Flüchtlingsunterkunft an der Karl-Finkelnburg-Straße: Nachbarn inspizieren Unterkunft

Flüchtlingsunterkunft an der Karl-Finkelnburg-Straße : Nachbarn inspizieren Unterkunft

Sechs Monate lang haben Firmen das frühere Bürogebäude an der Karl-Finkelnburg-Straße im Auftrag der Stadt zu einer Flüchtlingsunterkunft umgestaltet. Das Ergebnis konnten sich die Nachbarn am Montagabend anschauen. „Das ist aber karg“, war einer der häufigsten Sätze.

Denn trotz Sanierung: Mehr als funktional sind die Räume nicht. Feldbetten, ein Tisch mit Stühlen, Stahlspind – so sieht es aus, das vorübergehende Zuhause der neuen Bewohner.

Um die Bürger ausführlich informieren zu können, hatte die Verwaltung vier Mitarbeiter geschickt, die rund 60 Interessierte in Gruppen durch das Gebäude führten. „Im Erdgeschoss wird es vor allem Gemeinschaftsräume geben, auf den anderen Etagen sind unterschiedlich große Zimmer“, erklärte Katja Janek vom Belegungsmanagement ihrer Gruppe. Pro Flur würden maximal 20 Leute untergebracht. „In den größeren Etagen gibt es zwei Küchen“, so Janek.

Die bis zu 150 Flüchtlinge sollen sich selbst versorgen, was bei manchem Teilnehmer Stirnrunzeln hervorrief. Von „Vier Platten sind doch viel zu wenig“ über „Oh je, da brennt's bald“ bis hin zu „Hier wird es schnell lecker aussehen“ reichten die Kommentare. Janek betonte, dass sich auch die Flüchtlinge per Hausordnung an Regeln zu halten hätten.

Ab dem 20. Juni ziehen Flüchtlinge ein

Eine Dame bot spontan Pfannen und Töpfe an. „Wenden Sie sich damit bitte an das zentrale Sachspendenlager am Kaiser-Karl-Ring“, riet ihr Janek. Konkret helfen will auch Grundschullehrerin Katharina Buchholz, die gegenüber wohnt. „Ich bin gekommen, weil ich die Kinder nachmittags sinnvoll beschäftigen möchte oder sie auch auf bestehende Angebote hinweisen will“, sagte Buchholz.

Die vielleicht wichtigste Frage nach dem „Wann“ konnte der städtische Flüchtlingskoordinator Peter Tilgen beantworten: „Wir wollen ab 20. Juni zunächst die 90 Flüchtlinge aus der Pestalozzischule unterbringen.“ Ab Juli würden sukzessive die in Hotels untergebrachten Familien folgen. „Wir haben fast 300 Flüchtlinge in Hotels, was uns monatlich pro Flüchtling 1800 Euro kostet, in Unterkünften aber nur 300 bis 500 Euro“, sagte Tilgen.

Einen letzten Rundgang machte auch Peter Winter, Kreisbereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das die Einrichtung betreiben wird. „Wir arbeiten hier von 7 bis 23 Uhr im Zwei-Schicht-Betrieb mit einem Sozialpädagogen, einem Unterkunftsleiter und zwei bis drei Sozialbetreuern“, sagte er zur personellen Ausstattung. Hinzu kommen ein Hausmeister der Stadt und ein bis zwei Wachdienst-Mitarbeiter.

Manches, so kündigte Tilgen an, werde sich wahrscheinlich trotz bereits gesammelter Erfahrungen im laufenden Betrieb einspielen müssen. Und manches kommt auch neu auf die Stadt zu. „Es bricht jetzt der erste Sommer mit Flüchtlingen an, die Menschen werden nach draußen drängen“, sagte Tilgen in Anspielung auf die Lärmthematik. Grundsätzlich gelte – wie für jeden anderen Bürger auch – ab 22 Uhr die Nachtruhe.