Lust an kräftigen Farben: Kunst im Haus an der Redoute

Lust an kräftigen Farben : Kunst im Haus an der Redoute

Jedem Anfang wohnt eine Farbe inne: So könnte das Leitmotiv lauten, das sich durch die Werke der Künstlerin Jany Ohlraun zieht. Am liebsten greift die gebürtige Französin zu den knalligsten Farben wie Türkis, Orange und Rot.

Seit Donnerstagabend und noch bis zum 13. August können die Betrachter die Ergebnisse ihrer Experimentierfreude in der Ausstellung „Farberzählungen“ im Haus der Redoute besichtigen. Prächtige, mit großzügigen Pinselstrichen aufgetragene Formationen leuchten an den eleganten Gemäuern des Hauses der Redoute. Die Farben erzählen von floralen Mustern, Wasserimpressionen und Landschaften. In ihren neuesten Arbeiten lässt Ohlraun der reinen Lust an der Farbe den absoluten Vorrang: flächigen, abstrakten Kompositionen mit Titeln wie „Blau dominiert“, „Orange dominiert“ oder auch „Chaos“. „Ich wähle meine Farben je nach Laune aus. Ich beobachte meine tollen Tuben und habe die Qual der Wahl angesichts einer leeren Leinwand“, so die Künstlerin. Sie mische die Farben kaum, wenn nur punktuell und direkt auf der Leinwand.

Die Künstlerin wurde in Vichy geboren, studierte in den 60er Jahren Germanistik und lehrte jahrzehntelang an Schulen und Universitäten in Frankreich, Deutschland sowie Asien und Afrika. Erst 1995 gelangte sie zur Kunst. „Ich nenne das immer mein zweites Leben“, sagt Ohlraun. Ihr künstlerisches Schaffen begann mit einer Kunstausbildung in Südfrankreich. In Griechenland probierte sie dann Aquarellmalerei aus. Bei Artefact Bonn, wo sie ab 2000 Kunstunterricht nahm, entdeckte sie schließlich ihre Liebe zu kräftigen Farben. Seitdem malt Ohlraun nur noch mit Acryl, teilweise kombiniert mit Ölpastell.

Die Muffendorferin lässt sich von ihrer Umwelt mitreißen. Menschendarstellungen beschäftigten sie vor allem in Afrika. Die Gesichter der Menschen prägten sich ihr ein und waren Teil ihrer Kunst. „Seit zehn Jahren lebe ich Bonn. Hier bin ich von anderen Themen umgeben“, erzählt die Künstlerin. In der Karibik wiederum fesselten sie das Türkis sowie die allgegenwärtige Freude an der Musik. In ihrem Malprozess wechseln sich Fluss und Kontrolle ab: „Ich muss ständig Entscheidungen treffen; wie und wo ich etwas male. Dann geschieht es wieder plötzlich und spontan“. Am schönsten empfinde sie die Momente, in denen sie sich vergesse.

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