Fall Niklas Pöhler: Mitangeklagter Roman W. erhält 15 Monate auf Bewährung

Fall Niklas Pöhler : Mitangeklagter Roman W. erhält 15 Monate auf Bewährung

Im Fall Niklas verurteilt das Bonner Jugendschwurgericht den Mitangeklagten Roman W. zu 15 Monaten Haft auf Bewährung. Vor rund zwei Monaten wurde der Hauptangeklagte im Prozess um den Tod von Niklas Pöhler freigesprochen.

Im Fall des am 7. Mai 2016 in Bad Godesberg getöteten 17-jährigen Niklas Pöhler hat das Bonner Jugendschwurgericht am Donnerstag den Mitangeklagten Roman W. wegen Beteiligung an einer Schlägerei, versuchter Körperverletzung, fahrlässiger Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Während die Strafkammer den als Haupttäter angeklagten Walid S. am 2. Mai vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen und erhebliche Zweifel an dessen Täterschaft geäußert hatte, ist das Gericht nach fast sechsmonatigem Prozess im Fall des 22-Jährigen Roman W. nun sicher: Er war an jenem Abend einer der drei Tätern, die auf die Gruppe um Niklas losgingen. „Für uns besteht kein Zweifel daran, dass er der als weiß gekleidet beschriebene Täter ist.“ Während Roman W. sich im gesamten Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert hat, ist dessen Verteidiger Peter Krieger nach wie vor davon überzeugt, dass sein Mandant in jener Nacht nicht dabei war. Gestanden hatte der 22-Jährige lediglich, nach seiner Entlassung aus der U-Haft am 12. September 2016 einen Zeugen im Fall Niklas attackiert zu haben.

Roman W. wurde eindeutig identifiziert

Wie Jugendschwurgerichtsvorsitzender Volker Kunkel im Urteil erklärte, sei Roman W. jedoch eindeutig von Niklas‘ Begleiterinnen in jener Nacht als derjenige identifiziert worden, der Niklas‘ Freund ins Gesicht schlagen wollte und dabei eine der Begleiterinnen traf. Die Mädchen, so der Richter, hätten ihn daraufhin angeschrien und beschimpft, „und dabei standen sie ihm gegenüber und konnten ihm genau ins Gesicht sehen“. Auch wenn Roman W. der für Niklas tödliche Schlag gegen den Kopf des Haupttäters nicht zuzurechnen sei, so habe er sich wegen der Beteiligung an der Schlägerei, die zum Tod eines Menschen geführt habe, schuldig gemacht.

Strafmildernd wertete das Gericht, dass Roman W. bisher unbestraft, aber von einigen Medien fälschlich als polizeibekannter Schläger vorverurteilt worden sei. Auch die lange Untersuchungshaft von fast sieben Monaten wurde ihm nun angerechnet und dass er bei der Schlägerei in jener verhängnisvollen Nacht des 7. Mai zunächst deeskalierend eingegriffen hatte, bevor er selbst tätlich wurde – „wahrscheinlich aufgrund einer Provokation“, so Richter Kunkel.

Zeuge wurde bedroht und geschlagen

Als strafschärfend aber wertete es die Kammer unter anderem, dass er schließlich einen Zeugen bedroht und zusammengetreten- und geschlagen habe: „Das war ein bewusster und gezielter Angriff auf die Wahrheitsfindung der Justiz“, so Richter Kunkel. „Das hat ein Klima der Angst und Einschüchterung zur Folge und führt zu einem Zeugenverhalten, wie wir es im Verfahren gegen Walid S. erleben mussten.“ Dabei seien Gerichte auf die Zivilcourage von Zeugen angewiesen.

Als Bewährungsauflage erlegte die Kammer dem Angeklagten auf, 500 Euro an den Opferverein „Weißer Ring“ zu zahlen und 100 Sozialstunden zu leisten. Außerdem darf er sich einem Zeugen im Fall eines anderen Übergriffs, den das Gericht jedoch aus Beweisproblemen einstellte, nicht mehr nähern. „Sie stehen unter Beobachtung“, gab Richter Kunkel dem 22- Jährigen mit auf den Weg. Sollte er sich während der Bewährungszeit etwas zuschulden kommen lassen, müsse er die Strafe absitzen. Verteidiger Peter Krieger kündigte Revision gegen das Urteil an.

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