Pfarrer Daniel Post in Bad Godesberg: "Kirchenaustritte haben spürbar zugenommen"

Interview mit Pfarrer Daniel Post : Kirchenaustritte haben in Bad Godesberg spürbar zugenommen

Der evangelische Pfarrer Daniel Post ist Vorsitzender des Evangelischen Konvents Bad Godesberg. Im Interview spricht er über Kirchenaustritte und eine mögliche Neugliederung der vier Gemeinden.

Die Erlöser-, Thomas-, Johannes- und Heiland-Kirchengemeinden haben vergleichsweise geringe Mitgliederverluste, viel Bautätigkeit, hohes soziales Engagement, aber noch wenig gemeinsame Planung. Mit Pfarrer Daniel Post, dem Vorsitzenden des Godesberger Konvents, sprach darüber Ebba Hagenberg-Miliu.

Das evangelische Bad Godesberg bedeutet erst einmal: vier Gemeinden. Wie ist die Mitgliederentwicklung?

Pfarrer Daniel Post: Wir haben aktuell rund 14 000 Mitglieder, deren Zahl wie generell in den Kirchen kontinuierlich zurückgeht, wenn auch bei uns vergleichsweise gering. Auch wir haben mehr Sterbefälle als Taufen. Und durch Wohn-Verdichtungen gibt es nur überschaubare Zuzüge.

Wie ist es mit Austritten? Und was sind die Gründe?

Post: Austritte haben auch bei uns spürbar zugenommen. Meistens haben sie wohl finanzielle Gründe. Scheidungen und persönliche Umstände spielen eine Rolle. Oder junge Leute aus kirchennahen Familien gehen in den Beruf und schauen auf ihren anfangs nicht üppigen Gehaltszettel.

Aber die vier Gemeinden selbst sind vergleichsweise reich?

Post: Richtig, sie stehen von ihren Kirchensteuereinnahmen her etwa im Vergleich mit einer Ruhrgebietsgemeinde sehr gut da. Aber von unserem Kirchensteuer-Netto bleiben nur 20 bis 25 Prozent in der Gemeinde und der Rest wird über Umlagen z.B. auch an arme Gemeinden gegeben.

Aber immerhin haben alle vier Gemeinden aktuell enorme Bautätigkeiten finanziert.

Post: Ja. Die haben aber mit den Kirchensteuereinnahmen nichts zu tun. Sie werden alle durch die Erlöse finanziert, die aus unserem Verkauf des Waldkrankenhauses an die Johanniter stammen. Ein Teil dieser Gelder ging dann auch in die Finanzierung der Hauptamtlichen in der hiesigen Flüchtlingsarbeit.

Sie sind Vorsitzender des Runden Tischs Flüchtlingshilfe Bad Godesberg und Vorsitzender des 2007 gegründeten Evangelischen Konvents der vier Gemeinden. Was sind dessen Aufgaben?

Post: Er regelt alles Gemeinsame der Gemeinden, von der Flüchtlingsarbeit über die Kleiderkammer bis zu Veranstaltungen wie dem Reformationsgottesdienst. Dazu hat der Konvent die Möglichkeit, gemeinsam Neues zu gestalten. Es ist inzwischen ja eine spannende Frage, ob wir die Gemeinden wieder ein Stück weit zusammenführen sollten.

Zurück zu den Wurzeln also? Bis 1961 hatte es 100 Jahre nur eine Großgemeinde Godesbergs gegeben.

Post: Genau. Wir müssen heute fragen, inwiefern es sinnvoll ist, über eine Teil- oder Ganzfusion nachzudenken. Die hätte den Vorteil, dass Personal- und Finanzfragen ganz anders angegangen werden könnten, als dass jede Gemeinde sie alleine löst. Ich empfinde es zudem als schade, dass wir innerhalb unserer so reichen Gemeindelandschaft doch oftmals so wenig in der Lage sind, unsere vielen besonderen Angebote aufeinander abzustimmen. Wir sollten die Wanderbewegung der Godesberger zu den Angeboten in den Blick nehmen und über Gemeindegrenzen hinwegschauen. Im gemeinsamen Planen ist also noch viel Luft nach oben.

Was ist denn das evangelische Pfund, mit dem Sie in Godesberg wuchern können?

Post: Wir zeigen, dass wir bereit sind, Modellprojekte zu etablieren, die nach vorne weisen. Projekte also, die eine Gemeinde weiterentwickeln, die nicht nur auf den traditionellen Gruppen aufbauen. Beispiele sind die vielfältigen Musikangebote und Gottesdienstvarianten, aber auch das „Eden“-Projekt an der Johanneskirche oder das Projekt gemeinsamen Kochens und Klönens, das wir gerade an der Erlöserkirche entwickeln.

Und was sind die besonderen Probleme im evangelischen Godesberg?

Post: Dass alter Glanz auf neue Lasten trifft. Es fehlt häufig die Einsicht, dass das Besondere, das in Hauptstadtzeiten selbstverständlich war, heute nicht mehr möglich sein kann. Dabei schauen wir zu wenig auf die große Fluktuation und die Chancen, die sie bedeutet. Wir müssen die Menschen, die hinzukommen und den neuen Lebenswandel stärker wahrnehmen. Das sage ich auch als Pfarrer, der in zwei Gemeinden tätig ist. Der Blick auf unsere gemeinsamen Aufgaben ist enorm wichtig.

Wo sollte das evangelische Godesberg also 2020 Gesicht zeigen?

Post: Auf jeden Fall weiterhin in der Flüchtlingshilfe. Dazu sollten wir unsere Präsenz bei Veranstaltungen in der Innenstadt stärker sichtbar machen. Zum evangelischen Godesberg gehören beispielsweise auch das Godesheim, die Frauenhilfe, die Diakonie und das Amos-Comenius-Gymnasium.

Und wie geht es in Godesberg 2020 mit der Ökumene weiter?

Post: Wir sind gespannt und positiv gestimmt, dass Ökumene sich in Godesberg an den Punkten weiterentwickelt, wo sie in den Jahren zuvor feststeckte. Von katholischer Seite her gab es bei der Einführung von Pfarrer Edward Balagon einige Signale. Gespräche sind geplant. Wir sind offen für alles Weitere.