Lesung in der Redoute: Ingrid Noll erzählt über Bad Godesberg der 50er Jahre

Lesung in der Redoute : Ingrid Noll erzählt über Bad Godesberg der 50er Jahre

Die Bestsellerautorin und Ex-Godesbergerin Ingrid Noll liest diesen Mittwoch in der Redoute. Das Buch mit dem Titel „Halali“ ist eine Zeitreise ins Lebensgefühl junger Frauen der 1950er Jahre.

An das Bad Godesberg der 1950er Jahre erinnert sich Ingrid Noll gerne. Die Grande Dame des deutschen Kriminalromans verbindet damit ihre Jugendzeit: Schulfreundinnen, Tanzstunde, die erste große Liebe, Spaziergänge am Rhein und im Siebengebirge. Am Mittwoch, 25. Oktober, wird Noll mit ihrem neusten Buchtitel „Halali“ zu einer Lesung mit Gespräch in die Redoute anreisen.

Die 1935 in Shanghai geborene Noll war als 15-Jährige mit der Familie an den Rhein gezogen. „Ich habe von 1950 bis Ende 1959 in Bad Godesberg gelebt und bin dort noch ins Mädchengymnasium gegangen“, erzählt die Autorin. Sie meint das heutige erzbischöfliche Clara-Fey-Gymnasium, das damals noch Studienanstalt St. Antonius hieß.

1954 hat sie dort ihr Abitur gemacht und ist dann zum Germanistikstudium an die Bonner Universität gewechselt. „Und in den Semesterferien jobbte ich im Bonner Innenministerium in der juristischen Fachbücherei.“ Deswegen gibt es in ihrem Roman „Halali“ eine Menge persönliche Erinnerungen an jene Zeit. „Zumal die Protagonistin in meinem Alter ist“, fügt sie hinzu.

Zeitreise in ein Lebensgefühl

Noll lässt ihre Hauptfiguren, zwei ausgelassene junge Frauen in Nylonstrümpfen mit schwingenden Röcken, genau in den Villen der Rheinallee, im Ministerium, am Rheinufer und in den Straßen des damaligen Bad Godesberg auf Agentenjagd gehen. Was auch eine ganze Reihe Klassenkameradinnen von damals am morgigen Abend in die Redoute locken wird. „Richtig aufgeregt“ ist Susanne Sinnhäuser, die heute noch im Villenviertel lebt. „Ingrid Noll saß damals im Mädchengymnasium ein paar Reihen vor mir“, erzählt sie.

Das Buch mit dem „eine spannende Jagd“ verheißenden Titel sei kein üblicher Agentenroman, sondern vielmehr eine Zeitreise ins Lebensgefühl junger Frauen der 1950er Jahren, wirbt der Verlag. Sinnhäuser, die den Roman inzwischen mit Vergnügen durchgeschmökert hat, gibt dem recht. Ja, durch jede Seite schimmere die Atmosphäre, die sie als junge Mädchen im Villenviertel und dann als Studentinnen an der Bonner Universität durchlebt hätten.

Es sei ein unglaubliches Lesevergnügen, den Abenteuern der beiden Romanfreundinnen aus der Feder Nolls durch die Straßenzüge um die Rheinallee zu folgen, schwärmt Sinnhäuser. Sie selbst sei am Königsplatz zu Hause gewesen, von dem aus sie noch in letzter Minute zur Schule habe aufbrechen können. Ingrid Noll sei von ein paar Straßen weiter herbeigeeilt. Und mit dem ersten Freund sei man natürlich am Rheinufer spazieren gegangen. „Wir hätten uns ja zu Hause nie getraut, uns mit dem Freund in unser Zimmer zu verdrücken.“ Die ältere Dame schmunzelt. Herrenbesuch sei strikt verboten gewesen.

Diplomatenstadt und Kurstadt

„Möblierte Herren“ wie den aus dem Buch habe man höchstens diskret zu Gesellschaftsspielen und kleinen Häppchen einladen können. „Richtig, der Toast Hawaii mit Schinken und einer Ananasscheibe drauf war für uns nach einem Tanztee im Dreesen der letzte Schrei“, erzählt Sinnhäuser lachend. Und dass sich der in der Rheinallee-Villa möblierte „Jäger aus Kurpfalz“ aus dem Buch dann als Spion der DDR entpuppte, solche Geschichten habe man sich in den 1950er Jahren in der Diplomatenstadt gerne erzählt.

Noll schreibt vom ehemaligen Seidenhaus Schmitz und vom noch heute bestehenden Juwelier Schrottka, vom plötzlichen Hauptstadt-Flair einer verschlafenen Pensionärs- und Kurstadt. „Aber gleichzeitig wusste noch jeder alles von jedem“, sagt Sinnhäuser. Etwa von den Frauen in der Bahnhofstraße, die neugierig auf Kissen in den offenen Fenstern hingen. Ihnen entging nichts. Auch nicht, wenn die Clara-Fey-Mädchen nach dem Unterricht in die Freizeit stürmten.

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