Verkauf an früheren Generalintendanten: Klaus Weise übernimmt Kleines Theater

Verkauf an früheren Generalintendanten : Klaus Weise übernimmt Kleines Theater

Die Stadt verkauft die Villa in Bad Godesberg an eine Gruppe um den früheren Bonner Generalintendanten Klaus Weise.

Auf Wunsch der SPD, die nach GA-Informationen neben CDU und FDP für Weise & Co. gestimmt hatte, soll die Verwaltung mit Weise und seinen Partnern, zu denen die Philosophin Eva Sewing, der Ingenieur Stefan Heinze und der Immobilienberater Pitt Hoffmann gehören, noch einmal sprechen, ob für sie auch ein Erbpachtvertrag in Frage käme.

Weise, der sich am Mittwoch „riesig“ über die Entscheidung freute, verwies darauf, dass er und die drei weiteren Käufer sich den Vertrag mit der Stadt Bonn genau anschauen wollten. „Ich kann aber jetzt schon sagen, dass für uns weiterhin nur ein Verkauf in Frage kommt.“ Niemand aus der Gruppe wolle in ein Gebäude Geld stecken, das ihm nicht gehöre, erklärte der 67-Jährige. Dass in das sanierungsbedürftige Kleine Theater massiv investiert muss, steht fest.

„Wir werden, wenn der letzte Vorhang in dieser Spielzeit am 30. Juni gefallen ist, die Spielpause nutzen, um zunächst das Foyer umzubauen. Es soll lichter und heller werden“, erläuterte Weise. Außerdem soll eine Bar im Foyer Platz finden, „wo die Leute schon von draußen sehen können, dass man in unserem Theater gemütlich sitzen und sich unterhalten kann.“ Weitere baulichen Maßnahmen, etwa auf der Bühne und im Zuschauerraum, sollen in darauffolgenden Spielpausen erfolgen.

Zuerst will Weise, der die künstlerische Leitung des Kleinen Theaters ab Sommer übernimmt – Walter Ullrich geht bekanntlich nach 60 Jahren als Intendant in den Ruhestand – den Spielplan 2019/20 detailliert ausarbeiten. „Ich bin überzeugt, wir werden dazu beitragen, Bad Godesberg zu einem lebendigen Theaterzentrum zu machen.“ Dazu gehöre auch die enge Zusammenarbeit mit dem städtischen Schauspielhaus. Darüber habe er mit Schauspielhauschef Jens Groß gesprochen. Weise versteht die neue Aufgabe als große Herausforderung, „der ich mich gerne stelle“. Schließlich fallen künftig 80.000 Euro städtische Zuschüsse im Jahr weg.

Die Grünen hatten eine Verpachtung vorgezogen

Nur die Landeszuschüsse von rund 45.000 Euro sollen Weise zufolge weiter fließen. „Wie lange, ist allerdings noch nicht klar.“ Theatermann Frank Oppermann, der sich ebenfalls als Pächter um das Kleine Theater beworben hatte, zeigte sich vom Ratsbeschluss nicht überrascht: „Das hatte ich erwartet.“ An der Entscheidung sei nichts auszusetzen. Er kritisierte aber, dass außer den Grünen und der Linksfraktion keine andere Fraktion seine Gesprächsangebote im Vorfeld angenommen habe. Eine Verpachtung an Oppermann hatten vor allem die Grünen favorisiert, damit das Gebäude in städtischem Eigentum bleibe. Laut Grünen-Ratsherr Tim Achtermeyer war seine Fraktion deshalb gegen den Verkauf. „Die Stadt verscherbelt zum wiederholten Male ohne Not ihr Tafelsilber.“

Wie berichtet, hatte die Verwaltung dem Rat den Verkauf an die Gruppe um Weise empfohlen, weil dessen Wirtschaftskonzept überzeugender sei. „Das ist eine gute Entscheidung für Bad Godesberg“, sagte CDU-Ratsherr Herbert Kaupert dem GA auf Nachfrage. Die Linken begrüßten zwar, „dass das Kulturangebot Kleines Theater bestehen bleibt“, sie könnten sich aber nicht damit abfinden, dass die Stadt „durch fortgesetzte Privatisierung immer mehr Gestaltungsspielraum aus der Hand gibt“, sagte Jürgen Repschläger.

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