Theater statt Kirche: Musiker Daniel Kirchmann verlässt Bad Godesberg

Theater statt Kirche : Musiker Daniel Kirchmann verlässt Bad Godesberg

Der Seelsorgebereichsmusiker der katholischen Gemeinde in Bad Godesberg, Daniel Kirchmann, geht nach Schwerin. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Theater oder Kirche? Das war die Frage, mit der sich Musiker Daniel Kirchmann nach seinem Studium eingängig beschäftigt hat. „Vorstellen konnte ich mir beides“, erinnert sich der 35-Jährige, der nach verschiedenen Stationen schließlich am 1. Januar 2013 Seelsorgebereichsmusiker in Bad Godesberg wurde. Die Kirche hatte sich gegen das Theater durchgesetzt. Das wird sich nun ändern. Zum 1. Oktober kehrt der 35-Jährige der katholischen Gemeinde Bad Godesberg den Rücken und wird Chordirektor und Kapellmeister am Staatstheater Schwerin.

1984 in Radolfzell am Bodensee geboren, studierte Kirchmann in Köln und Würzburg. Zuerst Kirchenmusik an der Kölner Hochschule für Musik, am Ende stand das Diplom mit Auszeichnung in den Fächern Klavier und Orgel. Im Anschluss absolvierte er das Konzertexamen in Würzburg. Zurück in Köln, stand das Studium des Dirigierens in der Kapellmeisterklasse auf dem Programm, berichtet der 35-Jährige.

Daneben sammelte er viel praktische Erfahrung. Unter anderem war er Kirchenmusiker in der Pfarrei St. Dionysius in Köln-Longerich/Lindweiler sowie als Assistent der Chefdirigentin an der Kammeroper Köln angestellt. „Das war eine tolle Erfahrung“, so Kirchmann. Und sie verstärkte die Theaterleidenschaft in ihm.

Doch wie kam er dann nach Bad Godesberg? Schuld war ein Anruf des damaligen Godesberger Pfarrers Wolfgang Picken. „Er hat gefragt, ob ich Seelsorgebereichsmusiker werden wollte“, so Kirchmann. Seine Nummer hatte Picken von Erzdiözesankirchenmusikdirektor Richard Mailänder bekommen, der Kirchmann unterrichtet hatte. Er habe sich das Angebot angeschaut, „dann habe ich die Chance ergriffen“, so Kirchmann.

Sein Herz schlägt für Klassik

Was folgte, war eine vielfältige Arbeit. Er koordinierte das kirchenmusikalische Angebot im Seelsorgebereich Bad Godesbergs, und gestaltete die Gottesdienste musikalisch. Außerdem übernahm er die Leitung des Kirchenchores St. Andreas/Herz Jesu, des Vokalensembles Rheinviertel, der drei Kinderchorgruppen, des Jugendchores und der Choralschola sowie die Begleitung des musikalischen Schwerpunkts des Margarete-Winkler-Kindergartens. Darüber hinaus etablierte er den Kammerchor neu.

Wer seine Aufgaben übernehmen wird, steht übrigens noch nicht fest, sagt Kirchmann. Die Stelle ist ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft noch bis 1. Oktober. Bei den Chören – zumindest denen, in denen Jugendliche und Erwachsene singen – wird es keine Vakanz geben. Zwei Studenten Kirchmanns, die er an der Kölner Musikhochschule unterrichtet, werden in seine Fußstapfen treten, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Denkt Kirchmann an den endgültigen Abschied – letzter Arbeitstag ist der 24. September – „bin ich schon auch ein wenig traurig“, so der 35-Jährige, der verheiratet ist und einen Sohn hat. Zwar freue er sich auf die neue Aufgabe, lasse aber viele tolle Menschen zurück. Dennoch: „In der Kirche arbeitet man mit Laien, am Theater mit Profis. Das ist etwas anderes, das hat mich gereizt“, sagt Kirchmann, der aber nicht ganz vom musikalischen Amateurgeschäft lassen kann. So übernimmt er die Leitung der Schweriner Singakademie, die aus einem Konzert- und einem Kinderchor besteht.

Auch abseits des Berufs spielt die Musik eine wichtige Rolle. Hauptsächlich schlägt Kirchmanns Herz für die Klassik, aber auch Popsongs haben einen Platz. Ein bisschen Sport, ein bisschen Lesen – für viel mehr bleibt kaum Zeit. „Der Beruf ist so umfassend“, sagt Kirchmann. Das wird im Theater kaum anders sein als in der Kirche.