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Johannes-Kirchengemeinde findet keinen Nachfolger für Pfarrer Fincke

Kirche in Godesberg : Johannes-Kirchengemeinde sucht Nachfolger für Pfarrer Fincke

Pfarrer Rainer Fincke geht in den Ruhestand. Bisher ist kein Nachfolger in Sicht, der ab März sein Amt übernehmen könnte. Zwei Kandidaten sprangen schon ab.

Da staunten die Mitglieder der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde nicht schlecht, als ihr Wahlgottesdienst zur Nachfolge von Pfarrer Rainer Fincke am 3. Dezember kurzfristig abgesagt werden musste: Nach jeweils zwei Probegottesdiensten und Katecheseterminen sollte sich das Presbyterium (Gemeindeparlament) zwischen zwei Kandidaten entscheiden. Einer sollte dann am 1. März 2020 an der Seite des bleibenden Pfarrers Jan Gruzlak den nahtlosen Übergang garantieren. „Beide Kandidaten haben aus persönlichen Gründen abgesagt, in einem Fall aufgrund der Wahl in einer anderen Gemeinde“, erklärt Hans-Georg Kercher, Vorsitzender des Presbyteriums, auf Anfrage. Selbstverständlich könne er das nachvollziehen, „so schade das nun für uns ist“.

Die Stelle war seit Juni 2019 ausgeschrieben

Pfarrer Fincke wird am 26. Januar offiziell verabschiedet und geht in den Ruhestand. Er ist dann allerdings noch bis zum 29. Februar tätig. Die Stelle für seine Nachfolge war im Juni 2019 im Amtsblatt der Rheinischen Landeskirche ausgeschrieben worden. Sie sah dort für die 4 100-Mitglieder-Gemeinde, die von Schweinheim bis Pennenfeld reicht, eine Aufgabenverteilung auf die Bereiche Senioren, Menschen im mittleren Lebensalter, Gesprächskreise, Diakonie und Ökumene vor. Allerdings hätte die Stundenzahl unter der von Pfarrer Fincke gelegen. Pfarrer Jan Gruzlak sollte sich mit einer ganzen Stelle weiterhin auf die Arbeit mit Familien, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie Schulen und den interreligiösen Dialog konzentrieren können. „Dieser grundsätzliche Zuschnitt hat sich bewährt und soll auch behalten werden. Allerdings hat die zu besetzende Stelle nur noch einen Umfang von 50 Prozent“, gibt Kercher dann doch zu bedenken.

Er gibt keine genaue Zahl der Bewerber an. Vier wurden im Sommer zum Gespräch geladen. Daraufhin konzentrierte sich das Presbyterium auf die zwei Kandidaten, die sich der Gemeinde dann im Herbst bei öffentlichen Terminen präsentierten – und im Dezember kurzfristig wieder absprangen. Einer ist Pfarrer Matthias Lenz, der aus der Badischen Landeskirche stammt und sich parallel auch auf eine volle Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinde Siegburg beworben hatte. Hier erhielt er kürzlich den Zuschlag und entschied sich dafür. Als zweite Kandidatin hatte sich in der Johannes-Kirchengemeinde Pfarrerin Beatrice Fermor vorgestellt, die bislang ohnehin in dieser und in der nachbarlichen Erlöser-Kirchengemeinde im Entlastungsdienst steht. Warum sie letztlich auf die Kandidatur verzichtete, war von ihr auf Anfrage nicht zu erfahren

Ab Mitte März droht der Gemeinde eine Vakanz

Die rheinischen Gemeinden gingen aktuell schon davon aus, dass die Anzahl an Bewerbern bei einer halben Stelle gegen Null tendiere, antwortet Wolfgang Beiderwieden, stellvertretender Pressesprecher der Landeskirche, auf Anfrage. Zudem lasse sich tendenziell sagen, „dass es weniger Bewerber für ausgeschriebene Pfarrstellen als in früheren Zeiten gibt.“ Pfarrkandidaten sind also in den Wahlverfahren der Evangelischen Kirche derzeit heiß begehrt. Hans-Georg Kercher wiederum weiß vom Bedauern in der Johannes-Gemeinden Nun drohe ab März bis sicher Mitte 2020 eine Vakanz. „Wir werden neu ausschreiben müssen“, sagt er. Mit „wir“ meint er das am 1. März 2020 neu zu wählende Presbyterium. Dabei werde dieses personell vielfach neue Gemeindeparlament „noch mehr Wert darauf legen, dass der Aufgabenkatalog zu einer 50-Prozent-Stelle passe und die Arbeitsschwerpunkte beider Pfarrer flexibler gestaltet werden können.“ Was dann doch Rückschlüsse darauf zulässt, warum die Gemeinde ihre Stelle nun neu ausschreiben muss.