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Neue Wege im Jugendtreff: Pädagogen machen digitale Jugendarbeit in Bad Godesberg

Neue Wege im Jugendtreff : Pädagogen machen digitale Jugendarbeit in Bad Godesberg

Die Jugendtreffpunkte in Mehlem, Heiderhof und Hansa-Haus sind vorerst geschlossen. Ihre Pädagogen halten jedoch über eine Internetplattform Kontakt mit den Jugendlichen.

Eigentlich hatten Marc Hammer, Leiter des „Rheingolds“, und sein Team diese Mehlemer Jugendhilfeeinrichtung in den vergangenen Wochen grundlegend umgeräumt. Es gibt seither wohl geordnet eine Küchentheke, einen Kickertisch, eine Darts-Wurfscheibe und einen Ort für die Playstation, fürs Filmeschauen und Brettspiele. Es kann also im „Rheingold“ bestens „gequatscht, gespielt und gemeinsam gekocht“ werden, wie Eva Plettenberg für den Träger Katholische Jugendagentur Bonn (KJA) erläutert. Aber kaum waren die Räumlichkeiten fertig, kam dem Team die Coronavirus-Epidemie dazwischen. Seit Freitag, 13. März, hängen hier wie in allen offenen Treffpunkten für Jugendliche Schilder an verschlossenen Türen: Die jungen Leute sollten soziale Kontakte erst einmal meiden und zu Hause bleiben.

„Da die Schließung sehr kurzfristig am Freitagvormittag durch die Stadt empfohlen wurde, konnten wir unsere Jugendlichen nicht vorbereiten, sondern sie nur kurz an der Tür begrüßen und dann freundlich wieder nach Hause schicken“, bedauert die KJA-Sprecherin auch für den „Offenen Jugendtreff Heiderhof“, den Gunter Larisch im Souterrain des katholischen Gemeindezentrums Frieden Christi leitet. Die jungen Leute hätten hier wie dort aber mit großem Verständnis reagiert. Was auch Berit Schmeling für das One-World-Café im Hansa-Haus bestätigt. „Die Schließung ist aber gerade jetzt, da man nicht in die Schule kann, besonders schmerzhaft“, sagt Schmeling im Namen der Träger des Cafés, der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim und der Caritas-Jugendhilfe im Hermann-Josef-Haus. Die Tagesgestaltung sei für die Jugendlichen aktuell sehr schwierig, da das Café als wichtiger Raum für den Austausch gelte.

Keine Sorge um den Verlust von sozialen Kontakten

Die Gefahr, dass man die jungen Leute in der Zeit, in der man die Anlaufpunkte nicht öffne, verlieren könnte, sehen beide Sprecherinnen jedoch nicht. Nein, man gehe davon aus, dass die Jugendlichen, sobald das Leben wieder normal laufe, sofort wiederkämen. „Im Gegenteil, wir rechnen mit mehr Zulauf nach der langen Zeit, da die Jugendlichen darauf brennen werden, soziale Kontakte zu pflegen“, meint Plettenberg. Diejenigen, die diese festen Bestandteile ihrer Freizeitgestaltung bereits seit längerem wahrnehmen, werden auch kommen, wenn wieder geöffnet wird, ist sich auch Schmeling sicher. Kontakt hielten die pädagogischen Mitarbeiter seit der Schließung über das Internet, sagen beide Sprecherinnen. „Alle unsere Jugendzentren sind in den letzten Jahren durch den LVR digital sehr gut ausgestattet worden, sodass unsere Kollegen darauf zurückgreifen können“, so Plettenberg.

Derzeit seien die Mitarbeiter vom Homeoffice aus über eine Internetplattform mit den jungen Leuten verbunden, erläutert Plettenberg. Ein extra Kanal sei angedacht, auf dem verifizierte Informationen zum Coronavirus geteilt werden, um so gegen Fakenews vorzugehen. Weitere themenbezogene Sprachchats seien denkbar, aber auch angeleitete Spiele. „Wir sind sehr gespannt, wie das Projekt anläuft.“ Die Kollegen nutzten diese kritische Zeit konstruktiv und hätten einfach losgelegt. „Wir bauen also die Ideen für unsere digitale Jugendzentren weiter aus.“

Die KJA werde ihre insgesamt drei pädagogischen Mitarbeiter und die Reinigungskraft in Mehlem und auf dem Heiderhof übrigens auch über eine längere Schließungszeit halten können, antwortet Eva Plettenberg auf GA-Nachfrage. Was auch Schmeling für das One World Café bestätigen kann. Man werde die vier Fachkräfte und eine Studentin im dualen Studium auch weiterhin beschäftigen.