Kommentar zu Plastiktüten: Kein Platz für Ausreden

Kommentar zu Plastiktüten : Kein Platz für Ausreden

Viele Plastiktüten landen nachweislich im Meer und als Minipartikel über die Nahrungskette wieder bei uns. Das allein müsste schon ausreichen, um jeden wachzurütteln, findet Martina Sondermann.

Gratis-Einkaufstüten haben über Jahrzehnte zur wachsenden Wegwerfmentalität beigetragen. Mensch und Natur zahlen dafür jetzt die Rechnung. Viele Plastiktüten landen nachweislich im Meer und als Minipartikel über die Nahrungskette wieder bei uns. Das allein müsste schon ausreichen, um jeden wachzurütteln.

Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und die kostenlos angebotene Tüte ein gern in Anspruch genommener Service. So wird das nichts mit der von der EU vorgeschrieben Reduktion auf 40 Tüten pro Kopf bis zum Jahr 2025. Das war Handel und Bundesumweltministerium klar. Also packte man den Kunden beim Geizkragen und verlangt von ihm seit Inkrafttreten der freiwilligen Selbstverpflichtung Mitte 2016 Geld. Mit Erfolg. Immerhin konnte dank dieser „Erziehungsmethode“ der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten mittlerer Wandstärke laut Handelsverband Deutschland (HDE) um ein Drittel gesenkt werden, von 58 Stück in 2015 auf 38 Stück in 2016.

Was auf den ersten Blick nach einer vernünftigen Lösung aussieht, entpuppt sich jedoch als Milchmädchenrechnung, wenn anstelle der Plastik- jetzt Papiertüten benutzt werden. Denn deren Ökobilanz ist nach Ansicht des Naturschutzbundes (Nabu) auch nicht viel besser. Er fordert daher eine Bezahlpflicht für alle Einkaufstüten sämtlicher Wandstärken, also auch für die leichten „Knotenbeutel“ an der Gemüsetheke, deren Einnahmen zweckgebunden in Umwelt- und Naturschutzprojekte gehen sollten.

Klingt gut. Sollte jedoch nicht dazu führen, dass man sich mit seinem „Tütengroschen“ meint, freikaufen zu können und damit auch noch etwas Gutes für die Umwelt getan zu haben. Die Devise lautet vielmehr: Vermeiden statt Ersetzen, Mehrweg statt Einweg. Erfreulicherweise geben auch in Bad Godesberg immer mehr Kunden der angebotenen Plastik- oder Papiertüte wortwörtlich einen Korb oder haben Einkaufsbeutel dabei, die sich so klein und flach zusammenfalten lassen, dass sie in jede Hosentasche passen. Es gibt also keine Ausreden mehr, wenn es um den Umweltschutz geht.

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