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Einkaufszentrum in Berkum: Politik kritisiert Einkaufszentrum

Einkaufszentrum in Berkum : Politik kritisiert Einkaufszentrum

Die Erweiterung des Einkaufszentrums in Berkum sei viel zu groß geworden, so der Tenor einer Diskussion am Mittwochabend in der Bezirksvertretung Bad Godesberg. Viele Kommunalpolitiker fürchten, dass Kaufkraft aus der Godesberger Innenstadt in die Nachbarkommune abgezogen wird.

CDU und Bürger Bund Bonn (BBB) hatten eine große Anfrage zum Thema gestellt, in der es vor allem um die Einflussmöglichkeiten der Bonner Stadtverwaltung ging. Ein Großteil der Geschäfte im neuen Komplex "Wachtberg Mitte" ist seit Mitte August geöffnet. Marcel Schmitt (BBB) warf der Verwaltung "Zuschauen und Nichtstun" vor.

Sie habe keine Klage und keinen Widerspruch eingelegt. Auch Philipp Lerch (CDU) sagte: "In der Tat hat die Verwaltung diesem Treiben in Wachtberg nicht Einhalt geboten." Er forderte eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Rhein-Sieg-Kreis und nannte das, was in Wachtberg passiert ist, einen "unfreundlichen Akt". Ulrich Hauschild (FDP) hingegen setzt eher darauf, den eigenen Gewerbestandort zu stärken.

In der Diskussion ging es schnell um die Aufgabenverteilung zwischen Stadt Bonn und Kreis. Die ist für Philipp Lerch am konkreten Beispiel klar: "Wir halten Bildung für die Wachtberger Kinder vor. Dafür sollte der Einkaufsstandort in erster Linie Bad Godesberg sein." Barbara Ingenkamp (BBB) formulierte es noch spitzer: "Wachtberg hätte sich ja mal bemühen können, ein Gymnasium zu bauen."

Die Verwaltung berichtet in einer ausführlichen Stellungnahme, dass die Gemeinde Wachtberg in verschiedenen Punkten den Anregungen der Stadt Bonn gefolgt sei, zum Beispiel mit Festsetzungen zur Verkaufsflächenobergrenze. Ein Ansatz zu einer Klage habe sich nicht ergeben.

Die Verwaltung hat ermittelt, wie die Umsatzumverteilung für das Godesberger Zentrum aussieht: In den Sparten Nahrungs- und Genussmittel, Schuhe und Elektroartikel fließen jeweils rund 300.000 Euro nach Wachtberg, bei Bekleidung, Wäsche und sonstigen Textilien 900.000 Euro, im Sortiment Gesundheits- und Körperpflege zwei Millionen Euro, bei Sport- und Freizeitartikeln unter 200.000 Euro und bei Glas, Porzellan und Hausrat 500.000 Euro.

Solch konkrete Zahlen wünschte sich die Bezirksvertretung auch für Beratungen über künftige Einzelhandelsprojekte und deren Auswirkungen. Mit Blick auf Wachtberg bilanziert die Bonner Verwaltung, dass nicht zu erwarten sei, dass die Umsatzverlagerungen das Godesberger Zentrum in beachtlicher Weise beeinträchtigten.

Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Gemeinde Wachtberg sieht vor, dass das Einkaufszentrum in Berkum eine Versorgungsfunktion für das gesamte Gemeindegebiet übernimmt. Die neuen Fachgeschäfte in Wachtberg Mitte schließen Versorgungslücken zum Beispiel im Bereich Textilien und Schule. Außerdem hoffen die Bürger in den "Talorten" Pech und Niederbachem, dass der Durchgangsverkehr abnimmt.