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Campingplatz Genienau: Hier wird im Bonner Süden Urlaub gemacht

Campingplatz Genienau : Hier wird im Bonner Süden Urlaub gemacht

Der Campingplatz Genienau liegt zwischen hohen Bäumen in Mehlem am Rhein. Hier haben sich kuriose Geschichten abgespielt. Einmal störte ein Panzer die Idylle.

Egal ob Pilger mit Esel oder 15 unangemeldete Wohnmobile aus Frankreich – Elfgard Weber findet für alles eine Lösung. Seit 1974 hat die Eigentümerin des Campingplatzes Genienau am südlichsten Zipfel von Bonn einen Arbeitsplatz mit Blick auf hohe Bäume, Rhein und Siebengebirge. Der 1967 eröffnet Platz war früher das ganze Jahr geöffnet, wegen der Hochwassergefahr gibt es heute nur noch Saisonbetrieb von Ostern bis Ende Oktober. „Im Januar war das Wasser nur 100 Meter vom Haus entfernt“, zeigt die 73-Jährige. Anschließende sei der Campingplatz noch Wochen lang schlammig gewesen.

Doch jetzt ist Sommer und sie kann viele Stammgäste begrüßen. Die schätzen vor allem, dass der Platz so offen ist und es keine eingezäunten Parzellen gibt. Mit einer Ausnahme: Stammgäste von der anderen Rheinseite haben hinter einem verwunschenen Rosenbogen ihren Wohnwagen aufgestellt. Selbst die Vögel brüten hier stilecht im aufgehängten Wohnwagen-Vogelhäuschen.

Andere Camper kommen, weil Kinder und Enkelkinder in der Nähe wohnen, wie das Ehepaar aus Karlsruhe: „Wir fühlen uns hier wohl, es ist einfach praktisch.“ Familie Finger aus Trier übernachtet in Mehlem, um die Tochter beim Rollstuhlbasketball anzufeuern, die es schon ins Halbfinale des Jugendländerpokals geschafft hat. Andere kommen für ein Praktikum oder weil sie in Bonn auf Wohnungssuche sind. Der Campingplatz wird zum vorübergehenden Zuhause – für eine Nacht, für eine Woche oder bis die nächste Schlechtwetterfront aufzieht. „Das Besondere hier ist die Lage“, findet Elfgard Weber. „Sie haben hier Wasser, Berge, Stadt und Kultur.“ Viele ihrer Gäste machen eine Schifffahrt auf dem Rhein, bei schlechtem Wetter geht es ins Museum.

Urlaub mit "Chantal"

Ria und Dick van Dijk sind auf der Durchreise. Sie sitzen am Zelt, lesen oder lösen Sudoku. Es ist ein Tag zum Entspannen und Wäsche waschen, denn sie haben schon 564 Kilometer auf dem Tacho. „Wir sind auf dem Weg mit den Fahrrädern nach Wien“, erzählt Dick van Dijk. In der Nähe von Amsterdam sind sie gestartet, jetzt radeln sie am Rhein und später an der Donau entlang. Wien, Prag, Dresden, Magdeburg und dann wieder zurück in die Niederlande – so geht es in Etappen von 60 bis 70 Kilometern am Tag in den nächsten Wochen weiter. Die Rentner waren auch schon mit dem Fahrrad in Santiago de Compostela. „Nur wenn das Wetter ganz schlecht ist, gehen wir in ein 'Bed an breakfast'“, berichtet Ria van Dijk.

Das Publikum in der Genienau war früher noch internationaler. „Es gibt kein Land, aus dem nicht schon jemand hier war“, sagt die Betreiberin. Früher hätten die Kunden der Botschaften auf dem Campingplatz auf ihr Visum gewartet. Die Gefährte sind so unterschiedlich wie die Gäste selbst, vom historischen VW-Bus bis zum hochmodernen Dreiachser, und gehören manchmal zur Familie. „Wir kommen zu zweit mit Chantal“, lautete eine Anmeldung. „Ich habe gefragt: Ist das ein Hund? Und bekam zur Antwort: Nein, unser Wohnwagen“, erzählt Weber. Jeden Sommer erlebt sie die Reisewelle der Skandinavier nach Italien oder Spanien mit. „Vier Wochen später kommen sie dann braun gebrannt zurück.“

In den Jahrzehnten auf dem Platz hat die Eigentümerin schon so einiges erlebt. Einmal wurden die Gäste von lautem Rasseln aufgeschreckt und mutmaßten: „Die Russen kommen!“ Es bog tatsächlich ein ausgedienter Panzer um die Ecke, umgebaut als Campingmobil und mit Blumen geschmückt.

Ein anderes Mal wimmelte es auf dem Platz vor Spionen, die sich zwischen den Wohnwagen herumdrückten. In der Villa Genienau wurde ein Agentenfilm gedreht. Meistens hört man nur die Vögel zwitschern, was den Urlaub im Süden so erholsam macht.