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Buddhismus in Bonn: Neuer Mönch aus Sri Lanka lebt im Tempel in Friesdorf

Buddhismus in Bonn : Neuer Mönch aus Sri Lanka lebt im Tempel in Friesdorf

Buddha ist in Bad Godesberg erst auf den zweiten Blick zu finden: Mitten im Friesdorfer Wohngebiet ist der Wegweiser aus der Ferne kaum zu erkennen. Nur ein schmaler Durchgang, über dem drei bunte Fahnen wehen, führt zu einem Flachbau im Hinterhof. Dort befindet sich Bonns einziger buddhistischer Tempel. Seit drei Monaten lebt dort ein neuer Mönch: Bhanté Batuwangala Samiddhi aus Sri Lanka.

Von außen nicht direkt als Tempel erkennbar, bietet sich im Inneren dann das erwartete Bild. Vor einer auf die Wand gemalten Landschaft thront eine große goldene Buddhastatue, Räucherstäbchenduft liegt in der Luft. Nicht nur deshalb fühlt sich der neue Bonner Mönch in Friesdorf wohl: "Entscheidend ist vor allem die Ruhe", sagt Samiddhi. Die ist im Hinterhof gegeben. Bäume spenden vor dem Tempeleingang Schatten, der Straßenlärm ist kaum zu hören.

Gerade in der Ruhe sieht der Mönch die Attraktivität seines Glaubens: Die Menschen, so Samiddhi, möchten dem Stress der modernen Welt entkommen. Der Buddhismus, den der Mönch nicht nur als Religion, sondern als Lebensweise versteht, biete dabei einen Ausweg: "Buddha war ein Mensch, kein Gott. Seine Lehre ist also eine Lösung von Menschen für Menschen."

Das möchte der Neu-Friesdorfer Tempelbesuchern vermitteln, indem er sie in der Lehre Buddhas und in Meditation unterrichtet. Diese Angebote gibt es zu festgelegten Zeiten, grundsätzlich allerdings steht der Tempel jedem jederzeit offen. Im Jahresverlauf gibt es zudem größere Zeremonien. Wichtigster Tag ist Vesak, die Feier von Geburt und Erleuchtung des Buddha Gautama im Oktober.

Gegenwärtig besuchen zwar auch Deutsche den Friesdorfer Tempel, aber Exil-Buddhisten aus Sri Lanka stellen die Mehrheit. Samiddhi, der schon als Kind in ein Kloster eintrat, will das ändern. Ihm schwebt die Etablierung einer "deutschen buddhistischen Kultur" vor. Deshalb wird das Angebot für das deutsche Publikum gerade erweitert, etwa durch Waldmeditationen. Damit setzt Samiddhi einen anderen Schwerpunkt als seine Vorgänger.

Ein festes Verfahren für die Berufung des Bonner Mönchs gibt es nicht, berichtet die ehrenamtliche Helferin Sabine von Klösterlein. Stehe ein Wechsel an, sei in der Vergangenheit mit Hilfe des Konsulats und durch Heimat-Kontakte der Gläubigen aus Sri Lanka ein Nachfolger gesucht worden. Formell wählt zwar der Trägerverein den Kandidaten aus. Aber letztlich liegt die Entscheidung bei Buddha: Ein Mönch ergreift die Stelle nur, wenn er dessen Auftrag verspürt.

Entsprechend individuell führt jeder Mönch seine Aufgabe aus, auch wenn alle bisherigen Bonner Mönche den Theravada-Buddhismus vertreten haben. Diese buddhistische Philosophie versucht Buddhas Wort unverändert zu bewahren. So trägt Samiddhi zum Beispiel das typische Mönchsgewand. Traditionswahrung bedeutet aber nicht, dass sich der 30-Jährige der Moderne verschließt. Vielmehr gehört seinem Verständnis nach die Integration in die wirtschaftliche und soziale Umgebung dazu: Geldspenden nehme er an, weil Geld - anders als zu Buddhas Zeiten - heute üblich sei.

Auch die deutsche Ordnung macht vor dem Tempel keinen Halt. Aus Brandschutzgründen gibt es Teelichter statt Öllampen, der Verein unterhält das Gebäude durch Mitgliedsbeiträge und ein Plan regelt, wer jeweils den Mönch zum Essen einlädt. Über diese traditionelle Geste freut sich Samiddhi, der allein von Spenden lebt, genauso wie über das freundliche Interesse der Bonner, wenn er durch die Stadt läuft. Denn eigentlich ist er ganz ohne Erwartungen nach Friesdorf gekommen - so will es sein Glaube.

Buddhisten in Bonn
Die Statistikstelle der Stadt erfasst Buddhisten in der Gruppe "Sonstige". Ihr gehören 6285 Personen an, davon 1442 in Bad Godesberg. Sie bildet zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Die "Bonn Buddhist Association" als Träger des Tempels hat 30 Mitglieder und ist erreichbar unter der Telefonnummer 0228/318844.