Obelisk in Bad Godesberg: Historische Säule in Godesberg könnte versetzt werden

Obelisk in Bad Godesberg : Historische Säule in Godesberg könnte versetzt werden

Der Obelisk in Bad Godesberg soll auf Wunsch des Heimatvereins künftig am Draitschbrunnen stehen. Die Wetterstation von 1876 zählt zu den ältesten in Deutschland. Die Bezirksvertretung hat das letzte Wort.

Wer Denkmäler in Bad Godesberg nennen soll, dem werden Redoute, Godesburg oder auch die Kurfürstliche Zeile einfallen. Kaum jemand wird an ein historisches Kleinod denken, das versteckt an der Stadthalle, an der Rückseite der Konzertmuschel, sein Dasein fristet: die Wettersäule, die 1876 aufgestellt wurde. Und als die älteste noch funktionierende Wettersäule Deutschlands gelten kann, zusammen mit der im selben Jahr aufgestellten in Saarbrücken. Wenn es nach dem Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte (VHH) geht, soll die 2,85 Meter hohe Säule bald wieder an prominenterer Stelle stehen, und zwar am Draitschbrunnen.

„Wir wünschen uns für dieses kulturhistorisch bedeutende Denkmal einen schöneren Standort“, erklärte VHH-Vorsitzender Martin Ammermüller den Vorstoß des Vereins, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert (siehe Artikel „Der Heimatverein“). Der Draitschbrunnen, den der VHH 2015 neu herrichten ließ, eigne sich wesentlich besser als Standort als die Stadthalle. Dort würde die Wettersäule mehr zur Geltung kommen, wäre gut sichtbar und befände sich näher an ihrem ursprünglichen Standort.

Der ursprüngliche Standort lag an der Brunnenallee

Der liegt in unmittelbarer Nähe des Draitschbrunnens, wie aus einem Text hervorgeht, den Historiker Albert L. Brancato in den Bad Godesberger Heimatblättern veröffentlicht hat. Demnach wurde die Wettersäule 1876 am Anfang der Brunnenallee, wenige Meter von der Redoute errichtet – auf Betreiben des Verschönerungs-Vereins Godesberg (VVG), des VHH-Vorgängers. Aufstellungsdatum und Vereinskürzel sind daher bis heute auf dem Sandstein-Obelisken zu lesen. Der Vorteil des Standorts lag auf der Hand: Kurgäste konnten sich auf dem Weg zum Mineralbrunnen bequem über das Wetter informieren.

1904 musste die Säule weichen, da laut Brancato die Brunnenallee saniert und die Bürgersteige verbreitert wurden. Da habe die Wettersäule samt Umfassungsgitter „ein Verkehrshindernis bedeutet“. Ein weiterer Grund: Das öffentliche Interesse habe vermutlich nachgelassen. Das Gitter verschwand, der Obelisk fand mit Zustimmung des VVG einen neuen Platz am Mineralbrunnen der Draitschquelle. Erst links, 1954 dann rechts von der Treppe. Als der Mineralbrunnen 1972 dicht gemacht wurde, kam das Denkmal schließlich zur Stadthalle, wo es bis heute steht.

Wettersäule zeigt Barometer, Thermometer und Hygrometer

Was genau zeigt die Wettersäule? „Sie umfasst drei Messinstrumente: Barometer, Thermometer und Hygrometer“, sagt Ammermüller. Wie sie früher ausgestattet gewesen sei, wisse man nicht. Abzulesen sind also Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Früher eine unerlässliche Informationsquelle für die Bad Godesberger, habe die Wettersäule in Zeiten des Internets zwar nicht mehr die Bedeutung wie früher, sagt Ammermüller. „Aber sie ist eine schöne Erinnerung.“

Die Schweiz gilt als Ursprungsland der Wettersäulen. 1838 wurde die erste ihrer Art in Genf am Grand' Quai aufgestellt, es folgten viele weitere. „Mitte des 19. Jahrhunderts wurden viele in Deutschland aufgebaut, sie wurden aber mehr oder minder restlos zerstört“, sagt Ammermüller. Viele verschwanden außerdem im Zuge der Inflation aus dem Stadtbild, da in den kommunalen Kassen Ebbe herrschte. Folglich konnte die Instandhaltung der Säulen nicht mehr bezahlt werden, heißt es in den Heimatblättern.

In Bad Godesberg gab es übrigens noch eine weitere Wettersäule. 1902 wurde die „Normaluhr“ vor dem ehemaligen Café Anger an der Bahnunterführung Alte Bahnhof- und Moltkestraße installiert, so Ammermüller. Sie zeigte bis 1952 die Uhrzeit und das Wetter an. Die Bonner stellten um 1900 ebenfalls einige Säulen auf – am Anfang der Poppelsdorfer Allee, in der Nähe der Hofgartenwiese und am Bonner Münster, berichtet Brancato in seinem Artikel.

Die Bezirksvertretung entscheidet

Ob die Bad Godesberger das Denkmal bald am Draitschbrunnen bewundern dürfen, wird sich übrigens in der nächsten Woche zeigen. Dann entscheidet die Bezirksvertretung über den Antrag. Eins ist aber schon klar: Sollten die Politiker grünes Licht geben, übernimmt der VHH die Kosten für die Umsetzung der Wettersäule.

Die öffentliche Sitzung der Bezirksvertretung beginnt am Mittwoch, 27. März, um 17 Uhr. Das Gremium tagt in der Stadthalle, Koblenzer Straße 80.

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