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Jugendarbeit der Johannes-Kirchengemeinde: Kinder bleiben ihr Herzensanliegen

Jugendarbeit der Johannes-Kirchengemeinde : Kinder bleiben ihr Herzensanliegen

Neulich hat Inge Liessel-Gunnemann wieder in die Hände gespuckt. Ein Junge war in einer ihrer Gruppen verbal ausgerastet. Sie habe ihm seine Grenzen gezeigt, aber ihm dann auch genau zugehört und Ratschläge gegeben, als er seine Probleme schilderte.

"Das Leben geht nicht nur geradeaus. Und es wäre billig zu denken, Gott wird schon alles lösen", sagt die Frau, die nun genau seit 25 Jahren die Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde vorantreibt. Zuvor war die heute 57-Jährige zehn Jahre in der Jugendarbeit an der Mehlemer Heilandkirche tätig. Lissel-Gunnemann hat Generationen von Godesberger Heranwachsenden betreut und gefördert. "Für manche Kinder ist unsere kirchliche Arbeit gerade heute wie eine Insel", sagt sie.

Viele in den Kirchen hätten beim Aufkommen der Offenen Ganztagsschulen (OGS) Bange gehabt, die kirchlichen Gruppen hätten sich mit dieser nachmittäglichen Betreuungsform an den Grundschulen erledigt. Sie habe immer auch eine Chance der kirchlichen Arbeit gesehen, sagt die Pädagogin. "Wir bieten anderes als die OGS. Wir können auf den Einzelnen schauen. Bei uns können die Kinder alles loswerden."

Lissel-Gunnemanns Kindergruppen gerade im Problemviertel Pennenfeld haben nach wie vor großen Zulauf. "Ich komme da an ganz viele Familien heran. Die Kinder haben Vertrauen und das Bedürfnis, ganz viel aus ihrem Alltag zu erzählen", berichtet sie über die wichtige Aufgabe des Gemeindeaufbaus. Und auch des Akzentsetzens in muslimischen Familien, die ebenfalls ihre Kinder ins Matthias-Claudius-Gemeindehaus schicken. "Wir leben miteinander. Wir sind ein Stück des Stadtteils", betont die erfahrene Sozialpädagogin.

Eben hat sie in der Heiderhofer Immanuelkirche eine Eltern- und Kleinkind-Gruppe betreut. "Ja, natürlich haben wir da auch muslimische Familien dabei", erläutert sie. Wer einverstanden sei, dass christliche Lieder gesungen und am Tisch gebetet werde, sei herzlich willkommen. Die evangelischen Familien teilten die Einstellung: offen zu sein für andere, den Horizont zu erweitern. "Manchmal muss man schon ein bisschen kämpfen, dass alle diese Offenheit auch praktizieren", meint Lissel-Gunnemann dann lächelnd. Bei Konflikten moderiere sie halt zwischen den Andersdenkenden.

Und dann berichtet sie von ihrer Freude an der Konfirmandenarbeit. "Da hängt mein Herz dran. Aus den Jugendlichen gewinne ich für die nächsten Jahre meine engagierten Helfer für die Bibelwochen und für die Stadtranderholung. Ohne die geht es gar nicht", so Lissel-Gunneman.

Eine unbändige Freude am Arbeiten mit jungen Leuten ist bei ihr auch nach 25 Jahren unvermindert zu spüren. Sie stamme ja aus einem behüteten evangelischen Elternhaus und sei bei ihrem ersten Einsatz in einer Obdachlosensiedlung ins pralle Leben geraten: "Da gab es Zwölfjährige, die vom Nachbarn geschwängert wurden. Da habe ich mir geschworen: Ich will nicht noch mehr Zwölfjährige schwanger werden sehen", sagt Lissel-Gunnemann bestimmt. Ab da sei ihr Weg in die Gemeindearbeit vorbestimmt gewesen.

Und, haben sich die Kinder in den 35 Jahren Praxis geändert? Die Sozialpädagogin denkt nach. Ja, Kinder seien heute leider schulisch belasteter und bis zu 40 Prozent offensichtlich von Familienkonflikten gezeichnet. "Gerade deshalb ist es ja so wichtig, dass wir jedes Kind ernst nehmen."