Hunderte lassen sich in Bonn-Bad Godesberg als Knochenmarkspender registrieren

Aufgeben ist keine Option : Hunderte lassen sich in Bad Godesberg typisieren

Hunderte lassen sich in Bad Godesberg als Knochenmarkspender registrieren, um der 16-jährigen Chiara beim Kampf gegen den Krebs zu helfen.

Bis April war Chiara ein glücklicher Teenager. Dann kam der Schock. Weil die Jugendliche, die in die 10. Klasse der Realschule in Euskirchen ging, dauernd schlapp war, viel schlief, blaue Flecken nicht mehr weggingen und sie fast täglich Kopfschmerzen plagten, ging sie zum Arzt. Die Diagnose: Chiara hat Blutkrebs. Später stellte sich heraus, dass es die ausgesprochen seltene Aplastische Anämie ist.

Um der Handballerin zu helfen, stand die Saisoneröffnung der Handballabteilung des Godesberger Turnvereins am Sonntag ganz im Zeichen der guten Tat. Während sechs Mannschaften vom Minis-Alter bis zu Erwachsenen, zwei Kreisliga-Herrenmannschaften und die Oberliga-Damenmannschaft Punkte sammelten, sammelte die DKMS (Deutsche Knochenmark-Spenderdatei) Speichelproben. Hunderte Teilnehmer, Zuschauer und beteiligte Sportler, hatten bis zum Nachmittag registrieren lassen.

Die DKMS hatte eigens einen Informationsstand bei der Saisoneröffnung aufgebaut. Foto: Alfred Schmelzeisen

Dass Blutkrebs-Erkrankungen besiegbar sind, wissen die erkrankten Patienten, denen mit Stammzellenspenden geholfen wurde - auch Chiara weiß es. Der 16 Jahre alten Angriffsspielerin galt gestern das gesamte Interesse der Handballabteilung und für sie wollte der größte Bad Godesberger Sportverein ein ganz besonderes Zeichen setzen.

Frank Trier, Trainer der weiblichen B-Jugend des GTV, hatte die Initiative für die Typisierungsaktion gestartet. Der GTV-Vereinsvorsitzende, Manfred Zachcial, und der Trainer der 2. Mannschaft, Marc Dittmar, waren im wahrsten Sinne des Wortes "sofort Feuer und Flamme". "Wir versuchen mit unseren Mitteln zu helfen, rührten die Werbetrommel für DKMS und die vielen Blutkrebspatienten", hieß es in der Sporthalle des Sportpark Pennenfeld.

Die Bambini-Handballer hatten ein bereitgestelltes Tischtuch mit 110 Handabdrücken bunt gestaltet. "Alle Hände für Chiara" stand darauf. Das Tuch überreichten die Kinder auf dem Spielfeld an die sichtlich gerührte Chiara. Sie selbst ergänzte das Tuch mit einem roten Handabdruck.

Die Mutter von Chiara, auch begeisterte Handballerin und über viele Jahre Trainerin ihrer Tochter, erläuterte am Spielfeldrand: "Chiara spielt seit dem 6. Lebensjahr Handball, sie spielte sogar in der Oberliga und trainierte die Auswahl." Ihre Tochter erzählt: "Pro einer Millionen Menschen gibt es statistisch zwei, die diese Krankheit haben." Derzeit werde sie in der Kölner Universitätsklinik behandelt. "Ich bin auch erst die zweite Patientin überhaupt, die dort mit dieser Anämie hinkam", sagt sie. Statt Handball-Training heißt es für sie nun: ständige Bluttransfusionen. Seit Juli macht sie zudem die IST-Therapie. Was bedeutet, dass sie zehn Medikamenten nehmen muss - teilweise stationär, teilweise zu Hause. So versucht sie, die Krankheit zu besiegen. Dabei trägt sie der Gedanke an eine rettende Knochenmarktransplantation. Ihre Überlebenschancen stehen fifty-fifty. Aber aufgeben will Chiara nicht. Den Weg zum Abitur hat sie bereits eingeschlagen. Im Krankenhaus gibt es sogar eine Schule, die sie zusammen mit zwanzig anderen Kindern besucht. Denn da ist ja noch ihr Traum: Polizistin werden.

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