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Heizöl Amendt: Mehlemer Familienbetrieb existiert seit 100 Jahren

Heizöl Amendt : Mehlemer Familienbetrieb existiert seit 100 Jahren

Schon morgens rattert das Faxgerät in einer Ecke des Büros: Es kommen die ersten tagesaktuellen Heizölpreise. Dirk Peter Amendt sitzt daneben und sagt: "Unser Geschäft ist sehr schnelllebig." Er leitet eine Firma, die es seit 100 Jahren in Mehlem gibt: Heizöl Amendt. Doch angefangen hat alles mit einer anderen Ware.

1912 orderte der Urgroßvater des heutigen Chefs, Severin Amendt, einen Waggon Kohle. Zuvor hatte er bei den Nachbarn Bestellungen aufgenommen. Ein ansässiger Kohlehändler bekam davon Wind, und so lud das Godesberger Gemeindeamt Landwirt Amendt auf den Tag heute vor 100 Jahren vor - wegen unerlaubten Kohlehandels.

Was im Amt passierte? "Mein Großvater hat aufgestampft und sich für zwei Reichsmark flugs als Kohlehändler angemeldet", sagt Seniorchef Peter Theo Amendt. Trotz Ruhestands unterstützt er weiterhin seinen Sohn. Da auch dessen Schwester mitarbeitet, ist die Firma Amendt auch in der vierten Generation ganz in Familienhand.

Dass der Gründer vor 100 Jahren zunächst Landwirt war, zeigt sich noch heute am Firmengebäude, einem Fachwerkhaus. Über einen kleinen Hof, den früher der Misthaufen zierte, gelangt man in das Wohnzimmer des Urgroßvaters, heute das Büro. Auch dort ist die Vergangenheit präsent: An der Wand hängt ein rot-gelbes Schild, darauf ein schwarzes Brikett. Anfangs kam die Kohle per Zug nach Mehlem und wurde mit Pferdefuhrwerken und Schubkarren dem Kunden geliefert. Später fuhren die Amendts mit Traktor und Anhänger zu den Braunkohlegruben in Frechen oder Liblar, bis es Ende der 50er Jahre mit der immer teureren Kohle bergab ging. Heizöl war bequemer: "Mit einem gefüllten Tank lief die Heizung von selbst", sagt Dirk Amendt. Also kaufte sein Vater vor 50 Jahren einen Tankwagen und stieg ins Heizölgeschäft ein.

Das funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Kaufen und Verkaufen - nur umgekehrt. Benötigt ein Kunde Heizöl, vereinbaren die Amendts mit ihm einen Preis, ausgehend von den per Fax übermittelten aktuellen Preisinformationen. Erst danach deckt sich die Firma selbst etwa bei Shell mit der verkauften Menge ein. Entsprechend groß sei der Zeitdruck, erläutert der Chef: "Wenn ich heute den Einkauf vergesse, ist morgen das Heizöl schon teurer - und damit meine Marge weg." Mehrmals täglich können sich die Börsenkurse angesichts des internationalen Marktes ändern. Über das Handy ist Dirk Amendt deshalb auch erreichbar, wenn er Öl bei der Wesselinger Raffinerie holt oder einem Kunden anliefert.

Das Liefergebiet reicht vom Firmensitz 30 Kilometer in jede Richtung. Anfangs habe man nur die nahe Umgebung versorgt, so Amendt junior: "Es gab ja in jedem Dorf drei Brennstoffhändler." Inzwischen aber ist er der letzte Mehlemer Heizölhändler. Alle anderen wurden längst von größeren Händlern geschluckt.

Angesichts der Marktsituation sieht Dirk Amendt die Zukunft seiner Firma mit gemischten Gefühlen. Was wird, wenn niemand mehr seine Ware will, weiß er noch nicht. Der Versuch, Strom oder Flüssiggas zu verkaufen, habe sich nicht gelohnt. Deshalb setzt der Firmenchef vorerst weiter aufs Heizöl, wenn auch bald wohl nur noch in der schwefelarmen oder Bio-Variante, prophezeit Amendt. So lange es Kunden gibt, wird er weitermachen.