Gebetsraum an der Weststraße: Neue Moschee in Bad Godesberg nimmt Gestalt an

Gebetsraum an der Weststraße : Neue Moschee in Bad Godesberg nimmt Gestalt an

Lange Zeit tat sich nichts in dem ehemaligen Gebäude der Stadtwerke an der Weststraße. Nun schreiten dort die Arbeiten an der geplanten Moschee samt Kulturzentrum voran. Zuvor galt es, einige Hürden zu nehmen.

Fast schien es so, als sei das Projekt des Marokkanischen Kulturvereins in Vergessenheit geraten. Nach jahrelangen Diskussionen, verschiedenen Informationsabenden und zahlreichen Gesprächen hatte die Stadt diesem im November 2018 die Genehmigung erteilt, an der Weststraße eine Moschee zu bauen. Doch lange Zeit tat sich wenig bis nichts in dem ehemaligen Stadtwerkegebäude in unmittelbarer Nähe des Wertstoffhofes. Das aber hat sich mittlerweile geändert. Teile des Gebäudes sind abgerissen worden, so zum Beispiel die Duschen, Umkleiden und Büros, erklärt Architekt Jan van Dorp. Außerdem wurden Wände entfernt, so dass der große Gebetsraum bereits erkennbar ist.

Im nächsten Schritt werden Arbeiten in Angriff genommen, für die es keine Genehmigungen braucht. Dann werden unter anderem Türen ausgetauscht und Tapeten entfernt. Außerdem, so van Dorp, steht ein regeneratives Grundkonzept - Luftwärmepumpe und Photovoltaik inklusive - auf dem Programm, das derzeit mit einem Ingenieurbüro erstellt wird.

Bis es soweit war, mussten einige Hürden genommen werden. Wie berichtet, möchte der Verein um den Vorsitzenden Said Ajmedar und seinen Vize Mustapha Cadi seine Gebetsräume in der Bonner Straße schon länger aufgeben, da sie nicht ausreichen. Im April 2015 nahm man Kontakt zu den SWB auf, um das Areal an der Weststraße zu erwerben. Was folgte, waren Verkaufsverhandlungen, Gespräche mit Politik, Stadt und Unternehmern, die der Ansiedlung im Gewerbegebiet kritisch gegenüberstanden. 2017 dann wurde die Bauvoranfrage positiv beschieden, im Anschluss konnte die Baugenehmigung beantragt und seitens der Stadt erteilt werden.

Vermutlich Ende 2020 kann der Verein umziehen. "Selbst wenn die angrenzenden Säle noch nicht fertiggestellt sind, wird es die Moschee sein", prognostiziert der Architekt. Die Säle gehören übrigens zu dem Kulturzentrum, das ebenfalls auf dem rund 2600 Quadratmeter großen Areal im Gewerbegebiet Godesberg-Nord entsteht. Dort gibt es Büros, Veranstaltungs- und Schulungsräume. Wohnungen, wie anfangs vorgesehen, sollen nicht entstehen.

Said Ajmedar und Ali Adahchur führen durch die Räumlichkeiten der geplanten Moschee. Foto: Benjamin Westhoff

Und: Parallel laufende Veranstaltungen schließen Verein und Architekt aus. Soll heißen, dass es nicht gleichzeitig Schulungen und Gebetszeiten oder weitere Veranstaltungen während der Seminare geben wird. Hochzeits- und Geburtstagsfeiern oder Versammlungen anderer Art finden in den Gebetsräumen nicht statt. In der Moschee selbst entsteht auf einer Fläche von 500 Quadratmetern ein Gebetsraum für die Männer, die Frauen beten auf einer Empore von 229 Quadratmetern Größe. Sie betreten die Moschee über einen eigenen Eingang.

Der Zugang für die Männer liegt an der Südstraße. Das war eigentlich anders geplant. Aber ein Transformator der Innogy Netze Deutschland GmbH machte den Planern einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur, dass über das Flurstück der GmbH keine Baulast eingetragen werden konnte, obwohl das nötig gewesen wäre. Darüber hinaus musste ein Mindestabstand zwischen Transformator und Gebäude eingehalten werden, berichtet van Dorp. "Wir hatten die Auflage, alle Fenster und Türen, die dorthin zeigten, entweder brandsicher zu machen oder zuzumauern." Dies aber hätte einen langwierigen Prozess ausgelöst. Da sei es einfacher gewesen, den Eingang umzulegen.

Insgesamt schlagen Kauf und Umbau mit rund 2,2 Millionen Euro zu Buche. Der Großteil stammt von den rund 160 Vereinsmitgliedern, hinzu kommen Spenden, die kontinuierlich gesammelt werden.

An diesem Donnerstag öffnen verschiedene Moscheen ihre Türen. Im Zuge dessen lädt der Marokkanische Kulturverein ab 15 Uhr in seine neuen Räume an der Weststraße 7 ein. Dort stellt er sich und seine Arbeit vor, Architekt Jan van Dorp informiert über die Umbaupläne.

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