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Bad Godesberg: Guillaumes Zelle im Keller hat ausgedient

Bad Godesberg : Guillaumes Zelle im Keller hat ausgedient

Die Deutsche Welthungerhilfe hat sich in Bad Godesberg niedergelassen - Das alte Gebäude an der Adenauerallee platzte aus allen Nähten - Offizielle Einweihung mit Entwicklungministerin

Das Geheimnis des Hauses mit der weiß-roten Fassade befindet sich tief unten im Keller. Dort nämlich hatte ein früherer Mieter, das Bundeskriminalamt (BKA), den Kanzlerspion Günter Guillaume samt seiner Frau Mitte der 70er Jahre inhaftiert. "Wir haben darauf verzichtet, die Zellen wieder herzustellen", sagt der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuß, schmunzelnd.

Vor kurzem hat die Organisation ihr Domizil an der Adenauerallee in Bonn verlassen und ist an die Friedrich-Ebert-Straße gezogen. Zur offiziellen Einweihung am nächsten Donnerstag schaut auch Bundesentwicklungsministerin Heide Wieczorek-Zeul vorbei.

Das 3000 Quadratmeter große Gebäude hat einiges an Geschichte zu bieten. Nachdem das BKA ausgezogen war, kam die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung. Zuletzt saßen 80 Mitarbeiter des Bundesbeauftragten für Datenschutz in den Büros. Dieser Behörde verdankt die Welthungerhilfe auch die Möbel in den Sitzungsräumen. "Wir konnten sie günstig übernehmen", erzählt Preuß.

Der Umzug hat den 130 Angestellten der Welthungerhilfe vor allem eines gebracht: Platz. "In den vergangenen zehn Jahren ist die Organisation sehr gewachsen", sagt der Generalsekretär, der seit eineinhalb Jahren in dieser Funktion tätig ist. Der Zuwachs an Personal sei auch durch die Erhöhung öffentlicher Zuwendungsgelder möglich gewesen. Im vergangenen Jahr erhielt das Hilfswerk für den Kampf gegen Hunger fast 91 Millionen Euro an Spenden und öffentlichen Zuschüssen. So konnten 137 Projekte in 39 Ländern neu bewilligt werden. Nachdem jeder Quadratmeter im alten Haus ausgefüllt war, musste die Afghanistan-Gruppe ausgelagert werden, berichtet Preuß.

Ebenso erging es der Stiftung Welthungerhilfe. "Wir haben festgestellt, dass die unterschiedlichen Standorte die Kommunikation schwierig gemacht haben", beschreibt Preuß die Gründe für den Fortgang. Die Stiftung habe sich schließlich entschlossen, eine Immobilie als Kapitalanlage zu kaufen und diese der Organisation zu vermieten. Angebote in Bonn habe es auch gegeben, "aber die waren unbezahlbar".

Beim neuen Haus stimmt für den Generalsekretär das Preis-Leistungsverhältnis: "Es ist ein rein funktionales Gebäude ohne Prunk." Die vorhandenen Schulungsräume wurden in Büros zurückgebaut, die neue Verkabelung ist auch für die nächste Computergeneration gerüstet. Von den Sitzungsräumen im vierten Stock haben Mitarbeiter und Gäste Petersberg und Drachenfels im Blick.

Um den 50er-Jahre-Charme des Gebäudes aufzugreifen und trotzdem etwas von der Behördenatmosphäre zu nehmen, gibt es in den Etagen kleine Sitzgruppen in angenehmen roten und orangefarbenen Tönen. Durch große Sprossenfenster in den dunkelgrauen Bürotüren fällt viel Licht in die langen Flure.

Der Parkplatz hinter dem Gebäude führt dagegen ein Schattendasein. "Die meisten Mitarbeiter kommen jetzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und freuen sich über die Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Entfernung." Preuß dagegen muss mit dem Fahrrad 17 statt bisher neun Kilometer bewältigen.