Bad Godesberger Musikszene: In den 60er Jahren waren Shaggies, Desperados und Row angesagt

Bad Godesberger Musikszene : In den 60er Jahren waren Shaggies, Desperados und Row angesagt

Sie hießen Shaggies, Suiciders, Outsiders und Rats - und mischten ab den 60er Jahren die Bad Godesberger Musikszene auf, die bis dahin nicht viel mehr als Tanztees zu bieten hatte. Und auch heute noch sind einige der Bands von den Bühnen in und um Bad Godesberg herum nicht wegzudenken.

So wie The Row, die 1964 als Schülerband starteten oder auch die Desperados, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern - mit einem gemeinsamen Konzert im Kastaniengarten des Rheinhotels Dreesen.

Im März 1963 standen die Desperados zum ersten Mal auf der Bühne, und zwar im Rainbow Dancing Club. Es folgten viele weitere Auftritte, unter anderem im Vulkan in Mehlem an der Meckenheimer Straße. "Es war eine Kneipe mit angrenzendem Saal", sagt Hans-Georg Rehse, Desperado der ersten Stunde. 200 Leute gingen dort hinein. Und die kamen nicht ausschließlich aus Bad Godesberg.

Die Bad Godesberger Musikszene nämlich war zu dieser Zeit weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. "Es gab zehn bis zwölf Bands mit Godesberger Jungs", sagt Rolf Ditz von The Row, der den meisten allerdings unter seinem Spitznamen "Rowi" bekannt sein dürfte. "Die Bandszene in Bad Godesberg war nicht nur gut - sie war der Bonner weit voraus", ergänzt Rehse. Und erinnert sich an den Karnevalszug 1965: Damals spielten die Shaggies zum ersten Mal.

"Das Schlagzeug stand im Wohnzimmer, der Rest spielte auf dem Balkon." Den Narren gefiel's: "Der Zug blieb eine halbe Stunde lang stehen und hörte zu." Es ist eine "super Zeit" gewesen, sind sich Rehse, Ditz und Heinz König, Betreiber des Knollestüffje an der Junkerstraße, in dem zahlreiche Bands auftreten, einig. Die Zeit, in der der Jugendtanztee in der Stadthalle und die Veranstaltungen in der offenen Tür durch Beatbands abgelöst wurden.

In der der Einfluss der Beatles, von Elvis Presley und der Rolling Stones zu spüren war, in der verkrustete Regularien aufgebrochen wurden, in der akkurat gescheitelte von langhaarigen Männern abgelöst wurden. "Es war eine Aufbruchstimmung, die es in dem Maße nicht mehr gibt", sagt Ditz. "Für uns war es fast wie eine Revolution."

1963 startete sie in Bad Godesberg, 1965 folgte Bonn, sagt Rehse. "Vielleicht war es ja purer Zufall, dass es in Bonn später losging." Eins aber war klar: Die Reaktionen in Godesberg seien sensationell gewesen, erinnern sich die Musiker. "Der Jugendtanztee war schlagartig weg vom Fenster. Vor allem die jungen Leute waren wahnsinnig dankbar."

Das zeigt sich bis heute. Nicht nur, dass sich die Konzerte damals großer Beliebtheit erfreuten, die Jugendlichen den Musikern zujubelten, als zum Beispiel die Desperados oder The Row im Vorprogramm der Kinks auftraten. Auch beim Oldie-Festival, bei dem die damalige Werbegemeinschaft Bad Godesberg um König die Beatbands noch einmal auf eine Bühne holte und Spenden für krebskranke Kinder sammelte, war auf dem Theaterplatz kein Durchkommen mehr.

Mittlerweile aber werden die Orte, an denen gespielt werden kann, weniger, bedauert Ditz. Gab es früher zahlreiche Möglichkeiten, "werden die Kneipen heute immer weniger". Geblieben seien unter anderem der Kastaniengarten und das Knollestüffje, der Biergarten in der Rheinaue oder die Harmonie.

Jubiläumskonzert:

Die Godesberger Bands, die es heute noch gibt, können sich über mangelnden Zulauf nicht beschweren, sagen die Musiker. Das Publikum sei genau wie sie selbst einfach älter geworden. Heute sind viele der Fans bereits Großeltern, was seine Vorteile hat: Die bringen nämlich ihre Enkel einfach mit.

So könnte es auch bei "Still Rockin'...1963 bis 2013", so der Titel des gemeinsamen Jubiläumskonzerts von Desperados und The Row, wieder voll werden. Beginn ist am Samstag, 14. September, um 18 Uhr im Kastaniengarten des Rheinhotels Dreesen an der Rheinstraße 45-49. Der Einlass ist bereits ab 17 Uhr. Der Eintritt zum Konzert kostet im Vorverkauf 8,50 Euro. Eintrittskarten gibt es in den Bonnticket-Shops in allen GA-Zweigstellen sowie im Bad Godesberger Stadtmarketing-Pavillon auf dem Ria-Maternus-Platz.

Erinnerungen ans Underground:

"Matratzen". Das ist das Schlagwort, das Juppi Schaefer einfällt, wenn er an "sein" Underground denkt. 1969 hat er den Rockclub eröffnet, 1975 musste er wegen ständiger Querelen mit den Nachbarn schließen. "Mein Werkstoff hieß Matratzen", erinnert sich Schaefer. Die Fenster wurden damit gedämmt, außerdem dienten sie als Sitzgelegenheit. "Die Leute lagen im Underground auf den Matratzen herum, und die Bands mussten über sie drübersteigen, um zur Bühne zu kommen", sagt Schaefer. "Für viele Bands war das ein Schock."

Bekannte Bands gaben sich im Underground auf jeden Fall die Klinke in die Hand. Egal ob Pretty Things, Small Faces, Uriah Heep, die Scorpions oder sogar Queen - für sie war der Mittwoch reserviert. Donnerstags stand Kino auf dem Programm, was dem damaligen Besitzer der Burg-Lichtspiele überhaupt nicht behagte. Samstags standen die deutschen Krautrockbands auf der Bühne, der Sonntag gehörte wahlweise dem Theater (das Underground hatte eine eigene Gruppe) oder den Nachwuchsbands - dazu gehörte damals etwa die Rheinbacher Band von Wolfgang Niedecken.

Dass Bad Godesberg ein Underground brauchte, war Schaefer klar, als er aus Frankfurt wieder an den Rhein kam. In der Mainmetropole habe es "fantastische Läden" gegeben. "Und was gab es in Bad Godesberg? Den Jugendtanztee."

Mehr von GA BONN