Maler Paul Magar: Magars Tochter gibt Gemälde an August Macke Haus

Maler Paul Magar : Magars Tochter gibt Gemälde an August Macke Haus

Paul Magars Tochter und Erbin Dorothea Hölzer-Magar stiftet dem August Macke Haus am Bonner Hochstadenring ein Gemälde ihres Malervaters. Es ist die erstere Version von zwei Bildern.

Sinnend blickt die alte Dame mit der rosa Schmetterlingsbrille ins Weite. Gesicht und Oberkörper der ernsten Weißhaarigen scheinen sich durch kubistisch anmutende bewegte Formen in altrosa und grauen Farbschattierungen zu spiegeln. Die Porträtierte auf diesem Gemälde von 1967 ist die damals 80-jährige Elisabeth Erdmann-Macke.

Als frühe Witwe des berühmten Malers August Macke und dann als mutige Retterin seines Nachlasses hat die ehemalige Fabrikantentochter zu diesem Zeitpunkt schon ein schweres, aber auch reiches Bonner Leben hinter sich. 1978 stirbt sie fast 90-jährig in Bonn. 1967 hatte sie den Maler Paul Magar beauftragt, sie zum glatten Geburtstag zu porträtieren. Und das hatte der damals 58-jährige Godesberger Künstler gerne und zwar gleich in zweifacher Ausführung übernommen.

Die Variante mit der ernsten Macke-Witwe kehrt nun am 21. Februar an den Bonner Hochstadenring zurück, wo die alte Dame bis zuletzt gelebt hatte: Magars Tochter und Erbin Dorothea Hölzer-Magar wird das Bild Klara Drenker-Nagels, der Direktorin des Museums August Macke Haus, als Schenkung übergeben.

Dabei dürfte dieses Bild die Macke-Freunde sofort an ein anderes Werk Magars erinnern, das seit Jahren im LVR Landesmuseum hängt: nämlich an die zweite Version der Porträtsession mit Erdmann-Macke. Darauf blickt die alte Dame mit der Schmetterlingsbrille den Betrachter frontal an – schmunzelt dabei. Der Schalk blitzt ihr aus den Augen.

Vom orphistischen Kubismus beeinflusst

Auch farblich ist dieses ebenfalls vom orphistischen Kubismus beeinflusste zweite Bild lebendiger, ja regelrecht schwungvoll in mehreren Farben gehalten: Hier sind Formen in Gelb, Altrosa und Grün bis Grau kreisartig um die Porträtierte in Bewegung. Die Malerwitwe entschied sich 1967 schließlich, das buntere Bild an sich zu nehmen. „Das eine zeigt meine ernste Seite, das andere die heitere, beide sehr ähnlich und künstlerisch sehr gut geraten“, schrieb sie in ihrem Buch „Begegnungen“ auf.

In diesen Lebenserinnerungen schilderte Erdmann-Macke lebhaft von ihrer Freundschaft zu Paul Magar, aber auch vom Tod ihres Mannes 1914 im Ersten Weltkrieg, als sie mit zwei Söhnen alleine dagestanden hatte, und von ihrem zweiten Mann: Lothar Erdmann wurde 1939 von den Nazis ins KZ Sachsenhausen gesteckt und ermordet.

1949 war sie in Bonner Künstlerkreisen auf den jungen Heimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft aufmerksam geworden. „Paul Magar war derjenige, mit dem ich näher bekannt und später befreundet wurde. Er fiel mir als besonders begabt auf und war mir gleich sympathisch“, so Erdmann-Macke im Rückblick. Als Hanna Bekker vom Rath, die 1947 das Frankfurter Kunstkabinett für Deutsche Gegenwartskunst gegründet hatte, bei ihr vorbeischaute, machte die Macke-Witwe sie gleich auf Magar aufmerksam. Dieser hatte gerade erst in Bad Godesberg Fuß gefasst.

Das Bild kehrt zurück

„Er war damals noch ziemlich unbekannt. Sie suchte ihn auf und nahm gleich einige Aquarelle von ihm mit auf die Reise nach Südamerika, die sie dort gut verkaufen konnte.“ Erdmann-Macke freute sich. „Das war eine kleine Starthilfe für ihn, der heute ein bekannter und erfolgreicher Künstler im Rheinland und über die näheren Grenzen hinaus geworden ist.“

Mit Magar hatte sich bald eine Freundschaft entwickelt. „Wir besuchten uns des öfteren, und ich verlebte schöne anregende Stunden mit ihm und Frau Elsbeth.“ In persönlichen Briefen gratulierte sie Magar auch von Herzen zum „überwältigenden Erfolg“ seiner Ausstellungen. 1967 vergab sie den Porträtauftrag, den Magar eben zweifach erfüllte: mit der heiteren und der ernsten Elisabeth Erdmann-Macke. Auch die Ernste kommt nun 41 Jahre nach dem Tod der Macke-Witwe an ihren Lebensmittelpunkt zurück.

Mehr von GA BONN