Kulturstätte in Bad Godesberg: Mindestens drei Bewerber wollen das Kleine Theater retten

Kulturstätte in Bad Godesberg : Mindestens drei Bewerber wollen das Kleine Theater retten

Zwei Bonner präsentieren dem GA ihre Anträge für die Übernahme des Kleinen Theaters in Bad Godesberg. Ein Dritter bestätigt sein Interesse.

Mindestens zwei Bewerber haben bislang bei der Stadt ihr Angebot für die Weiterführung des Kleinen Theaters nach Juni 2019 abgegeben. Dann will, wie berichtet, dessen langjähriger Leiter Walter Ullrich in den Ruhestand gehen. Über die genau Zahl bisheriger Bewerber will die Stadt derzeit keine Angabe machen.

Im Februar war ein kaufinteressierter Godesberger nach monatelangen Verhandlungen mit der Stadt ausgestiegen, weil er mit den Zahlungsmodalitäten der Kaufsumme von 410 000 Euro nicht einverstanden war. Damit war das künstlerische Nachfolgeprojekt der Kölner Theatermacherin Bettina Montazem und des Vereins Kleines Theater geplatzt. Der Rat veranlasste daraufhin ein Interessenbekundungsverfahren, innerhalb dessen sich bis zum 30. Juni Bewerber melden können. Ziel ist, für das stark renovierungsbedürftige Haus eine kulturelle Nutzung bis zu 30 Jahre sicherzustellen. Und das vorzugsweise mit Hilfe des Erbbaurechts. Alternativen wären Verkauf oder Verpachtung.

Einer der zwei Bewerber, die dem GA ihre Pläne erläuterten, ist der Schauspieler und ehemalige Unternehmensleiter Frank Oppermann. Er war schon in der Montazem-Planung beteiligt. „Ich habe mich nun offiziell beworben, und zwar alleine und unabhängig, weil mir der Erhalt des Kleinen Theaters eine Herzensangelegenheit ist“, sagt der 51-Jährige. Er will das Haus pachten und Renovierungen „in einem überschaubaren Zeitrahmen“ veranlassen, ohne den Spielbetrieb zu unterbrechen. Vom Repertoire her strebe er die bewährte Mischung aus Drama, Musical und Komödie an. Obwohl ab 2019 die Fördermittel der Stadt wegfielen, sehe er auch eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive, auf dem Bestand des jetzigen Theaterbetriebs aufzubauen und damit das Haus auf stabiler Basis in die Zukunft zu führen. Für Finanzierungshilfen hat Oppermann über die sozialen Medien eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Im Personalbereich müsse er jedoch reduzieren. „Ich könnte den Betrieb nahtlos fortführen und dabei bestehende Ressourcen nutzen, um das Theater dann sanft zu modernisieren und die Attraktivität auch für das nachwachsende Publikum wieder zu steigern“, sagt Oppermann. Auch lägen Kooperationsanfragen vor, aus denen heraus eine Nachwuchsförderung möglich wäre.

Zweiter Bewerber: 100 Aufführungen gesichert

Ein weiterer Bewerber ist ein Bonner Bürger, der derzeit noch anonym bleiben will. Er will das Haus kaufen und es weiterhin als Theater nutzen, ohne aus der Immobilie Nutzen ziehen zu müssen. Er sei Theaterliebhaber, nicht Theatermacher. „Ich bin Organisator und möchte die Bühne für andere Theater zu Verfügung stellen“, sagt er. Man dürfe fürs Stammpublikum keine Pause im Spielbetrieb entstehen lassen, sonst verliere man es. Deshalb plane er die erste Saison ohne größere Renovierungsarbeiten. „An Wasser und Elektronik müsste man aber schon mal im Sommer 2019 ran.“ Vom Landestheater Neuwied, das ja auch bei Ullrich spiele, habe er die Versicherung, dass es in der Saison 2019/20 vier Stücke nach Godesberg bringen könne. Rund 100 Aufführungen wären dann schon fürs Kleine Theater gesichert, erläutert der Bewerber. Mit anderen Theatern, darunter auch einer fremdsprachigen Bühne, sei er ebenfalls im Gespräch. Denn perspektivisch müsse das bewährte Repertoire wohl behutsam erweitert und für weitere Besuchergruppen attraktiv gemacht werden. Für diese Planung brauche er von der Stadt bis zum 31. Dezember 2018 den Zuschlag. Seines Wissens hätten außer ihm drei weitere Bewerber ihren Antrag beim Kulturamt abgegeben.

Auch Weise wirft Hut in den Ring

Darunter ist auch der frühere Bonner Generalintendant Klaus Weise. „Ja, ich beabsichtige, mich um das Kleine Theater zu bewerben, möchte mich aber vor Ablauf der Einreichfrist nicht dazu äußern“, erklärte er auf Anfrage des GA. Schon im Februar hatte Weise geäußert, er wolle in der Immobilie eine Literatur-, Unterhaltungs- und Musikbühne schaffen.

Der langjährige Theaterchef Walter Ullrich sagt: „Als Variante sehe ich nur den Kauf zu 410 000 Euro, ansonsten müsste der Interessent ja 650 000 Euro an Investitionen aufbringen.“ Der Spielbetrieb habe ihn jährlich rund eine Viertelmillion Euro gekostet. „Der Zuschuss wurde durch die Beihilfen der Stadt, des Landes, des Freundeskreises, in erster Linie aber durch die Bespielung unserer zahlreichen Gastspielorte aufgebracht.“ Für die Spielzeit 2019/20 werde genau das aber nun zu spät: Die meisten Gastspiele würden auf der Inthega-Versammlung Anfang Mai abgeschlossen. „Will mein Nachfolger Gastspiele machen, wird das sehr schwierig werden.“