"Ausbildung statt Abschiebung": Godesberger Verein unterstützt junge Flüchtlinge bei Integration

"Ausbildung statt Abschiebung" : Godesberger Verein unterstützt junge Flüchtlinge bei Integration

Der Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ unterstützt junge Flüchtlinge bei der Integration, zum Beispiel Mamadou Khairaba Diallo aus Guinea.

Seit drei Jahren lebt Mamadou Khairaba Diallo in Bornheim. Bereits 2012 verließ er seine Heimat Guinea. „Ich hatte Probleme bekommen durch politische Aktivitäten“, berichtet er. So machte er sich auf – in Richtung nördliches Afrika nach Europa und landete in Nordrhein-Westfalen. Heute ist der 21-Jährige ein gelungenes Beispiel für sprachliche und berufliche Integration – dank eigener Initiative und dank des Vereins „Ausbildung statt Abschiebung“, kurz AsA, der seinen Sitz in der Godesberger Straße 51 hat.

„Freunde in Bonn erzählten mir vor drei Jahren von AsA“, so Diallo. Mit Hilfe des Vereins begann er seine ersten Deutschkurse, teilweise dreimal am Tag, zu absolvieren. „Ich habe schnell Deutsch gelernt“, sagt er. Und, so fügt er lachend hinzu: „Das erste, was ich in Deutschland gelernt habe, war Pünktlichkeit.“

Der junge Mann aus Guinea kam ans Bonner Robert-Wetzlar-Berufskolleg und machte ein Praktikum bei Edeka in Bonn. „Ich wollte unbedingt in den Einzelhandel, das ist mein Traumberuf.“ Gesagt, getan. Nach dem einjährigen Praktikum wurde daraus ein Ausbildungsplatz. „Ich bin sehr glücklich mit meinem Ausbildungsplatz. Auch meine Vorgesetzten sind sehr zufrieden mit mir. Anfangs war es nicht leicht in der Schule, vor allem in Mathematik.“ „Dank Mathe-Nachhilfe steht er da jetzt aber zwischen Eins und Zwei“, ergänzt Johanna Strohmeier, Geschäftsführerin von AsA.

Diallo gehört zu den Jugendlichen und Heranwachsenden mit „unsicherer Aufenthaltserlaubnis“, so Strohmeier. Unter den rund 190 bei AsA angebundenen jungen Menschen macht diese Gruppe einen großen Teil aus. Auch im Falle Diallos bedeutet das: Er befindet sich in einem laufenden Asylverfahren. Ob er am Ende in Deutschland bleiben darf, ist nicht sicher. Zugute kommt ihm allerdings die sogenannte „3+2“-Regelung: Drei Jahre Ausbildung plus zwei Jahre Aufenthaltserlaubnis. Schwer vorstellbar, dass am Ende dieser Zeit mit perfekten Deutschkenntnissen und einem festen Arbeitsverhältnis die Abschiebung drohen könnte. „Der Junge ist jetzt schon super integriert“, freut sich Strohmeier.

Verein sucht Ehrenamtliche

Dennoch: „Der politische Druck hat zugenommen“, so die Geschäftsführerin. „Und das Thema ist nicht mehr so aktuell.“ Händeringend sucht der seit 2001 bestehende Verein, dessen Arbeit mehrfach bundesweit ausgezeichnet wurde, vor allem Ehrenamtliche, die die Jugendlichen in Mathematik unterstützen können. „Der größte Teil unserer rund 90 Paten sind Akademiker, die eher in geisteswissenschaftlichen Fächern unterwegs sind“, erläutert Ehrenamtskoordinator Bastian Zillig. Am liebsten wären ihm auch Paten, die in Sachen Handwerk praktisch und theoretisch unterstützen könnten.

Grundsätzlich werden die Auszubildenden durch ehrenamtliche Mitglieder des Vereins während der Ausbildung unterstützt und begleitet. Angestellte Pädagogen und Sozialarbeiter des Vereins bilden einen zusätzlichen professionellen Hintergrund. Mittelpunkt des Unterstützungsbedarfs bilden Berufsschule, Arbeitgeber, Behörden und die soziale Situation der Jugendlichen. Wobei: „Den ersten Schritt erwarten wir immer von den Jugendlichen selbst“, so Strohmeier.

Im Falle Diallos kein Problem. Der hatte schon früh erkannt, dass seine Unterbringung in Containern in Hersel einer gelungenen Integration eher im Wege stand. „Das war eine Katastrophe“, sagt er. „Unter diesen Umständen und wegen fehlender Privatsphäre war es sehr schwer, sich aufs Lernen zu konzentrieren.“ Mit Hilfe von AsA fand Diallo vor wenigen Monaten eine Ein-Zimmer-Wohnung in Bornheim. Einmal mehr zeigte sich für ihn: „AsA ist wie eine Familie“, wie Diallo und Strohmeier gemeinsam hervorheben.

Apropos: Auch AsA ist auf Wohnungssuche, da die Räumlichkeiten im Godesberger Gewerbegebiet aus allen Nähten platzen. „Wir brauchen etwa 250 Quadratmeter, am liebsten in Bad Godesberg“, sagt Strohmeier.

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