Evangelische Gemeinden Bad Godesberg: Islam-Beirat setzt auf ehrlichen Dialog

Evangelische Gemeinden Bad Godesberg : Islam-Beirat setzt auf ehrlichen Dialog

Die evangelischen Gemeinden Bad Godesbergs wollen den christlich-muslimischen Dialog fortsetzen. Mit einem neu formierten Islam-Beirat nehmen sie einen neuen Anlauf.

Die vier evangelischen Gemeinden Bad Godesbergs nehmen mit ihrem gemeinsam gebildeten Islam-Beirat einen erneuten Anlauf, den über Jahre vorbildlichen christlich-islamischen Dialog im Stadtteil zu beleben. „Eine gewisse Lähmung im ausgelaufenen interreligiösen Dialogkreis ist damit überwunden“, meint Pfarrer Jan Gruzlak. Nach längerer „Sendepause“ brachte der Beirat im Oktober 2018 Vertreter aller lokalen Religionsgemeinschaften an der Heilandkirche zusammen. Die Presse war nicht geladen. Es gebe keine Alternative zum Dialog von Gläubigen aus verschiedenen Kirchen und Religionen, sagt die kommissarische Vorsitzende des Beirats, Helgard Rehders. „Nur so wächst Verständnis füreinander, und man kann auch Unterschiede und Fremdheit zur Sprache bringen.“

Es zeichne sich ab, dass sich diese Form des offenen Austauschs verstetige, meint Gruzlak. „Statt darauf zu warten, dass alle bei einem Projekt mitmachen, gibt es nun mehr biliterale Beziehungen.“ Zum Treffen 2019 will der Mehlemer Verein Anqa mit seiner Vorsitzenden, der Muslimin Ayfer Dagdemir, Ausrichter sein. Anqa betreibt neben Präventionsarbeit zu Salafismus in Kooperation mit dem Amos-Comenius-Gymnasium Schülerprojekte zum interkulturellen Lernen. „Wir sehen den interreligiösen Dialog zwischen den verschiedenen Gemeinden als in jeder Hinsicht sehr bereichernd an“, betont Dagdemir. Jedes Individuum müsse seinen Platz in einer friedlichen Gemeinschaft haben dürfen. Ziel sei ein kommunaler Dialog durch Vernetzung bestehender Einrichtungen.

Gruzlak, der 2016 als Synodalbeauftragter des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel den christlich-muslimischen Dialog deutlich forcieren wollte, klingt heute weniger euphorisch. „Wir sind von großen Masterplänen abgekommen. Effektiver ist es, flexibel Impulse aufzunehmen, die aus der christlichen oder muslimischen Community kommen“, meint er etwa im Hinblick auf das Projekt „Dresdner Wort“ (siehe Kasten). Der Vorsitzende des Evangelischen Konvents Godesberg hat kürzlich seinen Vorsitz im Islam-Beirat an Rehders und die Synodalbeauftragung im Kirchenkreis an Pfarrerin Bärbel Bressler abgegeben. Die ist Lehrerin am Friedrich-List-Berufskolleg und sieht in Bildungseinrichtungen die große Chance, dass Menschen verschiedener Religionen einen offenen Umgang miteinander lernen. „Auf der Basis von Vertrauen und Respekt können Begegnungen nicht nur in der Schule gelingen, sondern auch am Arbeitsplatz“, hofft Bressler.

"Ehrlicher Dialog"

Beteiligte im Islam-Beirat wie Max Ehlers, Thomas-Kirchengemeinde, sehen die Entwicklung pragmatisch. Die evangelische Seite habe in all den Jahren viel in den christlich-muslimischen Dialog investiert, aber 2017 die Mitarbeit im von ihr selbst gegründeten Dialogkreis beendet. „Wir hatten den Eindruck, dass er einen zu kleinen Teil der muslimischen und christlichen Gläubigen vertrat, zumal die katholische Seite zuletzt nur sporadisch vertreten war“, sagt Ehlers. Und auf muslimischer Seite hätten wohl die liberalen Stimmen durch die Konzentration auf die Moscheegemeinden viel zu wenig Geltung gehabt. So wolle man nun neue Formen der direkten Begegnung suchen.

Pastor Wolfgang Thielmann, Heiland-Kirchengemeinde, setzt sich im Beirat ebenfalls für einen „ehrlichen Dialog“ in versöhnter Verschiedenheit ein. Der sei gerade in Godesberg wichtig. Er habe „aber nicht in allen Kirchengemeinden und Pfarreien den Stellenwert, der ihm zukommt“. Zudem bestehe vom Islam-Beirat aus bisher kein Kontakt zu den Imamen der örtlichen Ditib- und der Al-Ansar-Moschee. „Es heißt, das liege an Sprachschwierigkeiten. Das überzeugt mich nicht“, sagt Thielmann. „Seit die Ditib-Zentrale in Köln Islamisten eingeladen hat und den Dialog mit der Gesellschaft verweigert, müssen wir in Godesberg darüber reden.“

Aus den Moscheen höre er, dass manche Muslime um die Reinheit ihres Glaubens fürchteten. Er erlebe letztlich aber auf allen Seiten Angst und Abschottung. Jeder müsse im ehrlichen Dialog solche Sorgen bekunden können, so Thielmann. Nur dann könne man sich im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens verständigen.

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