Gesellschaft und Kultur in Bad Godesberg: Kammerspiele machen Schule

Gesellschaft und Kultur in Bad Godesberg : Kammerspiele machen Schule

Kaum zwei Kilometer trennen die Kammerspiele von der Otto-Kühne-Schule (Pädagogium). Jetzt suchen die beiden Bad Godesberger Institutionen neben der räumlichen auch die inhaltliche Nähe. Sie haben eine Kooperationsvereinbarung getroffen, von der zunächst einmal beide Partner profitieren sollen. Darüber hinaus soll die junge Verbindung auch segensreich auf das gesamte kulturelle und gesellschaftliche Leben in Bad Godesberg wirken.

Gelegenheit zum Besuch von Theaterproben und zum buchstäblichen Blick hinter die Kulissen, Kontakt zu Schauspielern, mitunter fachliche Tipps von Profis an die drei am Pädagogium aktiven Theater-AGs sowie Stoff für die Schülerzeitung: Darauf freuen sich die Jugendlichen, als sie bei einer ersten Präsentation ihre Erwartungen skizzieren.

Kontaktpflege zum nachwachsenden Theaterpublikum, Gelegenheit zur Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederwerbung bei Schulveranstaltungen. Das erhoffen sich derweil die Freunde der Kammerspiele von der Zusammenarbeit, wie ihr Vorstandsmitglied Angela Biller erklärt.

Darüber hinaus wolle man auch bewusst ein Signal für den Kulturstandort Bad Godesberg setzen: "Wir wollen auf diese Weise durchaus auch unsere Haltung zu Überlegungen zum Ausdruck bringen, deren Folge die Schließung von Theatern sein könnten", sagt Lehrerin Andrea Wackertapp und ergänzt: "Damit würde gerade an junge Leute die fatale Botschaft vermittelt, dass Theater nichts wert seien".

Bei der Schülervertretung des Päda sei das Projekt bereits auf Zustimmung gestoßen, wie SV-Mitglied Nike Schneider berichtet. Nun gehe es darum, das Ganze an der Schule auch in gebotener Weise bekannt zu machen. Auf Interviews mit Schauspielern und viele interessante Themen freut sich unterdessen Hannah Schu, Redakteurin der Schülerzeitung "Der Pädant". Als wirtschaftlich denkende Publizistin sind ihr auch Anzeigen der Kammerspielfreunde stets willkommen.

Florian Maurer, bei der Theaterarbeit des Päda zuständig für die Technik, setzt bei der Zusammenarbeit auf die Vermittlung von Know-how für die Bühnentechnik. Ganz das schauspielerische Können haben indes Hannah Borck und Josephine Kaufmann im Blick: "Es ist schon eine tolle Gelegenheit, professionelle Schauspieler inmitten ihrer Arbeitsatmosphäre antreffen zu können", sagt Hannah. "Insgesamt sorgt sorgt die Nähe zwischen Akteur und Darsteller für den maßgeblichen Unterschied von Theater und Kino", ergänzt Josephine.

Auch die Überlegungen, in den Kammerspielen möglicherweise ein Café oder Bistro unterzubringen, werden von den Schülern aufmerksam, von ihrem Schulleiter eher nachdenklich verfolgt: "Mich würde dann interessieren, ob so ein schönes Café auch während unserer Unterrichtszeiten geöffnet hat", sagt Joachim Gantzsch und schmunzelt. Insgesamt freut natürlich auch er sich über die Kooperation, zumal sie die "kontinuierlich steigende Qualität" der Theaterarbeit am "Päda" adäquat würdige.

Und am Ende hat Kurt Tudyka, Vorsitzender der Kammerspiel-Freunde, dann noch eine Idee, die im Kreis der Schüler auf besonders wache Ohren stößt: "Warum sollten in den Kammerspielen nicht auch Aufführungen der Theater AG stattfinden?".

Stadt sieht Möglichkeiten für Gastronomie in den Kammerspielen:

Die Stadtverwaltung steht einem gastronomischen Betrieb in den Kammerspielen aufgeschlossen gegenüber. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die morgen im Kulturausschuss des Stadtrates und am 10. April in der Bezirksvertretung Bad Godesberg zur Beratung ansteht.

Nach dem Willen der SPD soll die Verwaltung die Möglichkeiten für ein Café oder Bistro prüfen. Zwar ist der offizielle Prüfauftrag durch die Kommunalpolitiker noch nicht erteilt worden. Dennoch haben die Fachleute im Stadthaus bereits eine umfassende Gesamteinschätzung zusammengestellt. Darin machen sie deutlich, dass der Theaterspielbetrieb und seine Abläufe von einer Gastronomienutzung nicht beeinträchtigt werden dürfen. Vielmehr müsse das Angebot im Einklang mit dem Theater stehen.

Auch mit Blick auf Baurecht und Denkmalschutz hält die Verwaltung die Einrichtung eines Bistros für denkbar; allerdings müssten die charakteristischen Merkmale des Gebäudes erhalten bleiben. Laut Stadt könnte jedoch die seitliche Fassade zum Michaelshof aufgebrochen und verändert werden.

Sofern es die Statik erlaube, könnte auch die Dachterrasse genutzt werden. Zurückhaltender äußern sich die Fachbeamten zum Thema Außengastronomie, weil dort einerseits Sondernutzungsverordnungen gelten und andererseits der Lärmschutz zu beachten ist. Angesichts der erforderlichen baulichen und behördlichen Schritte erscheint der Verwaltung eine Eröffnung in diesem Jahr nicht als realistisch. Zudem solle die designierte neue Theaterleitung einbezogen werden.

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