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Ehemaliger stellvertretender Regierungssprecher aus Bonn: Klaus Vater ist Blogger der Republik

Ehemaliger stellvertretender Regierungssprecher aus Bonn : Klaus Vater ist Blogger der Republik

Klaus Vater hat auch im Ruhestand das Interesse für Politik nie verloren. Früher war er stellvertretender Regierungssprecher unter Kanzlerin Angela Merkel, heute ist er Blogger und engagiert sich in Godesberg für Kunst, Kultur und Kinder

Jeden Tag eine Stunde Fahrradfahren und zusätzlich Gymnastik für den Rücken – diese Fitnessaktivitäten spornen Klaus Vater (74) schon lange an, um im Ruhestand noch viele weitere Jahre fit zu bleiben. In Bad Godesberg ist Vater für seine vierte Lebensdekade im wahrsten Sinne des Wortes „angekommen“.

„Geboren bin ich in Lüdenscheid und kurze Zeit später nahm den Sprößling aus einer Kriegsehe seine Mutter mit nach Mechernich für die weitere Kinder- und Jugendzeit. Mein Abitur absolvierte ich in Euskirchen,“ sagt der Mann, der Jahrzehnte in der Bundespolitik mit im großen Rampenlicht stand, nachdem er Politikwissenschaften in Bonn studiert hatte und sich seit 1972 als Nachrichtenredakteur in verschiedenen Redaktionen engagierte. Egal, ob seit 1972 im Parlamentarischen Pressedienst, ab 1985 beim legendären Vorwärts-Verlag an der Godesberger Allee.

Der emsige Klaus Vater begegnete 1989 dem ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden Hans-Jochen Vogel und dem SPD- Wirtschaftspolitiker Wolfgang Roth. „Man muss im Leben auch Glück haben“ sagt Vater zu dieser Begegnung und seiner sich dann anschließenden Zeit als wissenschaftlicher Referent der SPD-Bundestagsfraktion, der Tätigkeit als Büroleiter und Redenschreiber beim früheren Sozialexperten Rudolf Dressler.

Vom Redenschreiber bis zum stellvertretenden Regierungssprecher

Es folgten Jahre als Sprecher des Bundesarbeitsministeriums und des Bundesgesundheitsministerums sowie zuletzt dann als Höhepunkt das Engagement als stellvertretender Regierungssprecher bei Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Wenn man an diese teilweise doch recht hektische Zeit in Berlin zurückdenkt, da kann man nicht einfach aufhören und nichts mehr machen“, begründet Klaus Vater seinen seit neun Jahren realisierten Ruhestand. In Bad Godesberg wohnte er früher in Friesdorf, war dort sogar Fußball-Trainer bei der DJK Blau-Weiß. Seit 25 Jahren ist Vater an der Bachemer Straße mit seiner Ehefrau Birgit zuhause, hat dort direkt am Mehlemer Bach wohnend die Folgen der großen Unwetter der vergangenen zehn Jahre miterlebt.

Er und seine Familie mussten den Keller mehrfach von den eingedrungenen Wassermassen befreien. Familie bedeutet bei fünf Kinder, zwei aus seiner ersten Ehe und drei aus seiner zweiten Ehe, dazu noch inzwischen vier Enkel.

Als Buchautor genießt Vater beim Schreiben von Sachbüchern den Blick in den großen Garten hinter seinem Haus, schrieb inzwischen auch Kriminalromane mit den Titeln „Sohn eines Dealers“, „Am Abgrund“, und „Brandt-Gefahr“.

In der Nachkriegs-Eifel waren die Leute meist arm aber stolz

Seinen Enkeln widmete der Buchautor seine Kindheitsgeschichte in der Nachkriegs-Eifel unter dem Thema „Bergstraße“ in wunderbaren Geschichten, Beschreibungen des Umfeldes und zur täglichen Arbeit, der Familie samt Großeltern und netter Erläuterungen zu Küche und seinem ersten Berufswunsch „Teermännchen“. Wie die Arbeiter die Straßen teerten, hatten es dem kleinen Klaus Vater besonders angetan. In der Bergstraße waren die Leute meist arm aber stolz, parteipolitisch eher rot – und katholisch.

Den Kindern und Jugendlichen widmet er sich heute mit seiner reichhaltigen Lebenserfahrung und seinem enormen politischen Wissen. Seit zwei Jahren ist er Mitglied beim Verein Bürger.Bad.Godesberg, weil ihn die Förderung von Kunst und Kultur sowie die Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege sowie des Sports und die vielfältigen Angebote interessierten.

Da habe ich mich auch schon beim Wasserausschank im Trinkpavillon sowie bei Reinigungsarbeiten beteiligt“, erzählt Vater und erwähnt ganz beiläufig, dass man ihn gerne auch für den Vereinsvorstand gewinnen möchte und seine Ideen für Filmabende nutzen will, falls Corona und Stadthallen-Sperrung solche Veranstaltungen wieder zulassen.

Lesepate an der Gesamtschule

Seit vergangenem Jahr nutzt die Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Klaus Vater als Lesepaten. „Ich wollte etwas machen, womit ich Kindern und Jugendlichen helfe“, heißt es zu diesem Projekt, bei dem gerade Siebtklässler von ihm betreut werden. Im Verein „Kultur verbindet“ engagiert er sich für Kinder aus zugewanderten Familien. Moritz Baumstark, Bildungsreferent des Forum Bad Godesberg des katholischen Kirchengemeindeverbandes Bad Godesberg, will Klaus Vater nun auch für ehrenamtliche Aktivitäten in der Bürgerstiftung gewinnen.

Zwischendurch muss es dann auch noch Zeit geben, um sich als Mitglied des Verbandes der Schriftsteller oder als Blogger für den „Blog der Republik“ sowie als Redenschreiber für Ulla Schmidt zu betätigen. Das Wort „Langeweile“ gibt es im Wortschatz von Klaus Vater nicht – eher das Problem, all den vielen Aktivitäten gerecht zu werden – und da hofft sein Umfeld noch auf viele ideenreiche Jahre und schätzt die Basis der kleinen Gruppen, die sich in Bad Godesberg noch für die Allgemeinheit nützlich machen.