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Nach Schaden am Haus an der Redoute: Politiker sehen viel Sanierungsbedarf in Godesberg

Nach Schaden am Haus an der Redoute : Politiker sehen viel Sanierungsbedarf in Godesberg

Eine Kostenschätzung für die Behebung des Schadens am Haus an der Redoute in Bad Godesberg gibt es noch nicht. Dafür ist klar, dass es nicht die letzte Baustelle dort sein wird.

Ein wenig verwundert war Bezirksbürgermeister Christoph Jansen (CDU) dann doch, als er zu Wochenanfang an seinem Amtssitz ein Gerüst sah. Wie berichtet, hatten sich am Montag vom Dachsims neben dem Haupteingang der Bad Godesberger Bezirksverwaltungsstelle an der Kurfürstenallee Holzteile gelöst. Anscheinend ohne Vorwarnung, denn so Jansen: „Schließlich bin ich mehrfach wöchentlich dort.“

Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, gibt es aufgrund nötiger Abstimmungen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde noch keine Kostenschätzung für den Schaden am Haus an der Redoute. „Es wird derzeit davon ausgegangen, dass das Gebäude nicht gesperrt werden muss. Kleine Beeinträchtigungen lassen sich bei Bauarbeiten nicht gänzlich ausschließen“, so Kristina Buchmiller vom Presseamt. Das SGB werde den Zustand des Hauses – bei seiner generellen Überprüfung städtischer Liegenschaften – nun erneut betrachten.

Fast alle Parteien bringen ein gewisses Verständnis für die Situation auf. „Schäden im Dachbereich eines historischen Gebäudes, wie dem 230 Jahre alten ehemaligen kurfürstlichen Hoftheater, können immer auftreten“, sagt exemplarisch Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn (BBB). Allein Gabriel Kunze (SPD) ist sehr überrascht, zumal es dort kürzlich noch eine Fraktionssitzung gegeben habe samt Gespräch auf der Terrasse. „Dass wir uns dort alle in Gefahr befanden, weil etwas vom Dach oder der Fassade hätte herunterfallen können, hätte niemand gedacht“, sagt Kunze.

In Godesberg gibt es noch viel zu tun

Einigkeit herrscht dagegen darin, dass es in Godesberg für das Städtische Gebäudemanagement viel zu tun gibt. „Eine wichtige und dringende Baustelle sind die beiden Musikschulgebäude an der Kurfürstenallee“, nennt Wolfgang Heedt (FDP) ein Beispiel, das auch die anderen fünf Parteivertreter erwähnen. Schauspielhaus und Godesburg bringt unter anderem  Nicole Unterseh (Grüne) ins Spiel, Jansen die Alte Schule in Muffendorf, Schmitt das Haus Vogt ebenda. Ralf Jochen Ehresmann (Linke) sieht wie einige andere die Schulen an erster Stelle. „Viele von ihnen sind jetzt in einem Alter, wo ständig Schäden zu erwarten sind“, so Ehresmann.

Das meist von älteren Bürgern vorgebrachte Argument, Bad Godesberg werde seit der Eingemeindung von Bonn übersehen, teilt bis auf den BBB niemand. Schmitt sieht gerade bei der Verteilung von Sanierungsgeldern Nachteile: „Das betrifft nicht nur die städtischen Godesberger Immobilien, von denen viele, die sanierungsbedürftig waren, ja bereits deshalb veräußert wurden, sondern auch unsere Infrastruktur.“ Unterseh meint dagegen: „Es geht hier nicht um eine Konkurrenz zwischen den Stadtteilen, sondern darum, dass die Mittel effizient dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden“, meint Unterseh. Wobei Heedt betont, dass das SGB durch den Rat mehr Geld für Personal bekommen habe: „Wir erwarten auch, und dafür sprechen derzeit die ersten Eindrücke, dass der neue Leiter Lutz Leide Produktivität und Qualität des SGB steigert.“ Für Kunze ist gesamtstädtisch betrachtet klar: „Ich habe den Eindruck, dass in der Verwaltung niemand weiß, wie schlimm die Lage wirklich ist.“

Größtenteils entspannt haben laut Administratoren die User der großen Godesberger Facebook-Gruppen auf die Nachricht eines neuerlichen Sanierungsfalls reagiert. Jürgen Schönewald, Administrator von „Du kommst aus Godesberg, wenn...“ erkennt allerdings eine gewisse Vernachlässigung des Stadtbezirks. „Ich nenne als Beispiel die Fußgängerzone, die seit 1975 nicht einmal renoviert oder verschönert wurde.“ Seine Kollegin Bettina Klasen wünscht sich, dass die Ausschüsse sich „eben von Zeit zu Zeit auch mal die Örtlichkeiten vor Ort ansehen sollten“, um einer Vernachlässigung entgegenzuwirken. Benjamin Knüpling von „Bad Godesberg online“ sieht stadtweit eine generelle, aber nicht bewusste Vernachlässigung städtischer Gebäude – „aufgrund von Zuständigkeits- und Kompetenzproblemen“.