Zeugen gesucht: Helferin in Bad Godesberg selbst schwer verletzt

Zeugen gesucht : Helferin in Bad Godesberg selbst schwer verletzt

Renate Hiemke sucht Zeugen ihres Unfalls an der Rheinallee. Im März wollte sie dort einem Senior beistehen. Dabei stürzte sie aber selbst und wurde schwer verletzt. Ein Busfahrer eilte ihr zur Hilfe.

Den unglücklichen 20. März an der Rheinallee wird Renate Hiemke so schnell nicht vergessen: Damals sei ihr um 10.30 Uhr in Höhe der Bushaltestelle ein älterer, weißhaariger, etwas korpulenter Herr am Krückstock entgegengekommen, der stark geschwankt habe und zu stürzen drohte. "Instinktiv ging ich auf ihn zu, um den Sturz zu verhindern. Er stürzte trotzdem rückwärts und riss mich mit", so Hiemke. Sie ist eine sportliche 77-Jährige, die für die Sportschützen Aennchen 1957 kürzlich erst wieder Bezirksmeisterin ihrer Altersklasse geworden ist. Jetzt sitzt sie nach einem längeren Krankenhausaufenthalt wieder zu Hause.

Die Schmerzen nach der komplizierten Operation sieht man ihr an. Denn vom Sturz war Hiemkes Kniescheibe mehrfach gebrochen, das Handgelenk geprellt. Unmittelbar nach dem Unfall hatte sie das Bewusstsein verloren - und als sie wieder aufwachte, sei der Mann, dem sie helfen wollte, einfach verschwunden gewesen, sagt die 77-Jährige heute empört. "Der Unfallverursacher flüchtete wohl zu Fuß. Auch die Polizei konnte ihn nicht mehr entdecken."

Immerhin hat sie inzwischen den Busfahrer wieder ausfindig gemacht, der ihr an besagtem Morgen Beistand leistete. "Er hat mir geholfen, die Sitzbank an der Bushaltestelle zu erreichen, betreute mich sehr aufmerksam und rief einen Krankenwagen sowie die Polizei", sagt Hiemke dankbar.

Der Fahrer heißt Kan Polat, arbeitet für die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) und bestätigt auf GA-Anfrage sämtliche Angaben. Er selbst habe gerade Pause gehabt, als er beobachtet habe, wie der alte Herr die Dame, die ihm helfen wollte, im Fallen mit nach unten riss. "Ich bin sofort ausgestiegen und habe die Frau auf die Bank an der Haltestelle getragen", so Polat. Sie habe starke Schmerzen gehabt, so dass er sofort einen Krankenwagen gerufen habe und bei ihr geblieben sei. Andere Hinzugekommene hätten sich um den alten Mann gekümmert, so Polat. Die müssten ihn beschreiben können. Seiner Erinnerung nach habe er nur noch wenige Haare gehabt und eine Brille getragen.

Die RVK ist stolz auf ihren Mitarbeiter. "Er hat vorbildlich und aufmerksam reagiert und erste Hilfe geleistet - ein beispielhaftes Engagement", sagt RVK-Sprecher Heiko Rothbrust. Hiemke kann Polat nun ihrer Versicherung als Ansprechpartner nennen. "Ich werde noch lange an den Nachwirkungen dieses schmerzhaften Unfalls leiden", sagt die 77-Jährige.

Sie hofft, über den GA-Artikel Kontakt zu weiteren Zeugen des Vorfalls zu erhalten, denn: "Das Bein tut einfach noch fies weh. Sie mussten mir die Knochenteile wie beim Puzzle zusammensetzen." Trotzdem macht sie doch schon wieder Pläne. Im Mai stehen die Landesmeisterschaften im Luftgewehrschießen an. "Vielleicht kann mich die Mannschaft ja auch in meinem jetzigen Zustand nach Dortmund fahren?", fragt sie sich.

Mehr von GA BONN