Flüchtlingsnotunterkunft an der Deutschherrenstraße: Obdachlosigkeit abgewendet

Flüchtlingsnotunterkunft an der Deutschherrenstraße : Obdachlosigkeit abgewendet

"Sind das die Neuen?", wollten einige Jugendliche am frühen Mittwochabend wissen, als Mitglieder der Bezirksvertretung Bad Godesberg die Flüchtlingsnotunterkunft des Landes an der Deutschherrenstraße besichtigten.

Doch die Neuen kamen erst am späten Abend: 80 Plätze zusätzlich hatte die Bezirksregierung Köln kurzfristig angeboten, obwohl die regulären 215 Plätze bereits ausgebucht waren. "Es ist wirklich nur eine ganz provisorische Maßnahme, um Obdachlosigkeit zu verhindern. Die Leute haben vor der Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund auf der Wiese geschlafen", berichtete Freia Johannsen aus der Pressestelle der Bezirksregierung.

Bei der Ankunft in Godesberg standen für die Flüchtlinge nur Matratzen zur Verfügung. Jetzt sollen in Bauteil 1 des ehemaligen Landesvermessungsamtes, der direkt an die Notunterkunft angrenzt, Etagenbetten aufgestellt werden. Gestern hat laut Bezirksregierung eine Erstbegehung der Räume stattgefunden, bei der es unter anderem um den Brandschutz ging.

Weil die Rauchmelder nicht genug Sicherheit bieten, müssen zusätzlich Personen als Brandwachen eingesetzt werden. Dauerhaft soll diese Notlösung nicht sein, so die Auskunft der Bezirksregierung: "Es bleibt bei 215 Plätzen in Bonn."

Bei dieser Zahl handelt es sich ausschließlich um die Plätze für die Erstaufnahme neuer Flüchtlinge, die das Land organisiert. Die Stadt Bonn muss ebenfalls neue Unterbringungsmöglichkeiten schaffen. Zurzeit wird ein Bürogebäude an der Karl-Finkelnburg-Straße geprüft (der GA berichtete).

Eine Entspannung der landesweiten Zugangszahlen ist nach Angaben der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg nicht in Sicht. In Linnich im Kreis Düren werden neben der Notunterkunft sogar Zelte für 200 Personen aufgestellt, sodass dort insgesamt 500 Flüchtlinge unterkommen. Ein Grund für den aktuellen Engpass beim Land ist, dass es in sechs Flüchtlingseinrichtungen Fälle von Windpocken gab. "Wir schicken von dort niemanden an die Kommunen weiter", so Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg.

Die Muffendorfer Notunterkunft hat sich seit dem Einzug der ersten 39 Personen im vergangenen Dezember verändert: Die Flure wurden farbig gestrichen, es gibt Wandgemälde und Fotos. Leiterin Jana Biesenbach zeigte den Kommunalpolitikern die Räume und den Gemüsegarten, den Asylbewerber angelegt haben. Ernten können andere, denn die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Notunterkunft beträgt zwei bis drei Wochen.

Zahlen in NRW

Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren, dass im Sommer die Zahl der Flüchtlinge zurückgeht, bestätigt sich in diesem Jahr nicht. "Wir verzeichnen in diesen Tagen extrem hohe Zahlen", so Christoph Söbbeler, Pressesprecher der für die landesweite Erstunterbringung von Asylbewerbern zuständigen Bezirksregierung Arnsberg. Am Mittwoch kamen 838 Flüchtlinge nach NRW, gestern 735.

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