Keine Heizung: In Bad Godesberg friert eine ganze Siedlung

Keine Heizung : In Bad Godesberg friert eine ganze Siedlung

In den Vonovia-Wohnungen im Bad Godesberger Stadtteil Rüngsdorf sind erneut die Heizungen ausgefallen. Die Mieter wollen jetzt Druck auf den Konzern ausüben.

Egal ob jung, alt oder krank – eines verbindet die Mieter der Siedlung in der Mendelssohnstraße und dem Kapellenweg: Sie alle sitzen im Kalten und frieren. Während die Außentemperaturen immer winterlicher werden. Schon 2016 wurde von einem großflächigen Heizungsausfall in dem Wohnkomplex berichtet. Und jetzt, zwei Jahre später, ist es schon wieder soweit.

Vonovia ist Deutschlands führendes Immobilienunternehmen. „Marktführer zu sein ist untrennbar mit Verantwortung verbunden – Verantwortung für die rund eine Million Menschen, die bei uns zu Hause sind“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Von dieser Verantwortung spürt Mieter Udo Skomorowsky nichts. Seit Jahren klagen er und die Mitmieter der Siedlung über immer wiederkehrende Heizungsausfälle. Bis zu 15 Mal im Jahr.

Im Oktober 2016 berichtete er von kalten 16 Grad in seinem Wohnzimmer. Vergangene Woche passierte es erneut, die komplette Heizungsanlage fiel aus. Am Donnerstagabend waren es gerade einmal 14 Grad in der Wohnung von Skomorowsky. Das Schlimmste für ihn: Er fühlt sich von seinem Vermieter im Stich gelassen. „Ich habe mehrmals bei der Service Hotline angerufen und wurde nur vertröstet.“ Am Samstag, 15. Dezember, wandte er sich erneut hilfesuchend an die Hotline. Dort hieß es, eine Kölner Firma würde den Schaden noch am selben Tag beheben. Doch am Sonntagmorgen war es immer noch kalt in der Siedlung.

„Ich habe erneut zum Hörer gegriffen und mich beschwert. Der Mitarbeiter erzählte mir, die Heizung sei bereits repariert worden. Jetzt sei allerdings kein Heizöl mehr im Tank.“ Ein Schock für Skomorowsky: „Jeder Vermieter hat dafür zu sorgen, dass der Tank voll ist. Egal ob Ölengpass oder erhöhte Ölpreise. Dafür muss gesorgt sein.“ Dass einer der größten Vermieter Deutschlands dies nicht auf die Reihe bekommt, kann der Mieter nicht nachvollziehen.

„45 Minuten später habe ich da noch mal angerufen. Ich wollte mir das verifizieren lassen.“ Der nächste Mitarbeiter erklärte, dass die Heizungsanlage am nächsten Tag repariert würde. Von einer Reparatur Mitte der vergangenen Woche oder einem leeren Öltank erwähnte er nichts.

"Wozu zahle ich überhaupt Warmmiete? Es ist immer kalt."

Auch Mieterin Janine Djuric ist entsetzt. Seit 2008 lebt sie in der Anlage, in der beinah jeden Winter die Heizung ausfällt. Ihre Beschwerden würden von Vonovia nicht ernst genommen, erklärt sie. „Warum der Aufstand?“, habe es dort sogar geheißen, als sie von ihrer auf elf Grad herabgekühlten Wohnung berichtete. „Ich verstehe einfach nicht, wie die ständig in Bonn alles aufkaufen dürfen.“ Denn jedes Mal, wenn sie sich nach anderen bezahlbaren Wohnungen umsehe, lande sie wieder bei Vonovia. „Wozu zahle ich überhaupt Warmmiete? Es ist immer kalt, und ich bin ständig erkältet.“, so Djuric. Und das, obwohl sie lungenkrank sei.

Auch die Mutter ihrer Freundin lebt in der Siedlung. „Die Frau ist schwer krebskrank – todkrank. Und jetzt hat sie die Grippe. Unter mir wohnt eine Familie mit drei Kindern. Der kleinste hat eisige Finger und schnieft seit Tagen durchgehend.“ „Die Ursachen für die Ausfälle können ganz unterschiedlich sein.“, so Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille. Aktuell sei wohl Luft in der Ölleitung das Problem. Und Lieferzeiten von Ersatzteilen verzögerten unter anderem die Reparaturarbeiten. „Wir verstehen total, dass so eine Situation für die Mieter extrem ärgerlich ist. Insbesondere zu der Jahreszeit. Sollte da bei den Mietern ein anderer Eindruck entstehen, bedauern wir das sehr.“ Daher könnten sich die Mieter gerne melden, und es würde gemeinsam nach einer Lösung für zum Beispiel mögliche Entschädigungen gesucht.

Bernhard von Grünberg vom Mieterbund Bonn-Rhein-Sieg kennt Vonovia als einen „schwerfälligen Apparat“. Das generelle Problem sind die schon betagten Anlagen, die immer wieder Probleme machen - vor allem die Heizungen und Aufzüge. „Das ist alles in die Jahre gekommen, die Ersatzteile fehlen. Die Kosten der Instandhaltung trägt das Unternehmen allein, da verdienen die kein schnelles Geld mit.“ Denen müsse man Druck machen, damit sich etwas tut.

Genau das machen die Bewohner der Siedlung jetzt, sie sagen Vonovia den Kampf an. Eine Mieterin der Siedlung hat bereits eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen das Unternehmen eingeleitet. Auch weitere Mieter wollen klagen. „Wir wollen eine Mieterinitiative gründen, um unsere Interessen besser gegenüber dem Konzern zu vertreten.“, verrät Skomorowsky. Alle sind voll dabei und auch bereit, keine Miete mehr zu zahlen. „Denen geht es nur ums Geld. Wenn das nicht kommt, dann werden die schon handeln.“, ergänzt Djuric. Das Schlusswort von beiden ist identisch: „Ich hoffe einfach nur, heute Abend in eine warme Wohnung zu kommen.“