Godesberger Theaterstandort: Millionenschwerer Sanierungsstau bei Oper und Schauspiel

Godesberger Theaterstandort : Millionenschwerer Sanierungsstau bei Oper und Schauspiel

Die Stadtverwaltung hat in ihren Theatergebäuden über Jahrzehnte einen Sanierungsstau entstehen lassen, der nun die Bonner Finanzkrise verschärft. Generalintendant Bernhard Helmich berichtete im Kulturausschuss über die Situation in den Godesberger Kammerspielen, wo spätestens im nächsten Jahr rund zwei Millionen Euro in eine neue Bühnenmaschinerie investiert werden müssen.

Dann laufe eine Frist ab, die der TÜV nach einem Defekt für die Nutzung der alten Technik gesetzt habe. Der Sanierungsbedarf für das Gebäude selbst werde derzeit durch eine Architektin ermittelt, die vom Theater Bonn eingestellt worden ist. Dem Vernehmen nach müssen mehrere Millionen Euro in das Haus gesteckt werden.

Beim 50 Jahre alten Opernhaus liegt die Summe nach GA-Informationen bei 30 Millionen Euro - unter anderem für Brandschutzmaßnahmen und energetische Sanierung. Auch dort läuft die Bestandsaufnahme noch. Vor einiger Zeit hatte die Oper Schlagzeilen gemacht, weil Balkone aus Sicherheitsgründen gesperrt und dann abgestützt werden mussten. Im Moment investiert die Stadt in die Bühnentechnik.

Auch vor dem Hintergrund des Sanierungsstaus riet Helmich den Politikern am Mittwochabend, bald eine Entscheidung über die Kammerspiele zu treffen. Die Stadtverwaltung hat die Schließung vorgeschlagen, um Kosten zu senken. Dass Bonn bislang an drei Standorten Schauspiel aufgeführt habe, finde er einerseits "wunderbar", sagte Helmich.

Es sei in Deutschland aber auch "besonders", sprich: ungewöhnlich. Allein in Godesberg sind 58 Mitarbeiter beschäftigt (Garderobe, Technik, Maske, Requisite). Zwischen den Standorten entstünden außerdem hohe Transportkosten, so der Theaterchef.

Wenn der Zuschuss von rund 28 Millionen Euro im Jahr drastisch sinken soll, wie es Stadtverwaltung und Ratsmehrheit fordern, geht für Helmich kein Weg an "strukturellen Veränderungen" vorbei. Daran ließ der Generalintendant im Ausschuss, wo er breites Lob für sein bisheriges Sparkonzept erntete, keinen Zweifel. "Die Standortfrage muss angegangen werden", erklärte er. Man prüfe jetzt, "wo das Schauspiel gut präsentiert" werden könnte.

Ein Gutachten soll klären, ob künftig im Opernsaal auch Theater gespielt werden könnte - diese Lösung favorisiert Oberbürgermeister Nimptsch. Helmich brachte alte Pläne für einen Ausbau des Operngebäudes ins Gespräch. Eine Idee war, unterhalb der Opernhalle einen Theatersaal zu bauen.

Kosten: noch unklar. Kulturdezernent Martin Schumacher kündigte an, die "Strukturen einer Gesamtschau" zu unterziehen. Zu prüfen sei, welche Investitionen "zu langfristigen Einsparungen führen können". Diese Entscheidungen, so Schumacher, hätten schon vor Jahren getroffen werden müssen.