Kommentar: Klartext reden

Kommentar : Klartext reden

Der neue Aufklärungsbericht zum Ako-pro-Seminar birgt keine Sensation. Autor Arnfried Bintig, ein Psychologe, konzentriert sich im Gegensatz zur Vorgängerin, der Juristin Julia Zinsmeister, nicht auf die strafrechtliche Dimension.

Ausgeklammert hat er auch den Blick auf die vor 2010 tätigen Ako-Rektoren und Jesuiten-Provinziale. Somit dürften die praktischen Konsequenzen für die Opfer denkbar unbefriedigend ausfallen.

Bintigs Folgerungen sind allein präventiver Natur. Und doch: Minutiös zeichnet er das erschreckende Psychogramm eines Pädagogen, der perfide seine sexuellen Übergriffe auf Jugendliche verübte.

Detailliert entsteht das entsetzliche Bild einer von jeglicher Kontrolle abgeschirmten "Machtinsel", die über viele Jahre unangefochten mitten in der Kollegsgemeinschaft gedieh - und das direkt neben der "Machtinsel" des Arbeitgebers, des ähnlich beschuldigten damaligen Ako-Schulleiters Pater Ludger Stüper. Das in dieser Klarheit herausgeschält zu haben, ist Bintigs Leistung.

Den Auftrag dafür gegeben zu haben, ist Rektor Siebners Verdienst. Jetzt muss die Aufarbeitung weiter gehen: Die Betroffenen erwarten Hilfe und Klartext von den direkt Verantwortlichen.

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