Deutsches Museum: Ohne Zuschuss keine Zukunft

Deutsches Museum : Ohne Zuschuss keine Zukunft

Das Deutsche Museum, ursprünglich als Baustein für den Wissenschaftsstandort Bonn ins Leben gerufen, soll keine Zuschüsse mehr bekommen. Die Stadt würde damit 842.500 Euro jährlich sparen. Das sind laut Museumsleiterin Andrea Niehaus etwa 70 Prozent des Gesamtetats: "Das würde das Ende des Museums bedeuten."

Neugier ist der Motor von Forschung, heißt es. Um zu verstehen, was Forschung und Technik tatsächlich antreibt, empfiehlt sich ein Besuch des Deutschen Museums Bonn an der Ahrstraße. Dort wird Wissenschaft auf knapp 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche erlebbar gemacht.

Was bietet das Deutsche Musuem?

Hier kann man etwa den merkwürdigen Ionenkäfig des Bonner Physikers und Nobelpreisträgers Wolfgang Paul sehen - eine wichtige Entwicklung, mit der Ionen oder Elektronen in einem eng umgrenzten Raum festgehalten werden, um diese kleinsten Teilchen mit höchster Genauigkeit messen zu können. Mit Originalexponaten und Schautafeln wird etwa erklärt, wie Stablinsenendoskope, Neutrino-Teleskope oder aber ein Airbag im Auto funktionieren.

Ob Synthetisches Insulin, Styropor oder die Phontosynthese - das Museum bietet unendlich viele Einblicke in die wunderbare Welt der Wissenschaft. Über die Sammlung hinaus gibt es Sonderausstellungen. Die nächste heißt "Gravitationswellen-Astronomie erleben!" und wird am 5. November eröffnet. Darüber hinaus finden Workshops für Schüler, Dialoge mit Forschern und Wissenschaftlern und vieles mehr statt.

Warum gibt es das Deutsche Museum in Bonn?

Als die Idee reifte, eine Dependance des erfolgreichen Deutschen Museums in München in Bonn zu eröffnen, da gab es noch zwei deutsche Staaten und Bonn war Bundeshauptstadt. Das Technikmuseum sollte Teil der zu entwickelnden Museumslandschaft Bonns ("Museumsmeile") werden.

Dann kam die Deutsche Einheit. Nicht nur für Bonns damaligen Kulturdezernenten Jochem von Uslar sah das Deutsche Museum in direktem Zusammenhang zu Bonns Zukunft als Wissenschaftsstadt. Im November 1995 wird das Deutsche Museum eröffnet. Unter den Gästen: NRW-Ministerpräsident Johannes Rau, Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers, Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair, die Nobelpreisträger Klaus von Klitzing (Physik) und Ernst Otto Fischer (Chemie).

Wie wurde das Deutsche Museum finanziert?

Zunächst lief bis 2003 der Vertrag mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, unter dessen Dach das Museum seine Räume im Wissenschaftszentrum an der Ahrstraße bis dahin mietfrei erhielt. Danach übernahm die Stadt Bonn die Miete der Räume in Höhe von 127.000 Euro pro Jahr.

Die Finanzierung des Museums stellten verschiedene Partner sicher: Das Land Nordrhein-Westfalen hatte für die Einrichtung des Museums einen Zuschuss von 6,3 Millionen Mark (rund 3,15 Millionen Euro) geleistet. In den ersten drei Jahren übernahm der Stifterverband die Personal- und Betriebskosten in Höhe von einer Million Mark (500.000 Euro) pro Jahr.

Welche Kosten trägt die Stadt Bonn?

Stadt Bonn und die Generaldirektion des Deutschen Museums in München haben 2001 einen Vertrag abgeschlossen. Darin verpflichtet sich die Stadt, die jährlichen Personal- und Betriebskosten von damals 1,1 Millionen Mark für die einzige Zweigstelle des weltberühmten Deutschen Museums auch über das Jahr 2003 hinweg zu übernehmen. Das Mutterhaus in München verpflichtet sich im Gegenzug dazu, seine Zweigstelle in Bonn "kontinuierlich technisch und inhaltlich weiterzuentwickeln, um seine Attraktivität und Aktualität zu erhalten".

Wie teilen sich die Kosten auf?

Die Kündigung des Mietvertrages für das Deutsche Museum würde aufgrund der Kündigungsfrist erst 2019 greifen. Bis dahin müssen jährlich 127.000 Euro an den Stifterverband gezahlt werden. Der größere Posten von 715.500 Euro für Betrieb und Personal könnte schon ab 2017 eingespart werden. Allerdings muss die Stadt die drei fest angestellten Mitarbeiter des Museums weiterbeschäftigen.

Welche Einnahmen hat das Museum sonst noch?

Außer den drei Festangestellten beschäftigt das Museum noch mehr als ein Dutzend Honorarkräfte. "Um sie und unsere Ausstellungen, die pädagogischen Projekte und Aktionen zu finanzieren, müssen wir Drittmittel einwerben", so die Leiterin des Museums, Andrea Niehaus. Das macht rund 20 Prozent des Gesamtetats aus, zehn Prozent wird über Eintrittsgelder und Vermietungen erwirtschaftet.

Was gibt die Stadt für andere Museen aus?

Das Kunstmuseum wird mit jährlich rund 5,5 Millionen Euro bezuschusst. Die durchschnittliche Besucherzahl im Kunstmuseum liegt bei jährlich rund 100.000, im Deutschen Museum bei etwa 60.000. Außerdem fördert die Stadt den Kunstverein mit 156.000 Euro jährlich, was gänzlich für Personalkosten ausgegeben wird, und das Frauenmuseum mit 120.000 Euro. Den Kunstverein und seine Artothek, sonst immer um die 7000 Besucher in Jahr, suchten 2013 rund 10 000 Besucher auf, das Frauenmuseum rund 35.000.

Was waren die Gründe der Stadt vorzuschlagen, die Zuschüsse für das Deutsche Museum zu streichen?

Kulturdezernent Martin Schumacher: "Die Stadt Bonn befindet sich seit mehreren Jahren im intensiven Gespräch mit dem Deutschen Museum über die weitere Entwicklung und zukünftige Ausrichtung des Hauses. Dabei wurden mehrere Szenarien seitens des Deutschen Museums dargestellt, die die Zukunftsfähigkeit sichern. Diese Szenarien sahen jedoch alle eine erhebliche Steigerung des Zuschusses seitens der Stadt Bonn vor."

Außerdem habe sich das Mutterhaus nicht bereit erklärt, sich an der Finanzierung der nötigen Überarbeitung und Modernisierung der Sammlung zu beteiligen. Auch die Beteiligung weiterer Zuschussgeber für die institutionelle Förderung sei eher unwahrscheinlich. Die Leitung und das Team des Deutschen Museums Bonn leisteten indes "eine hervorragende Arbeit".