Statistik der Bonner DLRG: Immer mehr Schwimmbäder werden geschlossen

Statistik der Bonner DLRG : Immer mehr Schwimmbäder werden geschlossen

Laut der der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft werden seit Jahren immer mehr Bäder geschlossen. 2019 sollen es wieder rund 70 sein. Die DLRG warnt zudem, dass viele Kinder nicht schwimmen können.

15 Minuten am Stück schwimmen und dabei mindestens 200 Meter zurücklegen: Erst wer das beherrscht, kann laut Martin Holzhause, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), sicher schwimmen.

Doch die Zahl der Kinder, die diese Anforderungen erfüllen, sinkt. 2010 konnte die Hälfte der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen, mittlerweile sind es bereits 59 Prozent. Die Zahlen stammen zwar aus einer Forsa-Umfrage aus 2017, sind aber nach wie vor aktuell. Laut DLRG werden die Umfragen alle paar Jahre durchgeführt.

Doch wie kann es sein, dass immer weniger Kinder tatsächlich schwimmen können? Es sei nicht einfach, einen Kursus zu finden, sagt Holzhause. Denn egal, ob bei Vereinen oder DLRG, „es gibt lange Wartelisten, man muss also frühzeitig anmelden“. Ein großes Problem, so der Sprecher: „Die zur Verfügung stehende Wasserfläche wird bundesweit immer geringer.“ Soll heißen, dass immer mehr Schwimmbäder schließen, anderweitig genutzt oder durch Bäder ersetzt werden, die kleinere Becken haben.

Denn vielfach sei es wichtiger, ein Spaßbad zu installieren, als die Anforderungen an die Schwimmausbildung zu erfüllen, sagt Holzhause und nennt ein Beispiel: In Braunschweig seien vor einigen Jahren verschiedene Stadtteilbäder geschlossen worden, gebaut wurde ein neues. Rechne man dies gegeneinander auf, bedeute es „einen räumlichen Verlust“.

Ähnliche Pläne waren bei den Bonnern auf Widerstand gestoßen. Wie berichtet, sollte in Dottendorf ein neues Schwimmbad gebaut werden, im Gegenzug wären das Frankenbad geschlossen und das leerstehende Kurfürstenbad in Bad Godesberg endgültig aufgegeben worden. Doch soweit kam es nicht. In einem Bürgerbegehren erteilte die Mehrheit der Bürger den Plänen eine Absage, die Zukunft der Bonner Bäderlandschaft ist seither wieder offen.

Nur wenige Kinder lernen in der Schule Schwimmen

Unter Beteiligung der Bürger soll ein neues Konzept erarbeitet werden, in das bisher eingebrachte Vorschläge einfließen sollen. Dazu trifft sich im September ein Gremium aus 100 zufällig ausgewählten Bonnern. Das letzte Wort, was am Ende umgesetzt wird, hat der Stadtrat.

Wie viel Wasserfläche tatsächlich jährlich verschwindet, könne man nicht genau sagen, so Holzhause. „Es fehlt an verlässlichen Studien.“ Allerdings habe es Anfang der 2000er Jahre eine Sportstättenstatistik gegeben, außerdem gebe es den Atlas der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, in dem alle Hallen- und Freibäder verzeichnet sind. Zwar könne man die beiden Erhebungen nicht 100-prozentig vergleichen, „aber sie gehen in die gleiche Richtung“, so Holzhause.

So könne man sagen, dass in den vergangenen 18 Jahren durchschnittlich 80 Bäder deutschlandweit geschlossen worden seien – pro Jahr. Und auch 2019 werden nach Auskunft des DLRG-Sprechers rund 70 weitere folgen. Eine Folge sei, dass bundesweit rund ein Viertel der Grundschulen keinen Zugang zu einem Bad haben. Dabei sei Schwimmen unter anderem in NRW Teil des Lernplans. Dies spiegelte sich auch in der Umfrage wider: So gaben laut DLRG nur 27 Prozent der Eltern an, dass ihr Kind in der Schule Schwimmen gelernt hat.

Dabei, so Holzhause, „ist es sehr wichtig, früh mit dem Schwimmen anzufangen“. Nur so könnten Unfälle im Wasser vermieden, das Risiko zu ertrinken minimiert werden. Außerdem fördere der Sport das soziale Miteinander, sei gelenkschonend und könne so bis ins hohe Alter ausgeübt werden.

Sein Tipp: Mit ungefähr fünf Jahren könne, je nach Entwicklung des Kindes auch früher oder später, der Schwimmunterricht starten. Die Wassergewöhnung aber sollte bereits im Kleinkindalter beginnen – egal ob im öffentlichen Schwimmbad oder in der heimischen Badewanne.

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