Kunstraum Villa Friede: Junge chinesische Kunst in Mehlem

Kunstraum Villa Friede : Junge chinesische Kunst in Mehlem

Die neue Ausstellung im Mehlemer Kunstraum Villa Friede zeigt Bilder und Installationen von Zhang Zheyi und Chi Qun.

Das Fahrrad im obersten Stockwerk des Kunstraums Villa Friede ist in jeder Hinsicht zum Anbeißen. Künstler Zhang Zheyi (Jahrgang 1975) hat die Installation allerdings viele Nerven gekostet. „Ich habe Millionen kleiner Legosteine zu einer Torte auf dem Gepäckträger verarbeitet“, übersetzt Kunstraum-Inhaber Ren Rong die Worte des Chinesen.

Sein Werk „Cake“, das neben anderen seit Sonntag in der Ausstellung „Still“ in Mehlem zu sehen ist, hat neben einer spielerischen auch eine politische Komponente. Es soll an die muslimische Minderheit der Uiguren erinnern, die ihre Spezialitäten vom Fahrrad aus verkauft. „Nachdem sie von einheimischen Händlern verprügelt worden sind, haben sie in einem Gerichtsverfahren Schadenersatz zugesprochen bekommen“, erklärt Zheyi. Das sei für eine Minderheit sensationell.

Der in Peking lebende Künstler stellt gemeinsam mit Chi Qun (Jahrgang 1981) im Kunstraum aus. Beide gehören der chinesischen Vereinigung „Art Nova 100“ an, die sich für junge Künstler einsetzt. „Unsere Organisation wird nicht vom Staat finanziert, man steht uns trotzdem offen gegenüber“, betont Kuratorin Peng Wei. Auch Zheyi sagt, er könne frei arbeiten. Er sei ein Allrounder, erzählt die Kuratorin: „Er beherrscht die Malerei wie die Videokunst oder Installationen.“ Bekannt ist er in China schon jetzt als Kalligraph, der seine Schriftzeichen nicht traditionell auf Reispapier aufträgt, sondern auf Leinwände. So zum Beispiel im Werk „Exploring Spring“, bei dem er – am Rande des Bildes – lyrisch den Tod seines Hundes verarbeitet. Das Bild selbst zeigt auf den ersten Blick aufgehende Blütenknospen, auf den zweiten fein gezeichnete Astronauten; alles soll Sehnsucht ausdrücken.

Ganz und gar nicht gegenständlich ist die Kunst von Chi Qun, der zweiten im Bunde. Die Chinesin, die nicht zur Eröffnung anreisen konnte, hat sich abstrakten Linien verschrieben. Teilweise mit Bambus trägt sie bis zu zehn Schichten Farben auf Leinwände auf. „So vermag sie, verschiedene Stimmungen auszudrücken, die doch immer kontrolliert sind“, sagt Kuratorin Wei.

Die teils großformatigen Werke folgen einer inneren Ordnung, die eine äußere voraussetzt – nämlich die der Künstlerin selbst. Der Geometrie setzt sie die Farbe entgegen, wie in „Bright Blue“. In dem kobaltblauen Ölbild malt sie drei Linien wie Berge, hinter denen zartes Lila schimmert. „Das weicht die Schärfe der aggressiv wirkenden Spitzen auf“, beschreibt Ren Rong, wie er es wahrnimmt. Als „wichtige Vertreterin der abstrakten Kunst“ Chinas stuft Art-Nova-Vertreterin Wei die in Peking lebende Künstlerin ein.

Mit „Still“ haben Rong und die Kuratorin die chinesischen Schriftzeichen, die der Ausstellung ihren Namen geben, übersetzt. „Alle Werke haben etwas Meditatives, laden dazu ein, die Konzentration auf den Künstler zu legen“, meint Rong. Im Fall der Wassermelone von Zheyi, die ebenfalls aus kleinen Legosteinchen erstanden ist, schweifen die Gedanken allerdings durchaus ab.

Die Ausstellung „Still“ ist bis zum 28. Mai donnerstags bis freitags von 16 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 16 Uhr im Kunstraum Villa Friede, Mainzer Straße 141, zu sehen.