Beim Leverkusener Privatradio auf Sendung: Grimme-Institut schlägt Godesbergerin als beste Moderatorin vor

Beim Leverkusener Privatradio auf Sendung : Grimme-Institut schlägt Godesbergerin als beste Moderatorin vor

Carmen Schmalfeldt aus Schweinheim ist für den Deutschen Radiopreis nominiert. Die 42-Jährige ist überzeugte Godesbergerin und in ihrem Viertel aktiv.

Als der Anruf des renommierten Grimme-Instituts kam, verschlug es der Kollegin am Telefon von Radio Leverkusen zuerst die Sprache. Dann machte sie eine Flasche Sekt auf: Morgenshow-Stimme Carmen Schmalfeldt ist für den Deutschen Radiopreis in der Kategorie „Beste Moderatorin“ nominiert. Die Wahl-Godesbergerin erfährt erst bei einer Gala am 6. September in Hamburg, ob sie die Trophäe tatsächlich in den Händen halten kann. „Im freundlich Klatschen für Andere habe ich Erfahrung“, sagt sie gelassen. Den NRW-Hörfunkpreis für die beste Morningshow konnte sie im dritten Anlauf nach Bad Godesberg holen. Ob sie sich beim Deutschen Radiopreis gegen die Konkurrenz aus den öffentlich-rechtlichen Sendern durchsetzen kann, bleibt spannend.

32 Minuten Moderation aus einer vierstündigen Sendung – das ist das Material, das die Jury unter dem Dach des Grimme-Instituts bewerten muss. Was Carmen Schmalfeldts Moderationsstil auszeichnet? „Ich bin wirklich ich. Die Person, die jetzt hier sitzt, ist auch morgens im Radio“, sagt sie beim Gespräch im Garten in Schweinheim, wo sie mit Mann, Sohn und Hund wohnt. Jan Böhmermann beispielsweise, „privat ein sensibler, höflicher Mann“, sei im Radio und im Fernsehen eine Kunstfigur.

Morgenshow-Moderatorin

Alle zwei Wochen ist die Moderatorin beim Leverkusener Privatradio auf Sendung, um 5 Uhr morgens beginnt die Arbeit. Das frühe Aufstehen sei ein „Gendefekt“, sagt Schmalfeldt, die 1976 in eine Bäckerfamilie geboren wurde. Von ihrer Mutter, die in der Bäckerei hinter der Verkaufstheke stand, hat sie das Gefühl für Menschen, vom Vater das politische Interesse.

Beides kann sie als Morgenshow-Moderatorin ausleben. „Ich leiste mir den Luxus, Haltung zu haben und Dinge einzuordnen“, sagt Schmalfeldt. Die politische Gemengelage in Leverkusen bietet ein Spannungsfeld von der polizeibekannten Großfamilie Goman bis zu Pro NRW-Mann Markus Beisicht, die nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt im selben Stadtteil wohnen. „Ich möchte die Angst der Menschen ernst nehmen und wissen, wie sie sich fühlen. Dann sind sie auch bereit, über Argumente nachzudenken“, sagt die Moderatorin.

Sie hat beim Lokalfunk in Bayern angefangen und bei Big FM und Antenne Bayern moderiert, bevor sie 2007 der Liebe wegen ins Rheinland zog und zugleich ihre Liebe zu Bad Godesberg entdeckte. „Wir wohnten anfangs in Lannesdorf. Es hat drei Tage gedauert, bis die erste Nachbarin mit einem selbst gebackenen Kuchen vor der Tür stand. Es gibt hier an jeder Ecke Menschen, zu denen du ganz schnell Zugang hast“, so die Erfahrung der Neubonnerin. Sie findet es interessant, wie alte Godesberger über Früher reden. „Ich kann das Wehklagen verstehen, aber ich sehe es anders.“

Radiostimme ist bekannt

Wenn sie eine Morgenshow über Bad Godesberg machen müsste, dann kämen Menschen zu Wort, die nicht jeder kennt, wie die Geologin, die Lehrerin oder der eingebürgerte Brite aus ihrer Nachbarschaft. „Ich rede so gerne mit den Godesbergern. Es gibt hier viele liebenswerte Leute“, sagt die Moderatorin. Das Schönste an den Menschen seien ihre Geschichten.

Man trifft Carmen Schmalfeldt unter anderem beim Ortsverein Schweinheim und in der örtlichen Karnevalsgesellschaft. Den Ortsteil liebt sie, weil die Wege so kurz sind. „Ich bin schnell am Rhein und schnell im Wald.“ Ihre Radiostimme kennt auch die Gemeinde in der katholischen Kirche St. Marien, wo sie als Lektorin die Gottesdienste mitgestaltet.

Für die Radiopreis-Gala ist alles vorbereitet, das Abendkleid hängt bereit. Nach dem Termin in der Maske wird die Godesbergerin vom Shuttle abgeholt und erfährt dann endlich, ob bei Radio Leverkusen noch mal die Sektkorken knallen.

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