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GA-Serie „Ruhestand 4.0“: Michael Terhorst aus Bad Godesberg will Kinder motivieren

GA-Serie „Ruhestand 4.0“ : Michael Terhorst aus Bad Godesberg will Kinder motivieren

Für Michael Terhorst war das Ende ein neuer Anfang. Nach 47 Jahren beim Energieversorger RWE hat er gewissermaßen seine Hobbys zum neuen Beruf gemacht. Wenn auch ehrenamtlicher Natur.

Terhorst hatte bei RWE zunächst ab 1973 eine dreijährige Ausbildung zum Starkstrom-Elektriker absolviert. In den vergangenen Jahrzehnten gehörte Terhorst zur schnellen Eingreifgruppe bei Schäden an Stromkabeln und damit verbundenen Stromausfällen in Bad Godesberg, Siegburg und Euskirchen. Er organisierte Messwagen sowie Bau- und Kabeltrupps, übernahm die Leitung beim Bau von Kabeltrassen und Umspannwerken.

Gut kann sich Terhorst noch an Hilfseinsätze außerhalb der Region erinnern. Als das Oder-Hochwasser für Millionenschäden sorgte, war er mit RWE-Kollegen in den besonders schlimm vom Hochwasser betroffenen Städten an der Oder mit dabei, um die Stromversorgung wiederherzustellen. Beim Orkan Kyrill engagierte sich Terhorst in der Eifelregion, damit die Haushalte schnell wieder mit der Energie „aus der Steckdose versorgt“ werden konnten. Und was macht so ein ins Arbeitsleben eingebundener Mensch, der Tag und Nacht für seinen Arbeitgeber im Einsatz war, wenn er sich in die passive Altersteilzeitphase begibt?

Die Frage beantwortet Michael Terhorst mit seinen großen Hobbys. „Seit 38 Jahren gehöre ich den Sportschützen Ännchen in Bad Godesberg an, war dort viermal Träger der Königskette, vergleichbar mit der errungenen Schützenkönigswürde in historischen Schützenvereinen. Von zahlreichen schießsportlichen Wettbewerben kam ich mit Urkunden zurück. Im Bezirk 10 des Rheinischen Schützenbundes fülle ich seit inzwischen vier Jahren den Posten des Geschäftsführers aus. Jetzt wurde ich zusätzlich zum Zweiten Vorsitzenden der Sportschützen gewählt.  Aber das Schützenengagement füllte mich und meinen anstehenden Ruhestand, der am 1. April 2022 beginnen wird, noch nicht so aus – fürs Beine hochlegen bin ich in der passiven Altersteilzeitphase noch zu jung“, bekräftigt Terhorst.

Seine Frau kam im September 2018 vom Aquafitness-Kurs der Schwimmgemeinschaft Wachtberg/Godesberg (SG WAGO) nach Wachtberg-Ließem zurück, wo das Ehepaar Terhorst seit vielen Jahren wohnt, und erzählte, dass bei der Schwimmgemeinschaft dringend Schwimmtrainer für Kinder gesucht werden. Und da erinnerte sich Terhorst an seine große Schwimmerzeit beim ehemaligen Godesberger Schwimmverein zwischen 1965 und 1982. „Hier war ich schließlich aktiver Wettkampfschwimmer“, sagt er und entschloss sich, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen, ein Polizeiliches Führungszeugnis zu beschaffen und die Rettungsschwimmerausbildung konnte er ohnehin nachweisen. Mit all den Unterlagen bewarb er sich bei der SG WAGO, wurde sofort in den Kreis der Schwimmtrainer aufgenommen.

Jetzt stehen für den früheren Starkstrom-Elektriker nicht Kabelfehler suchen und Baustellen organisieren an, sondern 60 Kindern im Alter zwischen fünf und neun Jahren das perfekte Kraulen, Brustschwimmen und Rückenschwimmen beizubringen auf dem Programm. Dreimal pro Woche gibt Schwimmtrainer Terhorst im Berkumer Hallenbad im Auftrag der SG WAGO Schwimmkurse, und die Kinder sind begeistert. „Die Aufwandsentschädigung dafür entspricht dem heute bekannten Mindestlohn und hat mit meinem früheren RWE-Gehalt nicht viel gemeinsam“, scherzt er, und aufs Geld kommt es ihm auch nicht an. „Ich will Kinder motivieren“.

Terhorst ist richtig stolz, was er aus seinem „Ruhestand“   gemacht hat und nicht nur die Kinder lernen von ihm, sondern er behält auch seine Fitness bei. Der Vorsitzende der SG WAGO, Peter Kruse, sagt zu dessen Einsatz: „Wir finden es wunderbar, wie Michael Terhorst sich engagiert. Er hat einen tollen Draht zu den Kindern. Von solchen Menschen brauchten wir viel mehr“. Damit meint  Kruse das Fehlen von aktiven Helfern im Verein. „Derzeit haben wir rund 80 Helfer, Kampfrichter, Übungsleiter, Jugendliche, Erwachsene und Pensionäre, die den Trainingsbetrieb der Schwimmgemeinschaft WAGO sicherstellen, aber es werden wesentlich mehr gebraucht“.

Bei den Ruheständlern, die mitwirken, schätzt Kruse deren große Lebenserfahrung. Und die Aufwandsentschädigung, die gezahlt wird, ist nur eine kleine Wertschätzung, die seitens des Vereins gewährt wird, um damit auch einen Versicherungsnachweis zu ermöglichen. Wer sich engagieren will, sollte sich bei der SG WAGO melden. Für die Kurse im Schwimmbad Berkum sowie in der Friesdorfer Traglufthalle im „Friesi“-Schwimmbad werden noch weitere Trainer und Helfer für die Kurse montags, mittwochs, freitags und samstags gesucht, wenn denn die Corona-Pandemie überstanden ist.