Karate Club in Bonn: Hans Olck ist der älteste Trainer Deutschlands

Karate Club in Bonn : Hans Olck ist der älteste Trainer Deutschlands

Der 90-jährige Hans Olck trainiert seit 47 Jahren die Kinder des Bonner Karate Clubs. Damit ist er der älteste Karate-Trainer Deutschlands.

„Der Mann ist mir ein Rätsel.“ Willi Blatzheim, Ehrenvorsitzender des Karate Clubs Bonn, schüttelt mit einem Schmunzeln im Gesicht den Kopf. Er sitzt in der Turnhalle der Bonner Till-Eulenspiegel-Grundschule, hinter ihm macht sich sein Freund Hans Olck mit mehr als 20 Kindern und Jugendlichen gerade warm. Das macht er in dieser Halle seit 47 Jahren, einmal in der Woche.

Mit einem Pfiff, der vermutlich noch auf der anderen Seite der Reuterstraße zu hören ist, bittet Olck seine Gruppe um Ruhe. Wie in vielen asiatischen Kampfsportarten verneigen sich alle erst einmal, um danach mit dem Training loszulegen. „Ich kenne ihn nicht anders als Karate von morgens bis abends“, erzählt Blatzheim weiter. „Und ich kenne ihn seit Jahrzehnten.“ Gemeinsam waren die beiden Freunde, als sie noch im Berufsleben standen, im Vorstand des Personalrats des Bundesministeriums für Forschung und Technologie für die Belange der Angestellten und Arbeiter mitverantwortlich. Das ist jetzt schon fast 30 Jahre her. Denn mittlerweile sind die beiden alten Herren 90 Jahre alt.

Erst mit 42 Jahren begann Olck, der mit seiner Frau in Muffendorf lebt, mit dem Kampfsport. „In München habe ich eines Tages eine Taekwondo-Demonstration gesehen. Davon und von einer Karate-Shotokan-Demonstration in Bad Godesberg war ich so begeistert, dass ich direkt dem Karate-Dojo Bad Godesberg beigetreten bin. Das war 1969“, erinnert sich Olck. 1972 übernahm er mit Wilfried Schulz die Führung des Vereins – für 20 Jahre.

„Bei der Prüfung zum zweiten Dan unter Bundestrainer Karamitsos war ich immerhin schon 70. Die Prüfung zum dritten Dan habe ich mit 75 Jahren abgelegt.“ Nicht ohne Stolz verweist er auf etliche Lehrgänge und Vorführungen, an denen er teilnahm. 1985 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Auf der anderen Seite standen viele Verletzungen, darunter mehrere Zehenbrüche, ein Rippenbruch, der linke Finger für immer ausgekugelt, den rechten Handrücken verschoben. Und vor sieben Jahren erhielt er einen Herzschrittmacher.

Und dennoch: „Ich bin dankbar für alles, was mir im Leben widerfahren ist“, resümiert er. „Ich habe den Zweiten Weltkrieg miterlebt und bin in russische Gefangenschaft geraten. Als ich aus der Gefangenschaft zurückkam, blieb eine anhaltende Aggressivität und Unruhe in mir. Und da hat mir Karate Gleichgewicht und Ruhe gegeben. Ich habe durch Karate mein ganzes Leben umgekrempelt.“

Dass der gelernte Automechaniker und kölsche Jung auf ein langes und ereignisreiches Leben zurückblicken kann, liegt in diesem Alter fast schon auf der Hand. Dass er etwas von seinen Erfahrungen an die nachfolgenden Generationen weitergeben will, beweisen seine Pausen während des Trainings mit den Kindern und Jugendlichen. „Dann erzähle ich denen vom Krieg und meinen Erfahrungen. Mein Zweithobby ist nämlich Geschichte.“

„Er ist schon sehr temperamentvoll“, sagt Blatzheim. Einmal in der Woche gehen die beiden in der Godesberger City Fisch essen. „Der gemeinsame Jahrgang schweißt uns zusammen“, ergänzt Blatzheim. Das Wichtigste sei, mit anderen Menschen zusammen zu sein. „Meine Lebensphilosophie lautet: Anstand, Höflichkeit und Zuverlässigkeit“, sagt Olck, der ganz nebenbei auch von Konfuzius schwärmt.„Hans Olck ist der älteste noch aktive Karatetrainer im Deutschen Karate-Verband, vielleicht sogar über deutsche Grenzen hinausgehend“, sagt ein weiterer Ehrenvorsitzender, Wilfried Schulz. „Jeden Donnerstag steht Hans Olck vor 30 Kindern und begeistert sie durch seine unnachahmliche Art der Trainingsgestaltung. Verpflichtung für uns, als deren sportliche Heimat, dieses außergewöhnliche Ereignis herauszustellen“, lobt Schulz.

Die Leistungen von Hans Olck sowie von Willi Blatzheim, langjähriger zweiter Vorsitzender des Vereins, wird der Karate-Club am Samstag, 9. Juli, ab 13 Uhr im Rahmen des 19. Kata-Bunkai- und Selbstverteidigungslehrgangs im Sportpark Pennenfeld, Mallwitzstraße, würdigen.

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