Abschluss des Godesberger Kulturprojekts "IYouWe": Nach dem Schneidern auf den Laufsteg

Abschluss des Godesberger Kulturprojekts "IYouWe" : Nach dem Schneidern auf den Laufsteg

Rock, Pop, Hip-Hop, Graffiti, bildende Kunst, Comic, Mosaik, Fotografie – in dieser Vielfalt von Kunstformen sollte sich jeder wiederfinden können. Vielleicht ist diese Vielfalt das Erfolgsgeheimnis des Kulturprojekts „IYouWe“, das am Sonntag zu Ende ging.

Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren hatten seit dem 8. Oktober in Workshops daran teilnehmen können.Beim Abschlussfestival im „Rock&Pop“-Zentrum im Hansa-Haus zeigten sich die Veranstalter und Teilnehmer begeistert.

„Es lief großartig. Unser Angebot war gefragt – von insgesamt 115 Plätzen wurden 91 belegt“, resümierte Magdalena Bahr. Sie veranstaltete das Projekt im Auftrag des Kulturamts der Bonn. Besonders beliebt war der Graffiti-Workshop mit Künstler Benjamin Sobala. „Der Kurs war sofort ausgebucht“, so Bahr. Die jungen Teilnehmer hatten die Möglichkeit, legal eine 40 Meter breite und drei Meter hohe Wand in der Nähe eines Fußwegs zu besprühen.

Die 13-jährige Aaliyah Limberg hatte ihren Spitznamen kunstvoll an die Wand gesprayt. „Lilli“ steht dort, doch nur das „L“ ist als lateinischer Buchstabe geschrieben. „Der Rest sind chinesische Schriftzeichen“, erklärte Aaliyah stolz.

Professionelles Kunstwerk

Jeder Teilnehmer des Workshops durfte sich mit einem eigenen Schriftzug an der Wand verewigen. Daneben arbeitete Workshopleiter Sobala mit einigen Kollegen an einem professionellen Kunstwerk: „Die Profis haben einen Zauberer mit Zaubertopf gesprayt, aus dem die Schriftzüge der Teilnehmer rausspringen“, erzählte Aaliyah. Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke fand die Arbeiten „spektakulär“ und ließ sie sich von dem Mädchen erklären.

Johanna Buhre nahm am Fotografie-Workshop teil. Alle sollten dabei mit ihren Smartphones fotografieren. „Die Aufgabe war es, mit unseren Bildern Action einzufangen“, sagte Johanna. Sie hat schon immer viel mit ihrem Telefon fotografiert, aber der Kurs habe ihr deutlich gemacht, was noch alles möglich sei. Die Ergebnisse des Workshops waren am Sonntag im Hansa-Haus zu sehen.

Auch der Modedesign-Workshop stellte seine Arbeiten vor – aber nicht als Ausstellung, sondern als Modenschau. Sechs Mädchen zwischen zwölf und 14 Jahren hatten mitgemacht. Ihre Aufgabe war es, alte Kleidungsstücke „zu pimpen“, wie sie sagen – also aufzuwerten.

Lob für die vielen Spenden

Sarah hatte ein altes Kleid zum Rock umgestaltet, andere hatten ihre Shirts, Kleider und Hosen neu geschnitten, etwas angenäht oder mit Fransen versehen. Auch eine Halskette aus alten T-Shirts ging aus dem Lehrgang hervor.

„Dass sich eines unserer kulturellen Jugendprojekte nur an einen Stadtteil richtet, ist eher ungewöhnlich“, sagte Mirjam Siebenlist vom Kulturamt der Stadt. Das Projekt ist also speziell für Jugendliche aus Bad Godesberg konzipiert, „weil wir zeigen wollten, was hier kulturell für Jugendliche noch alles möglich ist – außer dem Theater“.

Besonders lobten Siebenlist und Bahr zudem die vielen Spenden und den Einsatz der Sponsoren. So stellte eine Kunstgalerie die Graffiti-Wand zur Verfügung, eine Malerfirma übernahm Vorarbeiten an der Wand und das Kinopolis etwa bezahlte die Spraydosen.

„Wir möchten das Projekt gerne fortsetzen“, sagte Siebenlist. Doch das sei nur möglich, wenn sich wieder viele Partner finden, die sponsern. Magdalena Bahr ist sich sicher, dass es sich lohnt: „Die Kinder hatten nicht das Gefühl, dass sie nun trotz Ferien zur Schule müssten. Bei uns konnten sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen.“