Denkmal in Muffendorf: Politiker: Stadt lässt Haus Vogt verkommen

Denkmal in Muffendorf : Politiker: Stadt lässt Haus Vogt verkommen

Bad Godesberger Politiker in der Bezirksvertretung Bonn diskutieren über das Haus Vogt, ein leer stehendes Denkmal in Muffendorf. Sie ärgern sich, dass die Liste der Schäden immer länger wird und die Stadt nicht handelt.

Das Haus Vogt in Muffendorf, direkt neben der alten Schule gelegen, steht unter Denkmalschutz. Da es seit Jahren leer steht und „zunehmende Schäden an seiner Gebäudesubstanz“ zeigt, fragte der Bürger Bund Bonn (BBB) nach. Welche Arbeiten wurden seit 2000 an und in dem Haus durchgeführt? Und was beabsichtigt die Stadt künftig mit ihrem Gebäude zu tun?, wollte BBB-Ratsherr Marcel Schmitt wissen.

Das Gebäude weise schwere Baumängel auf, eine Nutzung sei derzeit nicht möglich, hieß es seitens der Verwaltung. Bereits 2010 habe man sich ein Bild vom baulichen Zustand gemacht und festgestellt, dass rund 645.000 Euro investiert werden müssten.

Unter anderem müssten der Altbaubestand statisch gesichert, der PCB-belastete und vom Holzbock befallenen Dachstuhl komplett saniert und der Kanal erneuert werden. „Es ist beabsichtigt, aufgrund des Hausschwammbefalls das Objekt unter Einbindung der Unteren Denkmalschutzbehörde erneut zu begehen und eine neue Bewertung der Bausubstanz vorzunehmen“, so die Verwaltung.

Und weiter: Das Gebäude soll auch weiterhin leer stehen, die anderen auf dem Grundstück befindlichen Häuser weiterhin vom Jugendcolloquium und den Bergfunken genutzt werden. Man werde aber nach der Begehung die Kosten erneut schätzen und Alternativen vorstellen, so die Verwaltung. Dann entscheide sich, ob das Objekt saniert werde.

Diese Antwort stellte die Politiker in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung nicht zufrieden. Zu unkonkret, so der Kritikpunkt. Wann die Begehung genau stattfinde, wollte Schmitt wissen. Stetig werde neuer Wohnraum gewünscht, dann müsse doch geprüft werden, ob das Haus Vogt dafür – oder für die Nutzung durch Vereine – infrage käme.

„Leerstand und Verfall zeigen, wie schäbig die Stadt mit ihrem Eigentum umgeht.“ Was eine neue Begehung bringen würde, wollte Ralf Jochen Ehresmann (Linke) wissen. Er sah ein Missverhältnis im Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden – genau wie Schmitt: „Für private Eigentümer gelten teilweise rigide Auflagen und für die Stadt nicht. Das ist skandalös.“

Gemeint sein könnte damit zum Beispiel ein Fall von 2012. Damals hatte die Eigentümerin des Hauses an der Max-Franz-Straße 2 die Fassade des Gebäudes nach einer langjährigen Sanierung streichen lassen – in einem kräftigen Gelbton. Diesen hielt die Untere Denkmalbehörde für nicht denkmalgerecht und forderte die Bürgerin auf, neu zu streichen.

Bonns Stadtkonservator Franz-Josef Talbot verwies auf das Gebot der Gleichbehandlung. Gerangel um das Thema Denkmalschutz gibt es auch im Fall des ehemaligen Kindergartens in der amerikanischen Siedlung, für den die Vebowag verantwortlich zeichnet.

Das Unternehmen, dessen Hauptaktionär die Stadt ist, hatte Ende 2015 den Antrag auf Abriss des Gebäudes gestellt und mit einem Gutachten den maroden Zustand dokumentiert. Daraufhin hatte die Stadt die Vebowag zu einem weiteren Gutachten verpflichtet. Denn: „Auf den ersten Blick haben wir keine gravierenden Mängel erkannt“, sagte Talbot in der Augustsitzung der Bezirksvertretung.

Man habe deshalb eine weitere, unabhängige Einschätzung gewollt, die vor allem den Aspekt der Sanierungsmöglichkeit berücksichtige. Die Politiker empörten sich darüber, dass eine städtische Gesellschaft das Denkmal habe verkommen lassen. Das Gutachten liegt mittlerweile vor und wird vom LVR-Amt für Denkmalpflege geprüft. Dann entscheidet sich, ob saniert oder abgerissen wird.

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