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Corona-Krise in Bad Godesberg: Kleines Theater bangt um seine Existenz

Corona-Krise in Bad Godesberg : Kleines Theater bangt um seine Existenz

Vor der Coronakrise war das Kleine Theater auf einem guten Weg. Die Zuschauer blieben dem Haus treu, der Umsatz stieg leicht an. Doch dann musste die Bühne geschlossen werden. Ohne Unterstützung wird die Spielstätte die schwere Zeit vermutlich nicht überstehen, befürchtet Intendant Frank Oppermann.

Vor  kurzem noch sah alles gut aus. Auch nachdem Walter Ullrich, Gründer und Intendant des Kleinen Theaters, den Staffelstab an Frank Oppermann übergeben hatte, waren die Zuschauer „ihrem“ Kleinen Theater treu geblieben, es kamen sogar noch neue hinzu. Insgesamt 17.664 Kulturliebhaber hatten zwischen dem 3. August und dem 14. März die Vorstellungen besucht, mit einem Umsatz von rund 325.000 Euro war man kurz davor, kostendeckend zu arbeiten. Doch dann kam die Coronakrise. Die Theater wurden dicht gemacht. Und plötzlich ist alles anders. „Die Lage ist ernst, ich würde fast sagen: Sie ist dramatisch“, fasst es Oppermann zusammen.

51.000 Euro müssten pro Monat in die Theaterkasse fließen. „Darin enthalten ist nicht nur der Spielbetrieb, sondern auch die Rücklage für die Sanierung“, so der Intendant. Die ist nämlich, wie berichtet, vertraglich festgelegt. Seit 1. Juli 2019 zahlt Oppermann 16.400 Euro Pacht pro Jahr an die Stadt. Ab der Spielzeit 2020/21 muss er außerdem jährlich in die Instandhaltung und Sanierung der denkmalgeschützten früheren Bürgermeistervilla investieren. Für die nächsten zehn Jahre kommen so rund 630.000 Euro Kosten auf Oppermann zu.

Eine Sommerpause wird es nicht geben

Einen Monat Schließung könne man aus eigener Kraft kompensieren, schätzt der Intendant. Nun aber frage man sich „wir wir das fünf Monate durchhalten können“. Denn bei Gesprächen mit der Stadtspitze sei durchgedrungen, dass sich die Situation wohl erst im August, mit Ende der Sommerferien, normalisieren werde. Eins auf jeden Fall ist sicher: Sobald es grünes Licht gibt, wird die Bühne im Kleinen Theater wieder bespielt. „Eine Sommerpause wird es nicht geben“, so Oppermann, der hofft, dass die Stadt seinem Haus entgegenkommen wird. Sei es durch eine Stundung der Pacht, sei es durch einen Aufschub in Sachen Modernisierung. Denn im Juni, so führt er aus, müsste er einen Sanierungsplan übergeben. Das aber sei in diesen ungewissen Zeiten fast nicht möglich.

Doch wo ein Schatten ist, da ist häufig auch Licht. Und das sieht der Theatermann nicht nur, er hat es auch zu spüren bekommen. Der dbb Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg und die Sparda Bank West übergaben einen Scheck in Höhe von 2500 Euro an Oppermann. Diesen Betrag hat die Bank im Zuge der Verleihung des karnevalistischen Ordens „Lachender Amtsschimmel“ bereitgestellt.

Dass das Geld in Richtung Kleines Theater fließen soll, stand schon vor der Krise fest, so Rainer Schwierczinski, der die Ordensverleihung gemeinsam mit Klaus Michel organisiert. „Es ging uns darum, ein Theater zu unterstützen, das noch in den Startlöchern steht“, sagt der dbb-Kreisverbandsvorsitzende. Nun kam die Spende ob der Coronakrise genau zur richtigen Zeit.

Stadt stellt Hilfe in Aussicht

Doch auch sonst erfahre er viel Zuspruch, berichtet Oppermann. Bisher habe kein Zuschauer sein Ticketgeld zurückverlangt. Eine Tatsache, die den Theatermann sehr glücklich stimmt. „Das würde für uns ein großes Problem bedeuten.“ Die Karten können übrigens später eingelöst werden. Für eine beliebige Vorstellung, für ein beliebiges Stück.

Darüber hinaus hat Oppermann eine Spendenaktion auf Facebook gestartet. 15.000 Euro sind das Ziel. „Die Teilnahme ist überwältigend“, sagt er. Nach nur zwei Tagen habe man fast zehn Prozent des Betrags zusammenbekommen. Auch die Stadt geht auf die Kultur zu. Man arbeite „derzeit mit Hochdruck an Lösungen, um die gewerblichen Mieter und Pächter sowie die Bonner Kulturinstitutionen in der derzeitigen Ausnahmesituation wirtschaftlich unterstützen zu können“, so Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Dazu gehöre unter anderem die Vorbereitung einer Dringlichkeitsentscheidung, „mit der die Verwaltung ermächtigt werden soll, wirtschaftliche Erleichterungen wie Minderung, Aussetzung oder Stundung von Pachtzahlungen zu prüfen“.

 Hilfe kommt außerdem vom Land. Wie berichtet, fließen in den ersten zwei Jahren 91.800 Euro Förderung nach Bad Godesberg. Eigentlich, so berichtet Oppermann, sollte der Bescheid erst im Sommer kommen. Jedoch habe das Land zugesagt, schon vorher etwas zur Verfügung zu stellen.