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Einsatz im Biotop: Godesberger Schüler pflegen Streuobstwiesen

Einsatz im Biotop : Godesberger Schüler pflegen Streuobstwiesen

Die Schüler der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule legen sich für Streuobstwiesen ins Zeug. Bei Exkursionen zum Marienforster Weg in Ließem lernten sie aber nicht nur etwas über Apfelbäume.

Wissen Sie, wie viel ein industriell gezüchteter Apfel aus dem Supermarkt wiegt? Und wissen Sie auch, warum er sein in der freien Natur gewachsenes Gegenstück aus den Obstregalen verdrängt? Die Schüler der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule könnten Ihnen die Antworten auf diese Fragen jetzt wie aus der Pistole geschossen liefern. Denn diese Woche nahmen 55 Sechstklässler der Schule an zwei umweltpädagogischen Aktionstagen zum Thema Streuobstwiesen teil. Bei Exkursionen zu einer Streuobstwiese am Marienforster Weg in Ließem lernten die Pennäler am Mittwoch und am Donnerstag aber nicht nur etwas über Apfelbäume.

„Wir haben außerdem eine Benjeshecke und Nistkästen für Wildbienen gebastelt“, erzählte der elfjährige Laurin. „Damit helfen wir den Bienen bei der Wohnungssuche.“ Sein Freund Karim entdeckte derweil die zuckersüßen Vorzüge der kleinen Brummer. „Ich habe frischen Honig probiert“, sagte der Zwölfjährige. „Der schmeckt viel besser als der aus dem Supermarkt.“ Gerne erzählten die Schüler auch von ihren tierischen Begegnungen. So trafen sie auf der Wiese beispielsweise auf einen Hasen und ein Reh. Wie sich die Kinder beim Aufeinandertreffen mit Wildtieren verhalten sollen, erklärte ihnen Obstwiesenbetreiberin und Bio-Landwirtin Dorothee Hochgürtel.

5000 Tierarten in den Sträuchern

„Streuobstwiesen haben einen hohen Wert als Biotop“, sagte sie. Über 5000 verschiedene Tierarten hielten sich in den Bäumen, Büschen und Sträuchern auf. Darunter seien viele Vögel, wie zum Beispiel Meisen, aber auch eine Menge Insekten. „Blattläuse gibt es hier zuhauf“, so Hochgürtel. „Die werden aber von den Meisen gefressen. Die vertilgen jeweils 5000 Blattläuse am Tag.“

Zahlen, über die die Kinder staunten. Ebenso wie die, die Hochgürtel zur Entwicklung der Streuobstwiesen präsentierte. „In den 1960er Jahren wurde allein in NRW rund 2,5 Millionen Obstbäume gefällt, um Platz für Plantagen zu schaffen“, sagte die Bio-Landwirtin. „Dennoch ist der Rhein-Sieg-Kreis eines der größten Obstanbaugebiete Deutschlands.“ Trotzdem: Die Obstwiesen seien in Gefahr. Nach der Rodung der Bäume seien über Jahrzehnte keine neuen mehr gepflanzt worden. Das Ergebnis sei ein Loch von gut 30 Jahren, so Xenia Scherz von der Biostation Rhein-Sieg, die das Projekt mitorganisiert hat. „Die meisten Obstbäume sind rund 150 Jahre alt“, sagte Scherz. „Wenn sie sterben, gibt es keinen Ersatz.“ Um die Lage besser einschätzen und rechtzeitig Maßnahmen zum Erhalt der Streuobstwiesen einleiten zu können, zählen Scherz und ihre Mitstreiter derzeit den Bestand in der Region. „Zum Erhalt der Wiesen gehört aber auch, dass wir das Wissen über die Kinder wieder zurück in die Bevölkerung bringen“, so Scherz.

Bei den Sechstklässlern der Gesamtschule scheint das gut zu funktionieren. „Ein Apfel aus dem Supermarkt wiegt 250 Gramm. Die werden so gezüchtet, weil die meisten Leute immer vier Äpfel kaufen – also ein Kilo. Die kleinen Äpfel von den Bäumen will dann keiner mehr haben“, antworteten die Kinder blitzschnell auf die eingangs gestellten Fragen, bevor sie zum Abschluss ihrer Aktionstage einen Apfelbaum pflanzten.