25 Jahre Elisabeth-Selbert-Gesamtschule: Jubiläumsfeier mit Wermutstropfen

25 Jahre Elisabeth-Selbert-Gesamtschule : Jubiläumsfeier mit Wermutstropfen

In der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule (ESG) waren am Freitag ausnahmslos alle auf den Beinen: Anlässlich des 25. Geburtstags ihrer Schule legten sich Schüler, Lehrer und Angestellte mächtig ins Zeug.

Chöre, Orchester, Bands, Theatergruppen, Tänzer und Dichter traten den ganzen Nachmittag über an fünf verschiedenen Orten in der Schule auf. Zudem luden viele Klassen die Besucher zu Mitmach-Aktionen wie EM-Schminken und Entenangeln in ihre Klassenräume ein. Ein improvisiertes Museum stellte Dokumente und Gegenstände aus den letzten 25 Jahren aus. Besuch aus der nordrhein-westfälischen Landesregierung nutzte die Schulpflegschaft, um gegen die Streichung von Sonderpädagogen-Stellen zu protestieren.

Inklusion und Integration gehören an der ESG seit 20 Jahren zum Programm – nicht umsonst lautet ihr aktuelles Motto „So bunt wie nie“. Durch das sogenannte neunte Schulrechtsänderungsgesetz fürchtet die Schulpflegschaft, dass diese zentralen Aspekte nicht mehr gewährleistet werden können. Eine für die zum nächsten Schuljahr neugegründete integrative fünfte Klasse beantragte Stelle wurde abgelehnt, außerdem darf eine derzeit im Sonderpädagogen-Pool der ESG beschäftigte Lehrerin nach den Sommerferien nicht zurückkehren, da ihre Stelle gestrichen wurde. Von ehemals zwölf Sonderpädagogen-Stellen sind damit nur noch acht übrig. Laut Schulpflegschaft würden im nächsten Schuljahr allein zwei von drei Integrationsklassen des Jahrgangs 5 ohne „die dringend notwendige sonderpädagogische Begleitung“ auskommen müssen.

Stellvertretend für die NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung, Sylvia Löhrmann, machte sich Ministerialrätin Antonia Dicken-Begrich ein Bild von der Situation. Ebenfalls anwesend war die Bonner Landtagsabgeordnete Renate Hendricks. Für die Protestaktion versammelten sich Hunderte Schüler auf dem großen Schulhof und hielten Plakate in die Höhe: „SOS“, „Save Our Sonderpädagogen“ forderten sie. „Ich freue mich festzustellen, dass trotz der sicher schwierigen Situation die Stimmung in der Schule und die Solidarität unter Schülerinnen, Schülern und Lehrern sehr gut zu sein scheint“, sagte Dicken-Begrich dem General-Anzeiger. An der gesetzlichen Lage würde man in dieser Legislaturperiode allerdings nichts mehr ändern können. Hoffnung für die ESG gebe es aber trotzdem: „Es gibt durchaus noch Bewegung in der konkreten Zuweisung von Stellen“, so Dicken-Begrich.

„Unser Ziel war, ganz deutlich zu sagen: So geht es nicht mehr“, sagte Elternvertreterin Mechthild Greten. „Wenn irgendwo Integration stattfindet, dann genau hier an dieser Schule.“ Gerade in Hinblick auf die kürzlich durch den Tod von Niklas P. entstandene Diskussion, müsse man der Schule die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen. „Ich denke, das hat viele aufgerüttelt“, ergänzte die Schulpflegschaftsvorsitzende Jana Reinhold. Vertreter der Stadt, Dicken-Begrich und Hendricks seien sich „der Probleme hier richtig bewusst geworden“.

Heute hat die ESG rund 1250 Schüler, vor 25 Jahren ging es allerdings bescheidener los. 1991 wurde die Schule mit 114 Schülern im Gebäude der ehemaligen Heinrich-Heine-Hauptschule in Bonn-Röttgen gegründet. Zwei Jahre später zogen 320 Schülern in den heutigen Sitz in der Hindenburgallee 50 in Bad Godesberg, der damals zum Heinrich-Hertz-Gymnasium gehörte. 1997 erlangten die ersten Schüler der zehnten Klasse ihren Abschluss, und die Oberstufe wurde eingeläutet. Voll ausgebaut ist die Schule seit 2000, als die ersten Schüler mit Abitur die Schule verließen. 2006 wurde die ESG auf sechs Züge erweitert. Ihren endgültigen Ausbaustand erreichte die Schule 2011.

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