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Kindermusical in Bad Godesberg: Plötzlich taucht Luther im Klassenraum auf

Kindermusical in Bad Godesberg : Plötzlich taucht Luther im Klassenraum auf

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde probt zum 500. Reformations-Jubiläum ein Musical für Kinder. Das Stück „Alles Liebe, Martin Luther“ stammt aus der Feder des Theologen- und Musiker-Ehepaars Miriam Küllmer-Vogt und Fabian Vogt.

„Verbindet ihm die Augen“, ruft ein Mädchen, das auf einem Stock mit Pferdekopf reitet. „Damit er nicht sieht, wo wir ihn hinbringen“, fügt ein ebenfalls berittener Junge hinzu. „Und wehe, Luther, du wehrst dich“, droht das Mädchen, während sie mit einem Holzschwert gefährlich nah vor Luthers Nase herumfuchtelt. Die vier Reiter packen den zitternden Luther und galoppieren von der Bühne. „Sehr gut! Und nochmal von vorne“, ruft Schauspielleiterin Dorothea Lamoth.

Die Szene, die die Kinder auf der Bühne in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Bonn nachspielen, hat es der Überlieferung nach vor 500 Jahren wirklich so gegeben: Am 4. Mai 1521 ließ Kurfürst Friedrich der Weise den vogelfreien Martin Luther „entführen“ und auf die Eisenacher Wartburg bringen, um den Reformator vor dem Tod zu bewahren. Zum runden Jubiläum seiner Thesen führt die Gemeinde Luthers Geschichte mit 50 Kindern zwischen acht und 13 Jahren auf. Seit Ende Januar proben sie für das Musical „Alles Liebe, Martin Luther“, Premiere ist im Mai.

Jedes Jahr stellt die Truppe rund um Kinder- und Jugendreferentin Gaby Lux ein Musical auf die Beine; dieses Jahr zum 14. Mal. „Das Projekt ist total offen. Die wenigsten Kinder sind aus der Gemeinde“, berichtet Lux. „Jedes Kind darf mitmachen, weil wir davon ausgehen, dass jedes Kind singen und irgendwie auch tanzen und schauspielern kann.“

In den ersten Proben dürfen sich die Kinder für einen Workshop entscheiden: Sologesang, Tanz oder Schauspiel. Dann wird „ganz harmlos“ gecastet, damit niemand mit seiner Aufgabe überfordert ist. Am Anfang und Ende der Proben singen alle zusammen im Chor, dazwischen übt jede Gruppe für sich. „Ein Probenablauf, der sich bewährt hat“, so Lux.

Das Musical „Alles Liebe, Martin Luther“ stammt aus der Feder des Theologen- und Musiker-Ehepaars Miriam Küllmer-Vogt und Fabian Vogt und erschien erst letztes Jahr im Oktober. „Wir haben uns das sofort geschnappt. Das ist ein tolles Musical, fantastisch von der musikalischen Seite her und sehr vielfältig“, schwärmt Lux. Ein paar Veränderungen haben sie, Lamoth und Sologesangsleiterin Heidi Raschke sich aber noch einfallen lassen: Statt wortreicher Dialoge setzt das Kindermusical-Team verstärkt auf schauspielerische Szenen.

Rund 30 Helfer bringen das Stück zum Leben: Als Kostüm- und Maskenbildner, Requisitenbauer, Kinderbetreuer, Ton- und Lichttechniker unterstützen Eltern die Truppe. Inhaltlich ist das Musical ein Stück im Stück: Eine Schulklasse probt ein Musical über Martin Luther und klärt im Klassenraum beiläufig theologische Fragen, die er mit seinem Reformationsgedanken aufwarf.

„Irgendwann erscheint der 'richtige Luther', dann gibt's große Aufregung: Man kann ihn in echt befragen“, erklärt Lux. Wie es sein kann, dass Luther persönlich rund 470 Jahre nach seinem Tod wieder auftaucht, verrät Lux nicht. „Aber es löst sich auf“, verspricht sie schmunzelnd.

Zu sehen ist das Stück am Samstag und Sonntag, 20. und 21. Mai, jeweils um 16 Uhr in der Mittelstraße 39. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Mit ihnen unterstützt die Gemeinde traditionell die Kindernothilfe in Duisburg und eine Missionarin, die in Afrika arbeitet.