Sterbebegleitung in Bonn und Wachtberg: Hospizbegleiter stark nachgefragt

Sterbebegleitung in Bonn und Wachtberg : Hospizbegleiter stark nachgefragt

Eine Letzte-Hilfe-Kurs bereitet Teilnehmer auf den Umgang mit dem Tod vor. Die meisten Menschen wünschen sich, Zuhause zu sterben.

Wie begleitet man einen geliebten Menschen, der bald sterben wird? Welche Bedürfnisse können wir am Ende eines Lebens überhaupt noch erfüllen? Und wie lässt sich wirklich Abschied nehmen? Ein Angebot in Bad Godesberg will dabei helfen, jene Fragen, die auf den ersten Blick unbeantwortbar erscheinen, eben doch beantworten zu können. Seit kurzem bietet der Hospizverein in der Junkerstraße einen sogenannten Letzte-Hilfe-Kurs an, bei dem Teilnehmer lernen sollen, Schwerkranke und Sterbende am Ende ihres Lebens souveräner zu begleiten.

„Der Tod ist ein Thema, das uns alle betrifft“, betonen die Kursleiterinnen Gudrun Müller und Ines Baltes bei der zweiten Veranstaltung im März. Die Gesellschaft werde immer älter, aber nicht unbedingt gesünder. „Die meisten Menschen wünschen sich allerdings, Zuhause zu sterben“, erklärt Müller. Deswegen steige der Bedarf nach häuslicher Hospizarbeit. An dieser Stelle setzt der „Letzte-Hilfe-Kurs“ an, der die Grundlagen von ambulanter Sterbebegleitung vermittelt. Die Teilnehmer erfahren, wie sie das Leid von Erkrankten lindern können. Auch Basiswissen zu Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten wird vermittelt. Gleichzeitig geht es aber aber auch ums Abschiednehmen. „Wir sind allerdings keine Seelsorger“, äußern Müller und Baltes gleich zu Beginn mit Nachdruck. Vorrangig gehe es im Kurs um die Bedürfnisse von Sterbenden und Schwerkranken, nicht etwa um die Verlustängste der Teilnehmer.

Der „Letzte-Hilfe-Kurs“ ist eine Initiative der Organisation Last Aid International. Vom Hospizverein wurde das Angebot nach Bonn geholt – und die Nachfrage in Bad Godesberg ist bereits nach kurzer Zeit gegeben. Beide bisherigen Veranstaltungen waren bis auf den letzten Platz besetzt. So auch der Kurs im März, an dem etwa 20 Personen teilnahmen. „Ich habe noch nie verstanden, wieso der Tod im alltäglichen Leben so verschwiegen wird“, betont eine Teilnehmerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, weil sie sich um ihren schwer kranken Vater kümmert. Im Kurs wolle sie lernen, was sie noch alles für den 90-Jährigen tun könne. „Ich möchte all jene unterstützen, die keine eigene Stimme oder Kraft mehr haben“, sagt die 54-Jährige aus Mehlem. Es ärgere sie, wenn sich gerade Ältere immer wieder dafür entschuldigten, dass sie anderen zur Last fielen. Das Angebot des Hospizvereins habe ihr ermöglicht, noch offener über das Sterben zu sprechen.

Auch Heinz-Josef Fabry aus Poppelsdorf nahm im März am „Letzte-Hilfe-Kurs“ in der Junkerstraße teil. Der 74-Jährige war früher Theologe an der Universität Bonn. Heute ist er in der Gemeinde Ippendorf als Seelsorger tätig. „Trotzdem habe ich regelmäßig eine panische Angst vor dem Tod“, erklärt er. Bereits während des Studiums habe ihn das beschäftigt. „Ich glaube, dass ich mich in den sterbenden Menschen vielleicht selbst wiedererkenne“, vermutet der 74-Jährige.

Das Angebot des Hospizvereins habe ihm nun aber gezeigt, dass der Tod tagtägliche Arbeit für viele Menschen ist. „Mich beeindruckt, wie souverän manche damit umgehen“, so der Seelsorger. Dies werde er in Zukunft ebenfalls versuchen.

Nächster „Letzte-Hilfe-Kurs“ am Montag, 27. Mai, von 15 bis 19 Uhr. Weitere Infos: www.hospizverein-bonn.de und www.letztehilfe.info..

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