Kunstrasenplatz in Mehlem und Röttgen: Großer Frust bei den Fußballvereinen

Kunstrasenplatz in Mehlem und Röttgen : Großer Frust bei den Fußballvereinen

Noch ein weiteres Jahr auf Asche kicken, wieder die Spieler vertrösten: Beim 1. FC Ringsdorff-Godesberg und beim Sportverein Rot-Weiß Bonn-Röttgen ist die Enttäuschung groß, weil sich der Bau ihres Kunstrasens bis 2018 verzögert.

Wie berichtet, hatte die Stadt im Sportausschuss mitgeteilt, dass nur der 1. FC Hardtberg und der TV Rheindorf im kommenden Jahr sanierte Plätze bekommen. Das liege unter anderem am späten Beschluss zum Doppelhaushalt 2015/16. Außerdem sei es schwierig, bei vier Baustellen gleichzeitig genügend Ausweichplätze zu finden.

„Das ist gar kein Problem, das weiß das Sportamt“, entgegnete Thomas Knieps, kommissarischer Vorsitzender beim FC Ringsdorff mit 300 Mitgliedern und 13 Mannschaften. „Wir hatten zugesagt, jederzeit unseren Platz freiräumen zu können.“ Gespielt werden solle dann auf dem Oberen Lyngsberg (Heiderhof).

Auch Peter Altendorf, Vorsitzender in Röttgen, kennt eine Handvoll Vereine, die seine zehn Mannschaften aufnehmen würden. „Wir sind sauer“, so Altendorf, man fühle sich veräppelt. Seine Angst: „Die Jugendlichen hauen uns ab. Wir vertrösten sie seit drei Jahren.“ Da seien die umliegenden Vereine mit schon vorhandenem Kunstrasen attraktiver.

Furcht, dass der Aufstieg nicht gelingt

Das sieht auch Knieps so und fürchtet, dass der zum Greifen nahe Aufstieg der Senioren in die A-Klasse nicht klappt. Für Fußballer sei Asche nicht mehr zeitgemäß. Sie kämpften aber auch damit, dass es bei Trockenheit fürchterlich staube und bei Dauerregen wegen riesiger Pfützen Training und Spiele ausfallen müssten.

Man hat den Eindruck, dass „alles komplizierter gemacht wird als nötig“, so Joachim Klaßen, Geschäftsführer in Graurheindorf. Wochenlang habe es gedauert herauszufinden, dass der Platz an der Kopenhagener Straße nicht hochwassergefährdet ist. „Die Politik wird nicht die Füße stillhalten“, sagte Ringsdorff-Geschäftsführerin Anita Kirchner, die auch als sachkundige Bürgerin im Sportausschuss sitzt.

Das Röttgener Ratsmitglied Joachim Stamp (FDP) versprach: „Wir werden jetzt alles daran setzen, dass für die vier Plätze der Zeitplan eingehalten wird.“ Man werde mit der Verwaltung besprechen, wo die Probleme sind, so der Politiker, der auch Vizevorsitzender des Fördervereins Kunstrasen Röttgen ist.

Vorwürfe von Politik und Stadtsportbund ans Sportamt

„Die Haushaltsbeschlüsse zum Kunstrasenbau sind schon zwei Jahre alt“, sagte Sportausschussvorsitzender Christos Katzidis (CDU). Das Sportamt hätte längst planen können. „Informationsfluss scheint ein großes Problem zu sein. Daran muss sich was ändern.“

Gabi Mayer (SPD) hat sich wie viele andere auf Facebook gemeldet. Sie versteht nicht, warum die Verwaltung im März noch mitteilte, dass der Bau von vier Plätzen im Jahr möglich sei. Jetzt heiße es auf einmal, das ginge gar nicht.

Der Stadtsportbund spricht von einer „wieder einmal extrem unproduktiven Arbeit der Verwaltung“. Der angegebene Grund Arbeitsüberlastung im Amt habe dazu geführt, dass seit dem politischen Beschluss zur Sanierung nun schon drei Jahre vergangen seien.

Wie die Stadt am Montag mitteilte, konnten die Planungsleistungen erst nach Inkrafttreten des Haushalts beauftragt werden und gingen an externe Büros. „Die Koordination der Projekte liegt beim Sport- und Bäderamt“, heißt es. Auch wenn die Politik nun auf dem alten Zeitplan besteht – „das Verfahren, das auch eine Ausschreibung und eine Vergabe beinhaltet, lässt sich nicht beschleunigen“, so die Stadt.

Sie errichtet derzeit An der Josefshöhe, der Gesamtschule Beuel und in Endenich Kunstrasenplätze. Insgesamt vier Plätze sollen 2017 fertiggestellt werden. Jeder Umbau kostet rund 700.000 Euro.

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