Rheinland, Präses Manfred Rekowski.

Man werde jedoch, wie bei den anderen acht evangelischen Schulen, die hohen Gebäudekosten nicht mehr weiter tragen können. "Das heißt, wir werden sparen müssen. Wir brauchen kreative Lösungen. Möglichkeiten wären Trägerwechsel oder die Steigerung von Drittmitteln", erklärte Rekowski. Er hatte sich zur Vorstellung des Buchs "Reformation statt Reförmchen" von Gastgeber Pfarrer Siegfried Eckert in die von Eckart von Hirschhausen geleitete Podiumsdiskussion zur Zukunft der Kirchen einladen lassen - und saß angesichts der aktuellen Sparvorschläge im Rheinland im Nu auf dem heißen Stuhl.

Tja, er sei in den vergangenen Monaten in den Augen vieler "vom kreativen Superintendenten zum fantasielosen Spar-Präses" mutiert. "Damit muss ich leben. Aber wir müssen verantwortungsvoll handeln und unsere Kirche von großen Strukturen an kleinere Mitgliederzahlen anpassen", so Rekowski. Da helfe kein Wegducken. "Kirche geht nicht unter, wenn wir uns kleiner setzen."

Neben ihm hatte auch Thies Gundlach, Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland, einiges durch Eckerts Buch einzustecken. "Wir sollten unsere Kirche nicht zu Tode optimieren und sparen. Wir sollten dagegen in der Fläche so viel wie möglich präsent bleiben", brachte es Eckert in der Runde auf den Punkt. Gundlach hielt offensiv dagegen. Es gehe doch bei der Krise der Kirche nicht um Finanzprobleme, kritisierte der EKD-Vertreter scharf. "Zuerst bleiben die Menschen weg, und erst dann müssen wir die Kirchen schließen." Ja, die Evangelische Kirche habe einige Verwaltungsfehler gemacht, die ihr teuer zu stehen bekommen seien. "Das heißt, wir sind an manchen Stellen schlecht organisiert." Aber in den Gemeinden beginne doch schon die Verunsicherung. "Wir verlieren pro Jahr 90.000 Mitglieder. Da stimmt doch etwas nicht", meinte Gundlach und holte sich damit keinen Applaus.

Leichter hatte es der Vertreter von der Schwesterkirche. Stefan Vesper, Generalsekretär des im Beritt von Eckerts Gemeinde arbeitenden Zentralkomitees der Katholiken, erhielt viel Beifall. "Wir können uns untereinander keinen Streit, keine Abgrenzung leisten, wir gehören zusammen", sagte Vesper. Auch die Katholiken plagten Finanzprobleme. "Auch wir sind in einer Plausibilitätskrise. Auch uns trauen viele Menschen nicht mehr zu, dass wir die zentralen Fragen beantworten."

Und was forderte das Publikum in der voll besetzten Pauluskirche? "Fragen Sie die Menschen, was sie in ihrer Kirche brauchen und was nicht", kam aus den Reihen. Die Kirche möge nicht da sparen, wo Kommunikation stattfinde, die eben nicht in die Gotteshäuser kämen: In der Bildung also, zum Beispiel auch in der Bonner Evangelischen Akademie, so ein Mann.

Das weitere Programm der Kabarettistischen Glaubenswoche

Eintrittskarten je Veranstaltung in der Pauluskirche, In der Maar 7, erhält man für 20 Euro in jeder GA-Geschäftsstelle. Der Erlös geht an die Evangelische Thomasstiftung Bad Godesberg. Weitere Informationen im Internet unter www.thomas-kirchengemeinde.de.