Sekundarschule im Pennenfeld: Pläne für Fusion werden konkret

Sekundarschule im Pennenfeld : Pläne für Fusion werden konkret

Einige Handwerker waren gestern Vormittag in der Johannes-Rau-Hauptschule mit Arbeiten beschäftigt, wie sie während der Schulferien üblich sind. Geht es nach den Plänen der Stadtverwaltung, dann könnten Handwerker die "Zitronenschule", wie sie ihrer Außenfarbe wegen zuweilen scherzhaft genannt wird, demnächst womöglich länger bevölkern, um dort umfassende Umbauarbeiten vorzunehmen.

Im Stadthaus verdichten sich Pläne, die Hauptschule mit der nebenan liegenden Carl-Schurz-Realschule zu einer so genannten Sekundarschule zu fusionieren.

Diese soll, wenn möglich, bereits im Schuljahr 2014/15 ihren Betrieb aufnehmen. Bereits im September soll die Kommunalpolitik über das Vorhaben entscheiden. Folgen die Mitglieder von Bezirksvertretung (Sitzung am 11. September), Schulausschuss (18. September) und Stadtrat (19. September) dem Verwaltungsvorschlag, dann wäre auch für die Carl-Schurz-Realschule das Ende eingeläutet. Hinsichtlich der Johannes-Rau-Hauptschule hatte die Verwaltung angesichts geringer Anmeldezahlen bereits vor einigen Wochen dringenden Handlungsbedarf angemeldet und aus diesem Anlass die Idee der Sekundarschule ins Gespräch gebracht.

Die heutigen Schulen würden bei einer entsprechenden Entscheidung mit der Gründung der Sekundarschule keine neuen Schüler mehr aufnehmen, alle bestehenden Klassen würden aber noch zum herkömmlichen Haupt- oder Realschulabschluss geführt. Auch soll der Aufbaurealschulzweig an der Carl-Schurz-Realschule bis 2015/16 fortbestehen. Zunächst aber müsste die wesentliche Bedingung zur Gründung der Sekundarschule erfüllt werden. Diese setzt voraus, dass mindestens 75 Kinder - für drei Klassen à 25 - angemeldet werden.

Die Anmeldezahlen sind es auch, die den beiden traditionellen Schulen in Pennenfeld nun zum Verhängnis zu werden scheinen. So teilt die Johannes-Rau-Hauptschule das Schicksal vieler Hauptschulen: In den vergangenen zehn Jahren sind ihre Schülerzahlen um 42 Prozent zurückgegangen. Wo eigentlich Platz für 540 Schüler wäre, drückten im abgelaufenen Schuljahr lediglich 232 Kinder die Bank.

Von diesen haben 182, also 78 Prozent, einen Migrationshintergrund. Die Zahl der Kinder in den Eingangsklassen hat sich in den letzten Jahren von 36 auf 23 reduziert. Für das kommenden Schuljahr liegen nur noch 19 Neuanmeldungen vor. Seit sieben Jahren beginnt die Schule mit lediglich einer Eingangsklasse. Und das, obwohl die "Zitronenschule" das einzige Hauptschulangebot im gesamten Godesberger Süden ist.

Kaum anders sehen die Zahlen in der benachbarten Carl-Schurz-Realschule aus. Sie hat eine Kapazität von 540 Schülern, wurde zuletzt aber nur von 316 Schülern besucht. Von ihnen, so die Verwaltung, hatten 229 und damit 72 Prozent, ausländische Wurzeln.

In der fünften Klasse hatten 90 Prozent (18 Kinder) einen Migrationshintergrund. Die Zahl der Kinder in den Eingangsklassen hat sich vom Schuljahr 2011/12 auf 12/13 um weit mehr als die Hälfte reduziert, sodass die Realschule im zurückliegenden Jahr nur durch eine Ausnahmeregelung der Bezirksregierung mit einer einzügigen fünften Klasse arbeiten konnte, so die Verwaltung. Keine Auskunft gibt die Vorlage aus dem Stadthaus zum jetzigen Zeitpunkt darüber, welche konkreten Folgen die Umwandlung in eine Sekundarschule auf die gesamte Personalstruktur der beiden heutigen Schulen hätte. Ebenso wird nicht thematisiert, wie sich die Fusion auf den öffentlichen Haushalt auswirken würde.

Die Sekundarschule

In einer Sekundarschule sind die Trennungen des dreigliedrigen Schulsystems aufgehoben; im Gegensatz zur Gesamtschule ist mit dem Ende der Mittelstufe Schluss, denn eine Oberstufe gibt es nicht. Wer überdies das Abitur erwerben will, muss von der Sekundarschule dann auf ein Gymnasium oder eine Gesamtschule wechseln. Die neue Schulform wurde im Oktober 2011 im nordrhein-westfälischen Schulgesetz verankert. Ein Auswahlverfahren von der Grundschule zur Klasse 5 findet nicht statt. Dazu die Stadtverwaltung: "Ausgehend von der Annahme, dass Kinder am Ende der Grundschulzeit die dort erwarteten Kompetenzen in individueller Ausprägung auf unterschiedlichen Niveaus entwickelt haben, werden sie dort abgeholt, wo sie stehen".