Gefährliche Stelle für Radfahrer: Knochenbrüche nach Stürzen in Bad Godesberg

Gefährliche Stelle für Radfahrer : Knochenbrüche nach Stürzen in Bad Godesberg

Splitt auf dem Asphalt: Zwei Betroffene klagen über den gefährlichen Weg an der Aennchenstraße. Die Stadt sieht die Stelle hingegen unkritisch.

Wer häufig mit dem Rad von Friesdorf, Dottendorf oder Kessenich aus nach Godesberg fährt, kennt vermutlich die Kreuzung, an der der Radweg von der Sackgasse am Promenadenweg auf die Aennchenstraße trifft. Unter vielen Radlern gilt die Kurve unterhalb der Godesburg als Gefahrenstelle – wegen des dort liegenden Splitts kommt es hier nicht selten zu Stürzen. „Meine Frau ist hier im Sommer hingefallen und hat sich einen Trümmerbruch im Handgelenk zugezogen“, sagt Karl Derno aus Friesdorf, der dort selbst oft entlangradelt.

Seine Frau sei von der Aennchenstraße kommend auf den Promenadenweg gebogen, dabei sei plötzlich das Hinterrad in der Kurve weggerutscht. Ähnlich erging es einer Lehrerin aus Dottendorf. Sie verunfallte Mitte September an derselben Stelle, zog sich einen Beckenbruch zu und geht bis heute an Krücken. „Ich wusste, dass dort wegen Bauarbeiten Rollsplitt liegt“, erzählt sie. „Am Unfalltag bin ich dort deswegen sehr vorsichtig auf meinem Rad entlanggerollt.“ Als sie am Kurvenende jedoch wieder in die Pedale treten wollte, sei ihr Rad ausgebrochen. Sie habe die Kontrolle verloren und sei gestürzt. Nach dem Fall, so erzählt die Lehrerin, die nicht mit Namen in der Zeitung stehen will, habe sie von selbst nicht mehr aufstehen können, ein Rettungswagen brachte sie in ein Krankenhaus.

Ungünstige Faktoren treffen zusammen

„Das Problem bei der Stelle ist, dass hier ungünstige Faktoren zusammentreffen“, erklärt Derno, der noch weitere solcher Fälle kennt. Zum einen hätte der Asphalt in der Kurve kaum Profil. Zum anderen würde das dort liegende Granulat in Verbindung mit der Bodenbeschaffenheit für eine sehr rutschige Oberfläche sorgen, die sich „wie Glatteis“ verhalte, so der Friesdorfer. Der Splitt liege dort seit dem Sommer, weil die Stadt den Radweg sowie den Sackgassenbereich im Zuge der Kanalbaumaßnahme in der Aennchenstraße saniert habe.

Wie sich ein loser Boden auf das Fahrverhalten eines Rads auswirkt, erklärt ein Mitarbeiter des Godesberger Fahrradgeschäfts Drahtesel: „Kies, Granulat oder Sand – das ist wie fahren auf Murmeln“, so der Mitarbeiter. „Die schmalen Reifen finden hier keinen Halt, das Rad wird unlenkbar.“ Dass in solchen Situationen selbst das Bremsen zur Gefahr werden kann, erfuhr der GA im Selbsttest. Mitarbeiter Matthias Jonas machte sich ein Bild von der Stelle und fuhr sie mit einem neuen, verkehrssicheren Rad ab, das von Drahtesel für den Test zur Verfügung gestellt wurde. Tatsächlich gerät er auf dem mit Laub und Granulat belegten Asphalt schon bei leichtem Bremsen ins Schlingern.

Stadt sieht Stelle als unkritisch

Auch die Stadt sah sich die Kurve nach einer Anfrage der Redaktion bei einer Ortsbegehung am Montag genauer an. „Dabei war keine starke Verschmutzung festzustellen, die Stelle ist also unkritisch“, so Isabel Klotz vom Presseamt.

Zudem verwies sie darauf, dass der Bereich im Oktober von der Stadt gereinigt worden sei. Weitere Unterhaltungsmaßnahmen seien nicht geplant. „Zwar lagen auf der Asphaltfläche vereinzelte Splittkörner und ein wenig Laub, aber diese Situation sollte keinen Radfahrer zu Fall bringen.“

Die Antwort der Stadt sorgt nicht gerade für Begeisterung bei den Betroffenen. „Das ist eine gewagte Einschätzung“, so Derno. „Vor allem deswegen, weil die Witterung und die Autos den Splitt auch nach einer Reinigung immer wieder auf den Asphalt tragen.“ Er wünscht sich eine Befestigung der Stelle, zum Beispiel einen betonierten Platz. Deshalb will er jetzt den ADFC informieren.